Klare Kante: Lehrt Neuköllner Bürgermeister Martin Hikel den Clans die Regeln?

Berlin - Immer wieder rückt die Polizei im Kampf gegen das organisierte Verbrechen zu Razzien aus. Im Visier der Ermittler: Shisha-Bars, Wettbüros, Spätis – wo Geld gewaschen, Drogen verkauft, krumme Dinger gedreht werden. Fast immer dabei, zu jeder Tag- und Nachtzeit, wenn es den Clans an den Kragen gehen soll: Martin Hikel (32, SPD), Bezirksbürgermeister von Neukölln seit 2018.

Auch Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel (r.) und Vorsitzender der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Burkard Dregger waren bei den Durchsuchungen vor Ort.
Auch Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel (r.) und Vorsitzender der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Burkard Dregger waren bei den Durchsuchungen vor Ort.  © Morris Pudwell

Die Schlagzeilen häufen sich: Unermüdlich und mit bislang unbekannter Frequenz zeigen Polizei, Zoll und Ordnungsamt Präsenz, machen Sturm auf die Orte, wo Verbrechen vermutet werden. Zuletzt sorgte nach der Ermittlungsgruppe "Zigarettenhandel" erneut eine nächtliche Razzia in Zusammenarbeit mit dem Zoll für Aufsehen.

Es ist Martin Hikel, der von Termin zu Termin, von einer Razzia zur nächsten hetzt. (TAG24 berichtete)

Nicht immer sind die Razzien von Erfolg gekrönt, für manche Ladenbetreiber enervierend, jedoch von routinierter Wichtigkeit, wie Martin Hikel im Interview mit "Bild" erklärt. "Es ist kein Scheiß, was wir da machen, sondern es sollte ein Stück weit Standard sein." Hikel hat sich eine Null-Toleranz-Grenze auf die Fahnen geschrieben. "Wir tolerieren keine Art der Regelverstöße, ob es die Großen oder die Kleinen sind", betonte der 2,08 Meter große Politiker, der den Kiez bestens kennt, selbst hier lebt und Rap-Musik hört, seit er elf Jahre alt ist.

Dabei sei es auch gar nicht in erster Linie wichtig, dass die Clans beim Namen "Martin Hikel" Muffensausen bekommen, "sondern letztendlich soll es deutlich machen, dass wir vor allem an das Geld bei ihnen rangehen und wir die Aktivitäten, die sie hier im Bezirk haben, so nicht tolerieren", fuhr der 32-Jährige fort. Sprich: Geld, das am Staat vorbeigeschleust wird, zu beschlagnahmen und so zu zeigen, dass die Staatsmacht auch weiterhin den längeren Atem hat.

Bereits zuvor machte Martin Hikel klar, dass Intensivtäter nicht zu glorifizieren seien. Ziel des Politikers ist es, dass Neukölln lebenswert wird. Auf den Weg dorthin steht der Bezirksbürgermeister auch in schusssicherer Weste an vorderster Front, auch wenn er bislang noch keine Clan-Bosse kennt.

Zur Person: Martin Hikel absolvierte sein Abitur 2005 im Neuköllner Ortsteil Britz, trat noch im selben Jahr in die SPD ein. Bis zum 21. März vergangenen Jahres war er Lehrer für Mathematik und Politik an der John-F.-Kennedy-Schule in Zehlendorf. Dann trat er die Nachfolge der damaligen Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (40, SPD) an.

Der Bürgermeister von Neukölln, Martin Hikel (32, SPD,l) unterhält sich im Hotel Estrel beim traditionellen Weihnachtsessen für Menschen von der Straße mit einem Bedürftigen. (Archivbild)
Der Bürgermeister von Neukölln, Martin Hikel (32, SPD,l) unterhält sich im Hotel Estrel beim traditionellen Weihnachtsessen für Menschen von der Straße mit einem Bedürftigen. (Archivbild)  © Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa
Zum Tatort kam wenig später auch der Bezirksbürgermeister von Neukölln, Martin Hikel.
Zum Tatort kam wenig später auch der Bezirksbürgermeister von Neukölln, Martin Hikel.

Titelfoto: Morris Pudwell

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