Von Handys bis Drogen: Der Knast wird zum Schmuggelparadies

Berlin - Eigentlich ist die Haftstrafe eine Zeit mit erheblichen individuellen Einschränkungen. Aus Sicherheitsgründen ist der Besitz von Handys verboten. Trotzdem landen trotz intensivster Kontrollen immer wieder Mobiltelefone und Drogen in deutschen Haftanstalten. Wie kann das sein?

Die "Sicherheitsgruppe Justizvollzug des Freistaates Sachsen" stellte in der JVA Waldheim ein Mobiltelefon in einer Konservendose sicher.
Die "Sicherheitsgruppe Justizvollzug des Freistaates Sachsen" stellte in der JVA Waldheim ein Mobiltelefon in einer Konservendose sicher.  © DPA

In deutschen Gefängnissen hat das Einschmuggeln von Handys nach Einschätzung des Bundes der Strafvollzugsbediensteten zugenommen.

"Mancher Gefangene hat zwei, drei Geräte", sagte der Vorsitzende des Bundes, René Müller, der Deutschen Presse-Agentur. "Handys sind bundesweit ein Problem. Wir tun alles, dass sie gar nicht erst reinkommen."

Doch das gestaltet sich schwieriger als gedacht. Der Grund: Es gebe "zu wenig Manpower und zu wenig Technik", führte Müller weiter aus. Der Bund vertritt nach eigenen Angaben die Interessen von etwa 38.000 Bediensteten im Justizvollzug.

Nach Angaben von Müller fehlen derzeit 2000 Mitarbeiter in deutschen Gefängnissen. Damit nicht schlimm genug: "Und die Pensionierungswelle rollt", gab Müller zu bedenken. Bundesweite Zahlen zum Einschmuggeln von Handys und Drogen lagen aber nicht vor.

Im Jahr 2017 fanden die Wärter der JVA Tegel, Berlins größtem Gefängnis, das meiste Rauschgift. (Symbolbild)
Im Jahr 2017 fanden die Wärter der JVA Tegel, Berlins größtem Gefängnis, das meiste Rauschgift. (Symbolbild)

Zum Vergleich für die Hauptstadt: Alleine 2017 wurden in den Berliner Haftanstalten mehr als 1300 verbotene Handys entdeckt. Auch die Anzahl der eingeschmuggelten Drogen ist bedenklich: 5,3 Kilogramm Marihuana und Haschisch, 55 Gramm Heroin, 71 Gramm Kokain sowie 14 Tabletten und einige hundert Gramm Schmerzmittel.

Die Konsequenz: Seit 2010 wurden insgesamt sechs Bedienstete entlassen, weil sie Handys und Genussmittel in Haftanstalten schmuggelten.

Handys im Knast sind verboten, damit keine Straftaten geplant und verabredet werden können. Auch Zeugen in Gerichtsverfahren sollen nicht beeinflusst oder Opfer bedroht werden können. Bilder oder Videos aus dem Gefängnis gelten zudem als Sicherheitsrisiko.

Es ist nicht das erste Mal, dass die deutsche Justizverwaltung Negativschlagzeilen macht. Im vergangenen Jahr sorgte ein junger Insasse der JVA Tegel für Aufsehen. Dem Gefangenen war es gelungen, von seiner Zelle aus mit einem eingeschmuggelten Smartphone einen Videoblog zu betreiben.

Titelfoto: DPA

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