Dr. Tod gewinnt Prozess: "Menschen Museum" der Körperwelten bleibt!

Berlin - Schon vor der Eröffnung des umstrittenen "Menschen Museums" am Fuße des Fernsehturms am Alexanderplatz im Februar 2015 versuchte das Bezirksamt Mitte die Leichen-Dauerausstellung der "Körperwelten"-Macher zu verbieten. Am Freitag die endgültige Entscheidung.

Ob das Bezirksamt Mitte will oder nicht: Das "Menschen Museum" bleibt geöffnet.
Ob das Bezirksamt Mitte will oder nicht: Das "Menschen Museum" bleibt geöffnet.  © TAG24/Peter Kiefer

Bereits weit über 500.000 Besucher bestaunten die Leichenschau, die dem Bezirksamt stets ein Dorn im Auge war.

Doch nach der Verhandlung am Oberverwaltungsgericht (OVG) Berlin muss die Behörde ihren Kampf gegen das "Menschen Museum" von Plastinator Gunther von Hagens (73) begraben.

Nach Ansicht des Gerichts ist die Dokumentation der Herkunft der Leichen ausreichend und nachvollziehbar.

Rückblick: Erst im September 2017 mussten in der Ausstellung die Ganzkörper-Plastinate von zehn Leichen verhüllt werden, da deren keine Einwilligungserklärungen der Körperspender vorlagen, da die Exponate anonymisiert wurden (TAG24 berichtete).

"Wir haben uns in einem gerichtlichen Vergleich geeinigt und sind sehr erleichtert, dass es mit dem 'MeMu' weitergeht", so Kuratorin Dr. Angelina Whalley zu TAG24 glücklich.

Plastinator Gunther von Hagens (73) darf auch künftig Besucher in seinem "Menschen Museum" begrüßen.
Plastinator Gunther von Hagens (73) darf auch künftig Besucher in seinem "Menschen Museum" begrüßen.  © TAG24/Peter Kiefer

Teil der Einigung: Künftig müssen die "Körperwelten"-Macher neue Plastinate zwei Wochen vorab ankündigen, damit das Bezirksamt die Korrektheit der Leichenherkunft überprüfen kann.

Außerdem zeigen sich "Dr. Tod" von Hagens und sein Team transparent und gewähren der Behörde jederzeit Einblicke in die Labors in Heidelberg und Guben.

Im Gegenzug nimmt das Bezirksamt alle Verbote und Strafandrohungen zurück.

"Der anstrengende und nervenaufreibende Streit ist vom Tisch, das Verfahren abgeschlossen. Als Erstes nehmen wir unsere Tier-Plastinate aus dem 'Menschen Museum' und ersetzen sie durch neue menschliche Präparate", kündigte der unheilbar an Parkinson erkrankte Gunther von Hagens an.

Übrigens: Am 6. Oktober eröffnet die nächste "Körperwelten"-Dauerausstellung – auf sieben Etagen in bester Lage am Londoner Piccadilly Circus. Im Ausland hatte die nur in Deutschland umstrittene Anatomie-Schau nämlich noch nie Probleme.

Im "MeMu" werden plastinierte Tiere und Menschen gezeigt.
Im "MeMu" werden plastinierte Tiere und Menschen gezeigt.  © TAG24/Peter Kiefer
Kuratorin Dr. Angelina Whalley mit ihrem Mann, dem Plastinator Gunther von Hagens.
Kuratorin Dr. Angelina Whalley mit ihrem Mann, dem Plastinator Gunther von Hagens.  © DPA

Titelfoto: DPA; TAG24/Peter Kiefer