Nach Goldmünzen Raub: Wird es jetzt eng für arabische Clans?

Ein Verdächtiger wird von SEK-Polizisten abgeführt.
Ein Verdächtiger wird von SEK-Polizisten abgeführt.  © DPA

Berlin – Nach der Verhaftung mehrerer Verdächtiger, die die millionenschwere Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum gestohlen haben sollen, haben SPD-Politiker ein härteres Vorgehen gegen kriminelle arabische Clans gefordert. Der Innenpolitiker Tom Schreiber und Neuköllns Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey forderten Polizei und Justiz zu mehr Durchgreifen auf.

Schreiber sagte der Deutschen Presse-Agentur über die Clans: "Sie sind politischer Sprengstoff für die Gesellschaft, sie unterhöhlen den Rechtsstaat." Die Probleme mit kriminellen Mitgliedern solcher Clans seien in Berlin seit Jahren bekannt. "Wir brauchen nicht noch eine Studie. Wir haben kein Erkenntnisproblem." Genutzt werden sollte die Möglichkeit, Vermögen abzuschöpfen. Zudem sollte die Prävention verstärkt werden. "Wir müssen frühzeitig in die Familien reingehen, damit die Kinder nicht abrutschen."

Schreiber forderte von der Kriminalpolizei mehr Transparenz. Die Abgeordneten bekämen derzeit kein Lagebild zur Organisierten Kriminalität. Dabei gebe es viele Polizeieinsätze gegen arabischstämmige Clans.

Giffey betonte im RBB-Inforadio: "Durch die Machenschaften dieser kriminellen Großfamilien wird (...) die Entwicklung einer Stadt, die Entwicklung eines Bezirks erheblich gestört und dem muss Einhalt geboten werden. (...) Da würde ich mir mehr Personal wünschen. Ordnung, Sicherheit, Gerechtigkeit, das muss Hand in Hand gehen. Und dafür braucht es Menschen, die es umsetzen."

Die riesige 100 Kilogramm schwere Goldmünze im Wert von 3,7 Millionen Euro war Ende März in einer spektakulären Aktion gestohlen worden. Nach intensiven Ermittlungen gegen einen arabischen Clan hatte die Polizei am Mittwoch zugeschlagen. Vier junge Männer im Alter von 18 bis 20 Jahre wurden in Untersuchungshaft gesteckt.

Die Polizei rechnet nicht damit, die kostbare Beute wiederzufinden. Vermutlich wurde die Münze bereits verkauft und eingeschmolzen.

Auch ein Juwelier auf der Sonnenallee wurde durchsucht.
Auch ein Juwelier auf der Sonnenallee wurde durchsucht.  © DPA

Einer der Verdächtigen war Aufseher in dem Museum. Er soll den Tätern einen Tipp gegeben haben. Ermittelt wird auch gegen neun weitere Mitglieder der Großfamilie. Darunter sind auch Väter der mutmaßlichen Täter. Zahlreiche Wohnungen in Neukölln und ein Juwelierladen wurden durchsucht.

Vier scharfe Schusswaffen und Autos wurden beschlagnahmt. Wie Staatsanwaltssprecher Martin Steltner am Donnerstag sagte, wurden auch 130.000 Euro in bar eingezogen. Die Ermittlungen liefen auf Hochdruck. Weiter ermittelt werde auch gegen neun Verdächtige, die auf freiem Fuß seien. Sie sollen zu der verdächtigen arabischen Großfamilie gehören.

Die Ermittler hofften nun auf DNA-Spuren auf beschlagnahmter Kleidung sowie Spuren von Gold. Ob Sachen sichergestellt wurden, die am Tatort getragen wurden, blieb offen. Ebenso, ob sich die Männer in Untersuchungshaft zu den Vorwürfen geäußert haben.

Bekannt ist in Berlin, dass im nördlichen Teil Neuköllns die Verbrechensrate hoch ist. Hinter der organisierten Kriminalität stecken oft kurdisch-libanesische Großfamilien. Der frühere Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) klagte einmal: "An der Spitze der Berliner Unterwelt stehen (...) unangefochten die arabischen Großclans. (...) Sie bestimmen die Regeln und setzen sie brutalst und wenn es sein muss auch mit Waffengewalt durch."

Buschkowsky sprach von sieben arabischen Clans in Neukölln mit eigenen Netzwerken. Geld verdienen die Gangs vor allem mit Rauschgifthandel. Dazu kommen Zuhälterei, Geldwäsche, Gewaltkriminalität und Schleusung. Aber auch spektakuläre Überfälle wie vor einigen Jahren auf ein prominent besetztes Pokerturnier oder auf das Luxuskaufhaus KaDeWe gehen auf das Konto von Clanmitgliedern. Bei Ermittlungen und vor Prozessen werden Familienmitglieder und Zeugen eingeschüchtert, bis sie nicht mehr aussagen.

Angelehnt an amerikanische Mafia-Filme thematisierte die Serie "4 Blocks" des Bezahlsenders TNT die Szene. In den Filmen geht es vor allem um Geld, Blut, Verrat und Ehre. Eine zweite Staffel ist geplant.

Diese Goldmünze wurde aus dem Bodemuseum gestohlen und ist wahrscheinlich unwiederbringlich verloren.
Diese Goldmünze wurde aus dem Bodemuseum gestohlen und ist wahrscheinlich unwiederbringlich verloren.  © DPA

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