Durchbruch im Kampf gegen Aids? Kölner Apotheker beweist Mut

Dank des Kölner Apothekers Erik Tenberken ist eine Kostensenkung von bislang monatlich mehreren Hundert Euro auf rund 50 Euro möglich.
Dank des Kölner Apothekers Erik Tenberken ist eine Kostensenkung von bislang monatlich mehreren Hundert Euro auf rund 50 Euro möglich.  © Jens Kalaene/dpa

Köln/Berlin - Dank eines Kölner Apothekers wird ein neues Präparat im Kampf gegen Aids bald in sieben deutschen Großstädten erhältlich sein. Die Deutsche AIDS-Hilfe fordert jetzt schon den flächendeckenden Zugang.

Noch im September soll es die HIV-Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) für gut 50 Euro pro Monat geben. Ein Generikum des Medikaments Truvada wird in ausgewählten Apotheken erhältlich sein. Das gab der Apotheker Erik Tenberken am Samstag in Köln bekannt, wie die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) mitteilt.

Bei der PrEP nehmen HIV-negative Menschen HIV-Medikamente ein, um eine Infektion zu verhindern. In Deutschland sind Truvada und ein Generikum zu diesem Zweck für Menschen mit hohem HIV-Risiko zugelassen. Mit mehr als 800 beziehungsweise 600 Euro für die meisten Menschen aber unerschwinglich. Die Krankenkassen zahlen dafür bisher nicht.

Tenberken hat eine Lösung gefunden, um die HIV-Prophylaxe kostengünstig anzubieten. Er kauft das Medikament zum Vorzugspreis beim Generika-Hersteller Hexal und verpackt es neu in Blister (Durchdrückverpackungen). Damit entsteht ein neues Präparat, das nur für die Prophylaxe zugelassen ist. Der Verkauf des HIV-Medikaments für die Therapie bleibt also unberührt.

Für die Prophylaxe kann Tenberken darum 28 Tabletten für 51 Euro anbieten.

Die Prophylaxe bietet vor allem jenen Menschen Schutz vor HIV, für die Kondome aus verschiedenen Gründen keine praktikable Möglichkeit sind.
Die Prophylaxe bietet vor allem jenen Menschen Schutz vor HIV, für die Kondome aus verschiedenen Gründen keine praktikable Möglichkeit sind.  © 123rf.com/4pmproduction

Die DAH begrüßt diesen kreativen und mutigen Schritt. Vorstand Ulf Hentschke-Kristal: "Die 50-Euro-PrEP ist ein Durchbruch. Sie verschafft Menschen endlich Zugang zur Prophylaxe, die sie dringend brauchen.

Die Lösung ist dieses Modell aber noch nicht. Zum einen ist die PrEP nicht überall verfügbar, zum anderen können sich auch 50 Euro nicht alle Menschen leisten. Wir brauchen einen flächendeckenden, über die Krankenkassen finanzierten Zugang zur HIV-Prophylaxe."

Eine neue Studie zur Kosteneffizienz zeigt auch: Die kostengünstigere PrEP könnte in Deutschland bis zum Jahr 2030 rund 9000 HIV-Infektionen verhindern und damit auch Therapiekosten.

Bislang sind viele Menschen aufgrund des hohen Preises auf Generika aus dem Ausland ausgewichen. Diese bestellen sie meistens online. Nehmen sie die Medikamente dann ohne ärztliche Begleitung ein, können mangelnder Schutz, weitere Gesundheitsrisiken und Resistenzbildungen die Folgen sein.

Regelmäßige HIV-Tests und andere medizinische Untersuchungen sind bei der PrEP unerlässlich, auch wegen möglicher Nebenwirkungen und anderer sexuell übertragbarer Infektionen. "Deutschland muss die Chancen der PrEP endlich ergreifen, statt die Risiken einer Anwendung im Graubereich in Kauf zu nehmen", sagt Hentschke-Kristal.


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