Premiere in der Märchenhütte! Doch Baustadtrat Gothe kündigt juristische Schritte an

Berlin - Die Premierenbesucher jubelten am Freitagabend! Trotz der fehlenden Erlaubnis für die Premiere in der "Märchenhütte", zogen die Betreiber durch. Der Berliner Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) kündigte bereits juristische Schritte an. Denn: Eine Spielgenehmigung lag nicht vor.

Derzeit im Programm der "Märchenhütte": "Die drei kleinen Schweinchen" unter der Regie von Thorsten Loeb, mit Franziska Hayner und Markus Braun.
Derzeit im Programm der "Märchenhütte": "Die drei kleinen Schweinchen" unter der Regie von Thorsten Loeb, mit Franziska Hayner und Markus Braun.  © David Baltzer

Lauter glückliche Menschen gab es zum Start in die neue Spielsaison, die mit den Stücken "Die drei kleinen Schweinchen", "Der Arme und der Reiche" sowie "Rotkäppchen und der böse Wolf" eröffnet wurde. Die Vorstellung war restlos ausverkauft!

Das Publikum zeigte sich höchst zufrieden, ebenso die Darsteller, die in die vertraute Atmosphäre der Märchenhütte zurückkehrten und mit großer Spielfreude auf die Bühne gingen. Und nicht zuletzt strahlte Betreiber Christian Schulz (49) in die anwesenden Fernsehkameras: "Aus Freude, dass wir es wirklich gewagt haben, anzufangen", sagt er.

Und das trotz der Schwierigkeiten, die ihm und seinen beiden Mitstreitern, David Regehr und Roger Jahnke, derzeit noch immer durch den Bezirk Mitte und Baustadtrat Gothe entstehen!

Der will nämlich den Kulturschaffenden des Monbijou Theaters, zu dem die Märchenhütte gehört, die Nutzung der Fläche auf dem Bunkerdach des Monbijouparks untersagen.

Und so flatterte - kurz vor der Premiere - am Freitagmittag eine so genannte Einladung zur Anhörung vom Baustadtrat auf den Schreibtisch von Christian Schulz, der sich doch bitte noch einmal zu seinen Theaterplänen äußern solle, und zwar noch bevor es losgeht...

Doch wo keine Zeit mehr ist, muss reagiert werden. Also beschlossen die drei Betreiber, dass die Premiere am Freitagabend wie geplant stattfand. Immerhin: Verhindert wurde das vom Bezirk Mitte nicht mehr. Doch wie lange darf nun gespielt werden?

Politische Rückendeckung für die Neuen?

Holger Grüttersberger und Christine Gold in dem Stück "Der Arme und der Reiche" (Regie: Stephan Weiland).
Holger Grüttersberger und Christine Gold in dem Stück "Der Arme und der Reiche" (Regie: Stephan Weiland).  © David Baltzer

In der "rbb Abendschau" sagte Gothe am Freitag, dass die "Nutzung des Areals nicht zulässig" sei. Aus diesem Grund würden in der kommenden Woche entsprechende juristischen Schritte eingeleitet werden.

Beim Mitbewerber für die Fläche, das "Theater an der Museumsinsel", scheint der SPD-Mann wesentlich mehr Milde walten zu lassen: Die Betreiber, Maurici Farre und Matthias Horn, haben direkt neben der Märchenhütte eine Art Bierfestzelt aufgebaut, das sie "Märchenscheune" nennen.

Erstaunlich: Zum neu entfachten Streit um das Areal gestand Scheune-Regisseur Farre gegenüber dem rbb: "Die werden nicht spielen. Das hat uns die Politik versichert. Die werden nicht spielen."

Für Schulz ist klar: Die Konkurrenz hat politische Rückendeckung von Gothe. Der schiebt die Schuld für die anhaltend unbefriedigende Situation zwar weiterhin den streitenden Parteien zu, zeigte sich aber immer wieder solidarisch mit den Neuen.

Dabei hat Schulz das Konzept für die Hütte entwickelt, legte jedes Jahr lückenlos alle erforderlichen Nachweise vor, die für den Spielbetrieb nötig waren. Und er hat in den zurückliegenden 22 Jahren etwas Außergewöhnliches geschafft: Das Theater lief so erfolgreich, dass es ohne Kulturfinanzierung lief.

Dann kamen die "Trittbrettfahrer", wie er sie nennt, die nur an Geld und Macht interessiert waren, und Schulz' Werk zerstörten. "Die wollen jetzt unsere Märchen spielen, die ich entwickelt habe. Ich bin gespannt, wie sie das machen werden."

Weitere Vorstellungen neu im Programm

Zu den Leidtragenden gehörten bislang auch die Zuschauer. Nachdem das Monbijou Theater schon im Sommer nicht spielen durfte (TAG24 berichtete), wollen sich die Betreiber das nicht länger kampflos bieten lassen.

Das freute die Gäste am Freitag, denn die wollen vor allem eins: In schöner Atmosphäre zusammenkommen und sich in einem friedlichen Gefühl des Miteinanders auf die Märchen- und Weihnachtszeit einstimmen. Kein Wunder, dass die meisten Vorstellungen bis Ende Dezember bereits ausverkauft sind.

Doch es gibt gute Neuigkeiten: in den nächsten Tagen werden weitere Aufführungen ins Programm aufgenommen. Tickets gibt es unter: maerchenhuette.de

Titelfoto: David Baltzer

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