Wettbüro-Mord der Hells Angels: Anklage fordert lebenslange Haftstrafen

Berlin - Der kaltblütige Anschlag dauerte 25 Sekunden: 13 teils vermummte Männer stürmen in ein Berliner Wettbüro. Ein 26-Jähriger wird geradezu hingerichtet. Nach fast fünf Jahren geht der Prozess nun in die Schlussphase.

 Den angeklagten Rockern wird vorgeworfen, an dem Mord an einem 26-jährigen Mann in einem Berliner Wettbüro im Januar 2014 beteiligt gewesen zu sein.
Den angeklagten Rockern wird vorgeworfen, an dem Mord an einem 26-jährigen Mann in einem Berliner Wettbüro im Januar 2014 beteiligt gewesen zu sein.  © Matthias Balk/dpa

Nach fast fünfjährigem Prozess gegen Rocker der Hells Angels wegen tödlicher Schüsse in einem Berliner Wettbüro hat die Staatsanwaltschaft für acht der zehn Angeklagten lebenslange Freiheitsstrafen gefordert.

Sieben der Männer hätten sich des gemeinschaftlichen Mordes schuldig gemacht, ein achter Angeklagter habe als Chef der Rockergruppierung den Anschlag auf einen 26 Jahre alten Mann in Auftrag gegeben und sei wegen Anstiftung zum Mord zu verurteilen, hieß es am Dienstag im Plädoyer der Ankläger.

Für einen neunten Angeklagten, der Aufklärungshilfe geleistet habe, wurden zehn Jahre Haft wegen Mordes beantragt.

Am 296. Verhandlungstag hatte das Landgericht der Hauptstadt zuvor überraschend die Beweisaufnahme geschlossen. Ihr rund vierstündiges Plädoyer begannen die Staatsanwälte mit der Erklärung, dass sich aus ihrer Sicht die Anklage im Wesentlichen bestätigt habe. "Das Opfer musste für einen Ehrenkodex und eine Rache sterben, die sich ein Rockerclub ausgedacht hatte", hieß es weiter.

Hintergrund des Anschlags sei eine Messerstecherei vor einer Diskothek im Oktober 2013 gewesen, bei der ein Hells-Angels-Rocker verletzt worden sei.

"Alle wussten, was passiert"

Die Angeklagten verdecken im Kriminalgericht in Berlin-Moabit mit einem Zettel ihr Gesicht. (Archivbild)
Die Angeklagten verdecken im Kriminalgericht in Berlin-Moabit mit einem Zettel ihr Gesicht. (Archivbild)

13 teils vermummte Männer waren am 10. Januar 2014 hintereinander in das Wettspiel-Café in Berlin-Reinickendorf marschiert. Der Mann an der Spitze hielt eine Pistole in der Hand. Im Hinterzimmer feuerte er auf den 26-Jährigen und tötete ihn mit mehreren Kugeln. Der Anschlag vor laufenden Überwachungskameras dauerte 25 Sekunden.

Als die Schüsse fielen, sei den Aufzeichnungen zufolge keiner der Angeklagten entrüstet gewesen, so die Ankläger. "Alle wussten, was passiert." Das 26-jährige Opfer, durch dessen Verhalten sich die Rockergruppierung provoziert gefühlt habe, sei ohne Chance gewesen.

"Er war arg- und wehrlos." Aus Sicht der Staatsanwaltschaft sei der Anschlag heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen erfolgt. "Es war eine geplante Rache." Den Befehl dazu habe der 35-jährige Chef der Gruppe erteilt. "Er war unangefochtener Präsident, der nach immer mehr Macht strebte."

In dem seit November 2014 unter massiven Sicherheitsvorkehrungen laufenden Prozess wurden 346 Zeugen befragt, manche von ihnen mehrfach. Zudem wurden 26 Sachverständige gehört. Die Videosequenzen zum Tatgeschehen seien "ein unersetzliches Beweismittel" gewesen, so die Ankläger.

Im Falle eines zehnten Angeklagten, bei dem es ebenfalls um mutmaßliche Anstiftung zum Mord geht, sahen die Staatsanwälte keinen Tatnachweis. Wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz sei er allerdings zu zwei Jahren Haft zu verurteilen.

Am 5. September sollen die Anwälte der Nebenklage plädieren.

Ermittler am Tatort: In diesem Wettbüro wurde im Januar 2014 ein Mann erschossen.
Ermittler am Tatort: In diesem Wettbüro wurde im Januar 2014 ein Mann erschossen.  © Maurizio Gambarini/dpa

Titelfoto: Matthias Balk/dpa

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