Während Opa bei sterbender Oma ist, schleicht der beste Freund in seine Wohnung

Auf der Überwachungskamera entdeckte der Rentner seinen besten Freund (Symbolfoto).
Auf der Überwachungskamera entdeckte der Rentner seinen besten Freund (Symbolfoto).  © 123RF

Berlin – Diebstahldrama unter Nachbarn in Berlin-Weißensee. Der 78-jährige Hans J. hatte sich mit seinem Nachbarn Klaus G. (58) befreundet. Doch der nutze das enge Vertrauensverhältnis schamlos aus.

Wie die B.Z. berichtet, erkrankte die Frau von J. an Krebs und lag im Krankenhaus. Er besuchte immer wieder seine geliebte Helga. Als sie im Januar starb, saß er an ihrem Bett und hielt ihre Hand. Nur die Eheringe, die sie in ihren letzten Stunden so gerne getragen hätte, hatte er zu Hause nicht finden können.

Zunächst dachte er, er habe sie verlegt. Im Frühjahr fiel ihm dann auf, dass noch viel mehr Schmuck und Münzen aus seiner Sammlung fehlten. Er hatte sie extra an sehr außergewöhnlichen Orten versteckt, so wie es ihm sein guter Freund und Nachbar geraten hatte. Dort seien sie dann definitiv vor Dieben sicher. Doch jetzt waren sie nicht mehr da.

Kumpel Klaus G. riet ihm, Ruhe zu bewahren, er habe die Schmuckstücke sicher nur verlegt. Doch die Tochter von Hans J. war sich sicher, dass da mehr dahinter stecken müsse. An die Schusseligkeit ihres Vaters glaubte sie nicht.

Am Amtsgericht Tiergarten wurde der Fall jetzt verhandelt.
Am Amtsgericht Tiergarten wurde der Fall jetzt verhandelt.  © DPA

Also installierten sie eine Überwachungskamera im Haus und siehe da: Es gab tatsächlich einen Einbrecher. Es handelte sich ausgerechnet um den guten und hilfsbereiten Nachbarn. Der hatte sich einen Schlüssel nachmachen lassen und war immer, wenn Opa Hans bei seiner sterbenden Frau in der Klinik war, in dessen Haus gegangen.

Er zeigte den Nachbarn an, jetzt steht dieser wegen Einbruchdiebstahls vor Gericht. Die Münzen und den Schmuck hatte er allerdings längst verhökert. Und er zeigte sich auch wenig einsichtig. Von Reue bei der Verhandlung keine Spur. Und so sagt auch sein Opfer: "Am schlimmsten ist für mich, dass er sich nicht mal entschuldigt hat.“

Wie die B.Z. berichtet, erklärte die Richterin während des Prozesses: "Wie niederträchtig, Angeklagter! Während Ihr Nachbar zur Sterbebegleitung in der Klinik ist, gehen Sie mit einem zuvor heimlich nachgemachten Schlüssel in seine Wohnung und bestehlen ihn.“ Sie verurteilte ihn zu 14 Monaten auf Bewährung, und er muss drei Jahre lang monatlich 100 Euro an den bestohlenen Nachbarn zahlen, um den finanziellen Schaden auszugleichen.

Für den ist das aber ein schwacher Trost. Zum einen sei die Beute viel mehr wert, als 3600 Euro und zum anderen hängen gerade an dem Schmuck seiner verstorbenen Frau so viele unbezahlbare Erinnerungen an eine glückliche gemeinsame Zeit.


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