Ihr seid lange wach? So ungesund ist Schlafentzug!

So wird das nichts: Wer vor der Nachtruhe noch einen schnellen Blick in die E-Mails wirft, darf sich über schlechten Schlaf nicht wundern.
So wird das nichts: Wer vor der Nachtruhe noch einen schnellen Blick in die E-Mails wirft, darf sich über schlechten Schlaf nicht wundern.  © Christin Klose/dpa-tmn

Berlin - Bei nächtlichen Dauerverhandlungen - wie den zuletzt mehr als 24-stündigen Sondierungsgesprächen - leiden Reaktionsvermögen und Entscheidungsfähigkeit.

Bei 22 Stunden Wachheit entspreche das Reaktionsvermögen dem bei 1,0 Promille Blutalkohol, sagte das Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, Hans-Günter Weeß, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

"Die Entscheidungsfähigkeit lässt nach, vor allem sind es unsere ethisch-moralischen Grundsätze, die immer mehr verblassen."

Stehvermögen könne dann eine wichtigere Rolle spielen als gute Argumente. "Der Schlafdruck nimmt zu und eigentlich will man nur noch eines: ab ins Bett. Und dann stimmt man bei dem einen oder anderen Punkt vielleicht zu, den man unter Wachheit gar nicht so akzeptieren würde."

Andererseits seien Anspannung und der Adrenalinspiegel wahrscheinlich sehr hoch und Anspannung vertreibe Müdigkeit, sagte Weeß, der das Schlafzentrum am Pfalzklinikum Klingenmünster leitet.

Ab spätestens etwa drei Uhr früh kommen alle Menschen in ein Leistungstief.
Ab spätestens etwa drei Uhr früh kommen alle Menschen in ein Leistungstief.  © Patrick Pleul/dpa

Ein oder zwei Tassen Kaffee oder Tee könnten kurzfristig helfen. Zu viel davon könne aber zu einem ganz tiefen Loch führen.

"Die Nacht ist kein Zeitpunkt für sachliche Entscheidungen. Wer nicht genug schläft, kann Probleme schlechter lösen. Emotionen spielen dann eine größere Rolle", hatte schon Jürgen Zulley nach dem Scheitern der Jamaika-Verhandlungen Ende vergangenen Jahres gesagt. Er ist ehemaliger Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums an der Universität Regensburg.

Von Schlafentzug sprechen die Forscher bereits dann, wenn ein Mensch über den Zeitpunkt hinaus wach ist, zu dem er normalerweise ins Bett geht.

"Wir haben einen biologischen Rhythmus, der konstant weiterläuft. Da hilft auch kein Vorschlafen", erklärte Zulley. Ab spätestens etwa drei Uhr früh kämen alle Menschen in ein Leistungstief. "Deshalb passieren die meisten Arbeitsfehler in Nachtschichten."

Titelfoto: Christin Klose/dpa-tmn


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