Sexismus in der Politik? Diese Frauen wurden beleidigt und verhöhnt

Sawsan Chebli ist Berlins Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement.
Sawsan Chebli ist Berlins Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement.  © DPA

Berlin - Nach dem Sexismus-Skandal um Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein, löste Staatssekretärin Sawsan Chebli in Deutschland eine Debatte über Sexismus in der Politik aus, nachdem sie sich von den Aussagen eines Ex-Botschafters angegriffen fühlte (TAG24 berichtete).

Für alteingesessene männliche Abgeordnete scheinen junge Frauen in der Politik auch heute noch ein exotisches Bild zu sein, durch das sie sich zum Teil bedroht fühlen. So müssen sich Politikerinnen von dem ein oder anderen Kollegen sexistische Sprüche und Beleidigungen anhören.

Nach Cheblis öffentliches Statement folgen der SPD-Politikerin jetzt weitere Kolleginnen, die schwere Vorwürfe erheben. Wie die Berliner Zeitung berichtete, soll auch Caren Lay über einem schlimmes Erlebnis gesprochen haben.

Caren Lay wurde von Kollegen aus der eigenen Partei sexistisch beleidigt.
Caren Lay wurde von Kollegen aus der eigenen Partei sexistisch beleidigt.  © DPA

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende erzählte von einer sexistischen Beleidigung innerhalb ihrer eigenen Partei.

"Auf einem Parteifest sang eine ganze Clique meiner innerparteilichen Gegner umgedichtete, sexistische Arbeiterlieder, in denen ich vorkam und beleidigt wurde", so die 44-Jährige.

"In einem Lied hängten sie mir eine Affäre mit einem führenden Genossen an. Die Unterstellung war: Die hat sich wohl hoch geschlafen", erzählte Lay weiter. Sie selbst war auf der Veranstaltung nicht anwesend.

Nach dem Fest gab keiner zu, es gewesen zu sein. "Ich wurde unter Druck gesetzt, besser nicht darüber zu sprechen", gestand die 44-Jährige. Bisher habe sich niemand dafür bei ihr entschuldigt.

Luise Amtsberg fühlt sich erst richtig ernst genommen, seitdem sie verheiratet und Mutter ist.
Luise Amtsberg fühlt sich erst richtig ernst genommen, seitdem sie verheiratet und Mutter ist.  © DPA

Auch Luise Amtsberg kennt das Gefühl sich von männlichen Kollegen nicht ernst genommen zu fühlen. Die 33-Jährige ist als flüchtlingspolitische Sprecherin der Grünen tätig und fing bereits im Alter von 24 Jahren an professionell in der Politik zu arbeiten.

"Manchmal wurde dann so eine großväterliche Art ausgepackt, wenn mein Gegenüber argumentativ und inhaltlich nicht mehr weiter kam, so nach dem Motto: 'Werden Sie erst einmal groß'", erzählte die 33-Jährige. Bei männlichen Kollegen, die jünger waren, erlebte sie so etwas nicht.

Ihr Rezept für anzügliche Bemerkungen? "Da muss man dann sagen, 'Halt stopp, wir befinden uns hier auf dem politischen Parkett'." Auf "flapsige-humorvolle" Art versuche sie den Männern klar zumachen, dass es so nicht geht.

Seitdem sie ein Kind hat und verheiratet ist, würde ihr von den Männern mehr Respekt entgegengebracht. Für Amtsberg ist klar, dass da ein "ziemlich antiquiertes Frauenbild" dahinter steht.


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