Ganz schön kühn! Juso-Chef Kevin Kühnert will BMW enteignen und kassiert Shitstorm

Berlin - Großunternehmen wie BMW verstaatlichen, Wohneigentum beschränken: Für Juso-Chef Kevin Kühnert (29) hagelt es nach seinen Thesen zum Sozialismus heftige Kritik. Die Rede ist zum Beispiel von einem "verschrobenen Retro-Weltbild eines verirrten Fantasten".

Kevin Kühnert, Bundesvorsitzender der Jusos, blickt im Willy-Brandt-Haus nach einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur, in die Kamera des Fotografen.(Archivbild)
Kevin Kühnert, Bundesvorsitzender der Jusos, blickt im Willy-Brandt-Haus nach einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur, in die Kamera des Fotografen.(Archivbild)  © DPA

Juso-Chef Kevin Kühnert hat für seine Sozialismus-Thesen massive Kritik geerntet. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (44, CSU) sagte der "Bild"-Zeitung: "Zum Glück haben wir den Sozialismus überwunden, bei dem zwar alle gleich, aber alle gleich arm waren.

Die Forderung, Betriebe wie BMW zu kollektivieren, zeigt das rückwärtsgewandte und verschrobene Retro-Weltbild eines verirrten Fantasten. Das kann ich alles gar nicht ernst nehmen."

Kühnert hatte in einem Interview mit der "Zeit" gesagt, dass er große Firmen kollektivieren möchte. Er wolle eine Kollektivierung von Unternehmen wie BMW "auf demokratischem Wege erreichen. Ohne Kollektivierung sei "eine Überwindung des Kapitalismus nicht denkbar".

Am Beispiel des Autobauers hatte er weiter ausgeführt: "Mir ist weniger wichtig, ob am Ende auf dem Klingelschild von BMW "staatlicher Automobilbetrieb" steht oder "genossenschaftlicher Automobilbetrieb" oder ob das Kollektiv entscheidet, dass es BMW in dieser Form nicht mehr braucht."

Entscheidend sei, dass die Verteilung der Profite demokratisch kontrolliert werde. "Das schließt aus, dass es einen kapitalistischen Eigentümer dieses Betriebes gibt."

Immobilienbesitz beschränken

f: Kevin Kühnert, Bundesvorsitzender der Jungsozialisten (Jusos), spricht beim Auftakt des dreitägigen Juso-Bundeskongresses der Jugendorganisation der SPD. (Archivbild)
f: Kevin Kühnert, Bundesvorsitzender der Jungsozialisten (Jusos), spricht beim Auftakt des dreitägigen Juso-Bundeskongresses der Jugendorganisation der SPD. (Archivbild)  © DPA

Außerdem will Kühnert den Besitz von Immobilien in Deutschland beschränken. "Ich finde nicht, dass es ein legitimes Geschäftsmodell ist, mit dem Wohnraum anderer Menschen seinen Lebensunterhalt zu bestreiten", hatte er gesagt.

"Konsequent zu Ende gedacht, sollte jeder maximal den Wohnraum besitzen, in dem er selbst wohnt." Noch besser seien genossenschaftliche Lösungen, im Optimalfall gebe es überhaupt keine privaten Vermietungen mehr, sagte der Vorsitzende der SPD-Jugendorganisation.

FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg (37) sagte laut "Bild"-Zeitung: "Die SPD muss dringend ihr Verhältnis zum Eigentum klären und Herr Kühnert das Godesberger Programm statt Karl Marx lesen."

Und weiter: "Wir Freien Demokraten werden die Soziale Marktwirtschaft gegen solche sozialistischen Auswüchse verteidigen." "30 Jahre nach dem Niedergang der DDR wollen die Linken wieder den demokratischen Sozialismus", meinte CDU-Vize Thomas Strobl (59). Erst spreche Grünen-Chef Habeck (49) von Enteignungen, "jetzt kommen diese Stimmen auch aus der SPD und von der kommunistischen Linken sowieso."

Es hagelte zudem Kritik aus den eigenen Reihen Johannes Kahrs (55), Sprecher des Seeheimer Kreises der SPD fragte auf Twitter: "Was für ein grober Unfug. Was hat der geraucht? Legal kann es nicht gewesen sein."

Doch es gibt positive Stimmen. Der SPD-Vize Ralf Stegner (59) hat Kühnert gegen Kritik an seinen Thesen zum Sozialismus verteidigt. "Die Debatte ist ein Sturm im Wasserglas", sagte Stegner am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

"Kühnert beschreibt skandalöse Missstände, die es gibt. Aber er stellt keine tagespolitischen Forderungen auf", sagte Stegner und betonte: "Alle wissen, dass die SPD keine Unternehmen verstaatlichen will. Auch die Enteignung von Immobilienkonzernen bringt keine neuen Wohnungen."

Kühnert kritisierte den starken Mietenanstieg in den Städten und wandte sich im Grundsatz gegen Vermietungen als legitimes Geschäftsmodell.

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