Sind Minijobber zu dumm für eine Vollzeitbeschäftigung?

Haushaltshilfen mit angemeldeten Minijobs zahlen jährlich über 100 Millionen Euro Steuern.
Haushaltshilfen mit angemeldeten Minijobs zahlen jährlich über 100 Millionen Euro Steuern.  © dpa/Ralf Hirschberger

Berlin - CDU-Generalsekretär Peter Tauber hat seine als respektlos empfundene Bemerkung über Minijobber bedauert. Er habe das "so blöd formuliert", erklärte Tauber am Dienstag schriftlich in Berlin sowie auf Twitter und Facebook.

Tauber hatte am Montagabend als Werbung für das neue Wahlprogramm der Union und in Abgrenzung von der SPD auf dem Kurznachrichtendienst Twitter geschrieben: " "Vollbeschäftigung" ist besser als "Gerechtigkeit" ". Auf die Nachfrage eines Twitter-Nutzers ("heißt das jetzt 3 Minijobs für mich?") antwortete Tauber unverschämt: "Wenn Sie was ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs."

Bis zum Dienstagmorgen gab es deutlich über 1000 oft sehr kritische Antworten auf den Tauber-Tweet. Beispielsweise: "Es gibt Leute, die ohne "Ausbildung" gute Arbeit finden und behalten. Und was "Ordentliches" schützt nicht vor Minijobs."

CDU-Generalsekretaär Peter Tauber steht wegen einer umstrittenen Twitter-Äußerung in der Kritik.
CDU-Generalsekretaär Peter Tauber steht wegen einer umstrittenen Twitter-Äußerung in der Kritik.  © DPA

Tauber entgegnete: "Nein leider nicht. Aber ohne Ausbildung geht es gar nicht oder?" Der CDU-Generalsekretär versuchte angesichts der teilweise harschen Vorwürfe zu beschwichtigen: "Mini-Jobs sind an sich gut, aber nicht wenn man drei machen muss. Da haben sie recht. Das darf nicht Ziel sein und das wollte ich sagen."

Politiker-Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten: "Die pöbelnde Arroganz von Peter Tauber zeigt: der CDU fehlt der Respekt vor Geringverdienern. Wir wollen Vollbeschäftigung in guter Arbeit!", schrieb SPD-Generalsekretär Hubertus Heil. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann kritisierte: "Und wer keinen Anstand gelernt hat, wird CDU-Generalsekretär." Die CDU hat Vollbeschäftigung bis 2025 in ihr Wahlprogramm 2017 aufgenommen.

Am Dienstag schrieb Tauber: "Wer drei Minijobs braucht, um über die Runden zu kommen, der hat es nicht leicht. Und ich wollte niemandem zu nahe treten, der in so einer Situation ist."

"Es tut mir leid, dass ich mein eigentliches Argument – wie wichtig eine gute Ausbildung und die richtigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind, damit man eben nicht auf drei Minijobs angewiesen ist – so blöd formuliert und damit manche verletzt habe."

Inzwischen ruderte Tauber zurück und entschuldigte seine verbale Entgleisung.


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