Weil Flüchtlingsheim-Security Hilfe verweigerte? Hochschwangere Frau verliert ihr Baby

Berlin - Die Vorwürfe machen fassungslos und wiegen schwer: Eine Frau, im neunten Monat schwanger, mit Blutungen und Schmerzen, habe um Hilfe gebeten. Doch der diensthabende Sicherheitsmitarbeiter einer Sammelunterkunft für Geflüchtete in Berlin-Lichtenberg soll sich geweigert haben, einen Rettungswagen zu rufen. Kurz darauf brachte die Frau ein totes Baby zur Welt.

 Berlins Sozialsenatorin Elke Breitenbach (58, Die Linke) bei einem Pressegespräch. (Archivbild)
Berlins Sozialsenatorin Elke Breitenbach (58, Die Linke) bei einem Pressegespräch. (Archivbild)

Die unfassbare Begründung des Security-Mannes laut der Pressemitteilung des Flüchtlingsrats Berlin e. V. : Es sei vier Uhr morgens an einem Sonntag. Da könne man nicht die Feuerwehr alarmieren.

Auch soll sich der Wachschutz den Angaben nach geweigert haben, ein Taxi zu rufen. Immerhin sei das Krankenhaus nur wenige hundert Meter von der Flüchtlingsunterkunft entfernt, wo das Ehepaar leben soll – tatsächlich aber gut drei Kilometer.

Das Paar – erst vor wenigen Monaten nach Deutschland geflüchtet – konnte aufgrund fehlender Deutschkenntnisse nicht selbst den Notruf wählen, habe aber von dem Security-Mitarbeiter die Adresse der Klinik mit Geburtshilfeabteilung erhalten.

Daraufhin machte sich das Paar zu Fuß und mit dem Nahverkehr auf dem Weg in das Krankenhaus. Dort brachte die Frau einen normalgewichtigen Jungen zur Welt – tot! Eine akute Plazentainsuffizienz (mangelnde Funktion des Mutterkuchens) wird laut Flüchtlingsrat als Todesursache genannt, die für ein Ungeborenes eine Lebensgefahr bedeutet.

Es sei davon auszugehen, dass das Kind am frühen Morgen noch gelebt habe. Berichten zufolge habe es um vier Uhr noch im Bauch der Frau gestrampelt. Unklar ist dennoch, ob das Baby bei einem früheren Eintreffen des Paares mittels eines alarmierten Rettungswagens in der Klinik hätte gerettet werden können. Das gehe aus der Aussage des behandelnden Arztes unter Berufung auf den bereits vorliegenden Obduktionsbericht hervor. Dies habe er dem Paar auch mitgeteilt. Allerdings steht noch das gerichtsmedizinische Gutachten aus.

Der Fall habe sich bereits in der Nacht vom 22. auf den 23. Juni zugetragen, wurde aber jetzt erst öffentlich bekannt. Das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten habe erst in der vergangenen Woche von dem Vorfall erfahren. Die Eltern sind "von der Situation schwer traumatisiert und emotional komplett überfordert", heißt es weiter. Für den Anwalt des Ehepaares liegt der Fall klar auf der Hand: unterlassene Hilfeleistung.

Bei dieser Tragödie soll es sich um keinen Einzelfall handeln. Teilweise sollen Rettungsdienste bei von Geflüchteten getätigten Notrufen ihre Einsätze in Unterkünften davon abhängig machen, dass Security oder Heimleitung die Notwendigkeit bestätigen, sagte der Flüchtlingsrat.

Der Berliner Verein fordert nun Sozialsenatorin Elke Breitenbach und dem Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten zur lückenlosen Aufklärung auf.

Senat verspricht Aufklärung

Update, 12 Uhr

Der Senat hat nun die geforderte lückenlose Aufklärung angekündigt. "Ein entsetzlicher Vorfall, der viele Fragen aufwirft", erklärte Integrationsstaatssekretär Alexander Fischer (44, Die Linke) am Dienstag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Und weiter heißt es in dem Tweet des Politikers: "Er wird aufgeklärt. Es ist inakzeptabel, wenn Menschen die Notfallversorgung verwehrt wird. Das muss jederzeit gewährleistet sein. Der Familie gehört mein Mitgefühl. Sie muss jede erdenkliche Hilfe und Betreuung bekommen."

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