Berliner "Tatort" im Kurz-Check: Lohnt "Der weite Weg"?

Berlin - Der "Tatort" am Sonntag gehört für viele Fernsehzuschauer zum perfekten Abschluss eines Wochenendes. Heute ermitteln zum neunten Mal die Kommissare Nina Rubin (Meret Becker, 50) und Robert Karow (Mark Waschke, 47) im Berliner Ableger der Kult-Krimireihe.

Kommissarin Nina Rubins (Meret Becker) Sohn Tolja (Jonas Hämmerle, l) wurde bei einem Einsatz der Streifenpolizei angeschossen - eine Szene aus "Der gute Weg".
Kommissarin Nina Rubins (Meret Becker) Sohn Tolja (Jonas Hämmerle, l) wurde bei einem Einsatz der Streifenpolizei angeschossen - eine Szene aus "Der gute Weg".  © Stefan Erhard/rbb/dpa

Lange Zeit galt der Sonntagabendkrimi als sichere Wette für gradlinige Unterhaltung. Selten kam der "Tatort" wundertütig daher, heute allzu häufig experimentierfreudig.

Nicht so die Berliner Folge "Der gute Weg", die am Sonntagabend um 20.15 Uhr im Ersten über die TV-Bildschirme flackert.

Regisseur Christian von Castelberg und Autor Christoph Darnstädt kredenzen dem Zuschauer eine gut verdauliche Milieustudie im Brennpunkt Kreuzberg und rund um das mittlerweile ikonische und symbolbildartige Kottbusser Tor, die auf einen klassischen und atmosphärisch dichten Spannungsaufbau setzt.

Dabei geht es um die alltägliche Angst von Streifenpolizisten in der turbulenten Großstadt – und die soll Tolja Rubin (Jonas Hämmerle) hautnah zu spüren bekommen.

Der Sohn der Kommissarin ist Polizei-Azubi im "Einsatzpraktikum" und wird mit zu einer nächtlichen Ruhestörung genommen.

Die in Tränen aufgelöste Nina Rubin (Meret Becker) kann gerade ihrem Kollegen Robert Karow (Mark Waschke) nicht bei der Tatortbegehung zur Seite stehen, schließlich wurde auf ihren Sohn geschossen - eine Szene aus "Der gute Weg".
Die in Tränen aufgelöste Nina Rubin (Meret Becker) kann gerade ihrem Kollegen Robert Karow (Mark Waschke) nicht bei der Tatortbegehung zur Seite stehen, schließlich wurde auf ihren Sohn geschossen - eine Szene aus "Der gute Weg".  ©  Stefan Erhard/rbb/dp

Was als Routineeinsatz im Kreuzberger Kiez für die beiden erfahrenen Kommissare Sandra Ehlers (Anna Herrmann) und Harald Stracke (Peter Trabner) beginnt, eskaliert und endet mit einem Stich in ein Drogennest, einem Verletzten und zwei Todesopfern im Kugelhagel.

Schnell wird klar: Irgendetwas stimmt da nicht. Tolja verheddert sich in Widersprüchen, weiß mehr als er sagt. Rubin und Karow begeben sich daraufhin auf Spurensuche, an dessen Ende eine fürchterliche Wahrheit steht.

Vergleiche mit der Dramaserie "4 Blocks" drängen sich auf – nicht zuletzt dank Rauand Taleb (27), der dort den jungen Kokaindealer Zeki gab, und auch im heutigen Berliner Krimi als schießwütiger Dealer Yakut zu sehen ist.

In "Tatort: Der Weite Weg" geht es um die dunklen und düsteren Seiten Berlins, um kaputte und gebrochene Gestalten, um Drogen, Clan-Kriminalität, auch um miefige Berlin-Klischees vor altbekannten Kulissen, inhaltlich getragen von mehrschichtigen Personen, die in ungewöhnlichen Beziehungsgeflechten stehen. Es ist Berliner Realismus mit Trauma-Topos.

Ob der heutige Berliner Tatort punkten kann? Wahrscheinlich: Zuletzt hängte das Ermittler-Duo Karow–Rubin die Kommissare in Dresden, Weimar und Kiel quotenmäßig ab. Schlusslicht bildet 2019 bislang der Tschiller-Gümer-Tatort in Hamburg.

Titelfoto: Stefan Erhard/rbb/dp

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