Wie gefährlich wird Polens neuer Mega-Airport für Deutschland?

Berlin/Warschau - Im Interview mit der Berliner Morgenpost machte Lufthansa-Vorstandsmitglied Harry Hohmeister einst deutlich: Berlin wird KEIN Flugdrehkreuz mehr. Übernimmt diese Aufgabe nun ein neues Prestige-Projekt der polnischen Regierung?

Andrzej Duda hat den notwendigen Vertrag für den Bau bereits unterzeichnet. (Bildmontage)
Andrzej Duda hat den notwendigen Vertrag für den Bau bereits unterzeichnet. (Bildmontage)  © DPA (Bildmontage)

45 Kilometer westlich von Warschau stehen die Weichen auf Mega-Airport. In der polnischen Einöde auf rund 3000 Hektar soll er entstehen. Zunächst für 45 Millionen, später für sagenhafte 100 Millionen Passagiere pro Jahr. Es soll der größte Flughafen in Mitteleuropa werden.

Doch nicht bei allen stößt das Projekt auf Zuspruch. Kritiker werfen Staatspräsident Andrzej Duda und seiner Regierung vor, es handle sich um ein unnötiges Prestige-Projekt, wie die Frankfurter Allgemeine im Sommer 2018 berichtete.

Das dürfte die polnische Regierung jedoch kaum interessieren. Sie halten an ihrem Vorhaben fest, schließlich soll der Flughafen das Land nach vorn bringen. Laut Deutscher Welle sollen die Baukosten bei 70 Milliarden Zloty (umgerechnet 16,5 Milliarden Euro) liegen. 2027 soll eröffnet werden.

Damit steht er in direkter Konkurrenz zum BER südöstlich von Berlin und könnte mit seinem Aufkommen bzw. Kapazitäten selbst Frankfurt/Main und München gefährlich werden.

"Tegel-Retter" Sebastian Czaja kämpft weiter für den Erhalt vom Flughafen im Nordwesten der Stadt.
"Tegel-Retter" Sebastian Czaja kämpft weiter für den Erhalt vom Flughafen im Nordwesten der Stadt.  © DPA

Die Polen könnten den BER-Verantwortlichen zusätzlich ein Lehrstück in Sachen Flughafen-Bau erteilen. Es wäre nach den negativen Schlagzeilen der vergangenen Jahre eine weitere Schmach - die wohl größte.

Sebastian Czaja (35, FDP), der maßgeblich um einen positiven Ausgang des Volksentscheids für den Erhalt des Flughafens Berlin-Tegel gekämpft hat, sieht die aktuelle Entwicklung in Polen ebenfalls kritisch.

"Noch haben wir zeitlich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Warschau", sagt Czaja der B.Z. und ergänzt: "Wenn wir Tegel schließen und am BER nicht vorankommen, büßen wir diesen Vorteil ein."

Der FDP-Mann fordert eine zügige Fertigstellung des BERs sowie eine Investition von 1,1 Milliarden Euro in den Weiterbetrieb von Tegel. Nach wie vor hält jedoch der rot-rot-grüne Senat an den Plänen einer Schließung Tegels fest.

Auch so sei der Wirbel um den Mega-Airport zwischen Warschau und Lodz, der die bisherigen Warschauer Flughäfen Chopin und Modlin ablösen soll, reine Panikmache.

"Wir sehen keine Gefahr für unsere Ziele", sagte Hannes Hönemann, Kommunikationschef beim BER der WELT. "Wir werden 2020 öffnen, und es wird noch etwas länger dauern, bis in Polen die ersten Maschinen abheben. In der Zeit kann viel passieren".

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