Kündigung nach 33 Jahren: Kultige Kiezkneipe "Syndikat" will Miethai Zähne ziehen

Berlin - Nach 33 Jahren soll der Neuköllner Künstler- und Nachbarschaftstreff "Syndikat" verschwinden (TAG24 berichtete). Doch trotz geplatztem Räumungstermin und ohne Mietvertrag geht der Betrieb weiter. Das Kollektiv zeigt dem britischen Immobilienhai die Zähne.

Der Hausverwalter von der Deutschen Immobilien Management GmbH stellte bei der Kündigung noch eine Neuverhandlung in Aussicht, zog das aber im September zurück.
Der Hausverwalter von der Deutschen Immobilien Management GmbH stellte bei der Kündigung noch eine Neuverhandlung in Aussicht, zog das aber im September zurück.

Sechs Wochen nach dem Termin hält das Betreiberkollektiv weiter die Stellung und lässt verlauten: "Der Betrieb läuft ganz normal. Die Leute kommen, trinken, feiern, alles wie immer", zitiert die junge Welt Christian, der seit zwölf Jahren Teil des achtköpfigen Betreiberkollektivs ist.

Im Juli 2018 kam für die Neuköllner Szenekneipe in der Weisestraße 56 im einstigen Berliner Arbeiterbezirk die Kündigung – und zwar nach 33 Jahren. Eine Schlüsselübergabe fand am 2. Januar 2019 nicht statt. Den Termin ließen die Betreiber platzen.

Einen neuen Mietvertrag gibt es bislang nicht. Seit Mitte Januar wissen die Betreiber, dass der Eigentümer eine Räumungsklage eingereicht hat. Nun droht demnächst ein Gerichtstermin.

Die junge Welt berichtet weiter, dass eine Liste mit 4.000 Unterschriften gegen die Schließung persönlich überreicht werden sollte. Dazu wurde versucht, die Eigentümer ausfindig zu machen.

Über das "Deutschen Immobilien-Management" (DIM) in Berlin und eine Briefkastenfirma in Luxemburg wurde schließlich London beziehungsweise der Sitz der Firma "Pears Global Real Estate" ausfindig gemacht. In Deutschland soll die geschätzt sieben Milliarden Euro schwere "Pears-­Gruppe" mehr als 6.200 Immobilieneinheiten besitzen, 6.000 davon in Berlin.

Das Syndikat-Kollektiv reiste vor Weihnachten nach London, aber man wollte dort die Unterschriftenliste "aus Sicherheitsgründen" nicht annehmen, heißt es. Stattdessen wurde in der britischen Metropole der Ratschlag erteilt, "sich woanders eine Lokalität suchen, Berlin sei doch so billig", schreibt die Zeitung weiter.

Eine Sache steht für die Gruppe aber wohl fest: "Wir kämpfen weiter."

Das Syndikat spielt für sein Milieu eine wichtige Rolle.
Das Syndikat spielt für sein Milieu eine wichtige Rolle.

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