Nach antisemitischer Prügelattacke: Schläger (19) gesteht vor Gericht

Berlin - Knapp zwei Monate nach der Attacke gegen einen Israeli mit Kippa in Berlin muss sich am Dienstag ein 19-Jähriger vor Gericht verantworten. Dem aus Syrien stammenden Angeklagten werden gefährliche Körperverletzung mit einem Gürtel und Beleidigung zur Last gelegt.

Der Angreifer (19) ging mit einem Gürtel auf den jüdischen Mann los.
Der Angreifer (19) ging mit einem Gürtel auf den jüdischen Mann los.  © Screenshot/Facebook, Jüdisches Forum für Demokrati

Er soll den Israeli sowie einen Deutsch-Marokkaner, der ebenfalls eine Kippa trug, antisemitisch beschimpft haben.

Für den Prozess am Amtsgericht Tiergarten wurde nur ein Tag veranschlagt, das Urteil könnte noch am selben Tag fallen, wie Gerichtssprecherin Lisa Jani sagte.

Der Übergriff hatte bundesweit eine Welle der Empörung ausgelöst. Hochrangige Politiker bis hin zu Kanzlerin Angela Merkel (63, CDU) zeigten sich betroffen.

Es gebe ein sehr großes mediales Interesse an dem Prozess, so die Sprecherin. Die Verhandlung wurde in den großen Saal 700 verlegt.

Laut Anklage waren der junge Israeli (21) und sein 24-jähriger Freund am 17. April im Stadtteil Prenzlauer Berg unterwegs, als sie auf den jetzt Angeklagten und dessen zwei Begleiter trafen.

Als sich der Israeli und der Deutsch-Marokkaner die Beschimpfung verbaten, soll der Täter mit einem Gürtel mindestens zehn Mal auf den Mann aus Israel eingeschlagen haben.

Die Kippa, die der junge Israeli trug, wird mittlerweile im Jüdischen Museum ausgestellt.
Die Kippa, die der junge Israeli trug, wird mittlerweile im Jüdischen Museum ausgestellt.  © DPA

Die Gürtelschnalle habe diesen im Gesicht, am Bauch und an den Beinen getroffen, eine Lippe platzte auf. Bei der Attacke soll der Angreifer auf Arabisch "Jude" geschrien haben.

Als sich der Angeklagte und seine Begleiter entfernten, ging ihnen laut Gericht der Angegriffene hinterher. Der Angeklagte habe eine Glasflasche ergriffen und zum Schlag gegen den Israeli ausgeholt.

Eine Passantin habe diesen verhindern können. Der Mann aus Israel hatte den Angriff gefilmt und das Video ins Internet gestellt (TAG24 berichtete).

Dieser Fall wird in Berlin ungewöhnlich schnell juristisch aufgearbeitet: Bereits einen Monat nach dem Angriff war Anklage erhoben worden, nun folgt der Prozess.

Der seit 2015 in Deutschland lebende 19-Jährige sitzt in U-Haft. Er war rasch von der Polizei identifiziert worden und stellte sich daraufhin mit einem Anwalt den Behörden.

Laut Staatsanwaltschaft war der Mann einer Flüchtlingsunterkunft in Brandenburg zugewiesen, hielt sich aber in Berlin ohne festen Wohnsitz auf.

Update 10.25 Uhr

Vor Prozessauftakt zeigte sich Mike Samuel Delberg, ein Vertreter der Jüdischen Gemeinde in Berlin, laut DPA erfreut darüber, dass es bereits rund zwei Monate nach dem Angriff auf einen Israeli mit Kippa zum Prozess kommt: "Das Positive an dem negativen Fall ist, dass es nicht unter den Teppich gekehrt wird."

Delberg hoffe auf ein schnelles Urteil, mit dem auch ein Zeichen gesetzt werde. Er kam mit Kippa zum Gericht, um laut eigenen Worten ein Zeichen der Solidarität zu setzen: "Man kann als Jude in Berlin Kippa tragen. Aber man muss nicht denken, dass es problemlos ist."

Update 10.57 Uhr

Der Angeklagte hat seine Schandtat gestanden! Er habe öfter mit seinem Gürtel auf den Kippa-Träger eingeschlagen, ihn aber nur einige Male getroffen.

Zuvor sei er allerdings von dem Israeli oder dessen Begleiter beleidigt und beschimpft worden. Er habe gesagt: "Warum beschimpfst Du mich, ich habe Dir nichts getan?"

Bei seiner Aussage sprach der Angeklagte anfangs deutsch und sagte: "Es tut mir sehr leid, es war ein Fehler von mir." Und fügte hinzu: "Ich wollte ihn nicht schlagen, ich wollte ihm nur Angst machen."

Er habe zuvor Drogen genommen: "Ich habe was gekifft, mein Kopf war müde." Weil die Aussage schwer zu verstehen und zum Teil widersprüchlich war, ließ das Gericht den Mann später auf arabisch aussagen und seine Worte übersetzen.

Im Laufe des Dienstags sind noch die Aussagen der beiden Angegriffenen sowie weiterer Zeugen vorgesehen. Auch das Urteil könnte noch am ersten Prozesstag gesprochen werden.

Der syrische Angeklagte (19) versteckte zu Prozessbeginn sein Gesicht hinter einem Schnellhefter.
Der syrische Angeklagte (19) versteckte zu Prozessbeginn sein Gesicht hinter einem Schnellhefter.  © dpa/Paul Zinken

Titelfoto: dpa/Paul Zinken


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