Steht Umbruch bevor? Merkel bereitet alles "für Rückzug" vor

Osnabrück - Am 20. Juli verabschiedete sich auch die Kanzlerin in den Urlaub. Dort ist sie noch. Währenddessen erkennt der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther (45, CDU) die Führungsspitze der Christdemokraten im Umbruch. Angeblich bereitet Angela Merkel (64) "alles für die Zeit nach ihrem Rückzug vor".

Angela Merkel (64) und Pedro Sanchez (46, Spaniens Ministerpräsident) bei ihrem Treffen in der Gemeinde Sanlucar am Rande des Nationalparks Donana.
Angela Merkel (64) und Pedro Sanchez (46, Spaniens Ministerpräsident) bei ihrem Treffen in der Gemeinde Sanlucar am Rande des Nationalparks Donana.  © DPA

"Es ist nie jemand allein die Zukunft einer Partei", sagte er im Gespräch mit der >> "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Samstag mit Blick auf CDU-Chefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

"Wir haben viele neue Ministerpräsidenten. Wir haben ein Bundeskabinett, das auf CDU-Seite mit jungen Frauen und Männern fast völlig umgebildet wurde", gab Günther zu bedenken. "Daher glaube ich, Angela Merkel bereitet alles vor, damit die CDU auch nach ihr eine erfolgreiche Zukunft hat."

Günther selbst zählt seit seinem Wahlsieg im Mai 2017 auch auf Bundesebene zu den Nachwuchshoffnungen seiner Partei. In unionsinternen Auseinandersetzungen hatte er sich stets auf die Seite Merkels gestellt - zuletzt im Streit um Zurückweisungen von Asylbewerbern an den deutschen Grenzen.

Zur seit Längerem schwelenden Debatte um die Nachfolge der Parteichefin sagt der 45-Jährige nun: "Niemand wird bestreiten, dass es eine Zeit geben wird, in der sie nicht mehr Bundesvorsitzende und Kanzlerin sein wird, und das weiß sie auch."

Merkel will sich Anfang Dezember beim Bundesparteitag in Hamburg als CDU-Chefin zur Wiederwahl stellen.

Daniel Günther (45, CDU, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein).
Daniel Günther (45, CDU, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein).  © DPA

Eigene bundespolitische Ambitionen wies Günther, der auch CDU-Landesvorsitzender ist, zugleich zurück.

"Mein Herz schlägt für Schleswig-Holstein, und dass ich bundesweit ein wenig aktiv bin, kommt unserem Land auch zugute", sagte er. In einer Umfrage wurde der Kieler Regierungschef jüngst zum zweitbeliebtesten Ministerpräsidenten Deutschlands gekürt - nach gerade einmal einem Jahr im Amt: Zwei Drittel der Schleswig-Holsteiner zeigten sich mit seiner Arbeit zufrieden.

Merkel in Spanien:

Nach dem Treffen mit Spaniens Ministerpräsident Pedro Sanchez bezeichnete Bundeskanzlerin Angela Merkel at die bisherige europäische Asylregelung der Dublinverordnung als "nicht funktionsfähig".

"Nach der Theorie dürfte nie ein Migrant oder ein Flüchtling in Deutschland ankommen", sagte sie am Samstag in Sanlúcar de Barrameda. "Das entspricht aber nicht der Realität." Deswegen müssten die EU-Mitgliedstaaten daran arbeiten, ein "faires Verteilsystem zu finden und gemeinsam die Rückführung zu organisieren."

Merkel sprach sich zum Auftakt ihres zweitägigen Spanienbesuchs erneut für eine multilaterale Antwort auf die Flüchtlingsfrage aus. Es handele sich um "eine Herausforderung, die wir gemeinsam zu bewältigen haben". Kein Land könne sich "vor dieser Aufgabe drücken", fügte sie hinzu.

Die Bundeskanzlerin setzt am Sonntag ihren Besuch in Spanien fort. Geplant ist eine gemeinsame Fahrt mit Ministerpräsident Pedro Sánchez zu einer Tieraufzuchtstation im südlichen Nationalpark Doñana. Anschließend will die Kanzlerin nach Berlin zurückreisen.


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