Unterstützung aus der ganzen Welt! Online-Petition zur Rettung des Monbijou Theaters gestartet

Berlin - Warum eine völlig unbekannte, ja sogar erst kurz zuvor gegründete gGmbH die Zusage bekommen hat, als neuer Betreiber im Monbijoupark die öffentliche Parkfläche an der Museumsinsel zu nutzen, erschließt sich noch immer nicht. Von Gemeinnützigkeit ist die Rede. Mit der habe es der Theaterdirektor des Monbijou Theaters, Christian Schulz, nicht so ernst genommen. Belegt ist das nicht.

Es regt sich Widerstand, um Monbijou Theater und Märchenhütten zu retten.
Es regt sich Widerstand, um Monbijou Theater und Märchenhütten zu retten.  © Screenshot Facebook/Monbijou Theater

Doch der neue Betreiber konnte das offenbar glaubwürdig so bei der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Berlin-Mitte und der Humboldt-Universität als Eigentümer der Bunkeranlagen, auf der Amphitheater und Märchenhütte stehen, vermitteln. Vorerst mit Erfolg. Zumindest für den Neuen. Denn mindestens 45 Leute, darunter Barpersonal und Handwerker, haben quasi über Nacht ihren Job verloren.

Doch es regt sich Widerstand! Bei Mitarbeitern des Monbijou Theaters und vielen Berlinern. Sie wollen die Spielstätte zurück.

Bei dem neuen Betreiber handelt es sich um die "Theater an der Museumsinsel Berlin gGmbH". Dahinter stecken ehemalige Mitarbeiter und frühere Kollegen von Christian Schulz: Bühnenbilder David Regehr, Schauspieler Matthias Horn und der Regisseur Maurici Farré. Sie geloben den weiteren Spielbetrieb im Sinne der Gemeinnützigkeit. Darüber wurde auch die Presse in einer Mitteilung informiert.

Doch wie geht es weiter? Bis jetzt steht ein rostiger Container als Barersatz vor dem Platz, auf dem eigentlich schon das Amphitheater aufgebaut sein sollte. Dazu gibt es eine kleine Tanzfläche und ein paar Sitzmöglichkeiten. Der frühere Charme ist nicht mehr da.

Auch die vielen Gäste, die zur Eröffnung da gewesen sein sollen, wie etwa auf der Facebook-Seite des Theaters an der Museumsinsel zu lesen ist, konnte TAG24 während eines Besuches vor Ort nicht finden.

Online-Petition gestartet

Laue Sommernächte mit Strandbar, Amphitheater und Tanz unter dem Sternenhimmel ade?
Laue Sommernächte mit Strandbar, Amphitheater und Tanz unter dem Sternenhimmel ade?  © Screenshot Facebook/Monbijou Theater

Apropos Facebook. Dort und in anderen sozialen Medien macht sich das Publikum immer öfter Luft über das Vorgehen, die Unterstützung für das Original Berliner Monbijou Theater wächst jeden Tag. Und das sei auch noch einmal betont: Bei dem neuen Betreiber handelt es sich eben nicht um das Monbijou Theater!

Weil die BVV Berlin-Mitte bei ihrer getroffenen Entscheidung vorerst offenbar bleibt, wurde am 10. Mai >>> hier eine Online-Petition gestartet, die sich direkt an den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, sowie die Kulturverantwortlichen im Berliner Abgeordnetenhaus wendet.

Darin heißt es unter anderem: "Wir – die Mitarbeiter *innen des Monbijou Theaters und das Hexenberg Ensemble (ehemals Hexenkessel Hoftheater) – sind fest entschlossen, zusammen für den Fortbestand dieses, unseres Theaters den Kampf aufzunehmen!"

Und weiter: "Wir fordern von der BVV Mitte und der Humboldt-Universität eine Revision der Vergabe-Entscheidung und eine objektive Neuprüfung der Antragsteller."

Weltweite Unterstützung

Wird das Volks- und Familientheater durch die Entscheidung der BVV Berlin-Mitte zerstört?
Wird das Volks- und Familientheater durch die Entscheidung der BVV Berlin-Mitte zerstört?  © Screenshot Facebook/Monbijou Theater

Über die Vergabe-Entscheidung wundert sich auch der künstlerische Leiter vom Hexenberg Hoftheater, Roger Jahnke, im Gespräch mit TAG24. Als Monbijou-Mitbegründer waren er und Christian Schulz viele Jahre Weggefährten. Dann verließ er nach einem Streit vor vier Jahren das Ensemble und gründete sein eigenes am Pfefferberg.

Jahnke seinerseits bot an, das Monbijou Theater als gemeinnütziger Träger übergangsweise weiterzubetreiben, um die beliebte Spielstätte zu erhalten. Das lehnte die BVV Berlin-Mitte ab, ohne die Vergabe-Kriterien offen zu benennen. Ebenso unklar ist, warum nach 20 Jahren plötzlich Schluss sein soll.

Die fehlende Bereitschaft der BVV, zu reden, gefällt ihm nicht. "Man hätte klären können, wie der bisherige Betreiber in Zukunft arbeitet. Man hätte auch über die Rahmenbedingungen sprechen können, darüber, was gefällt und was nicht und wie es mit der Gemeinnützigkeit aussieht."

Nun unterstützt Jahnke die Online-Petition zur Rettung des Monbijou Theaters. Der enorme Zuspruch aus der Öffentlichkeit überrascht ihn: "Da sehen wir, dass die Zuschauer um den Erhalt von Amphitheater und Märchenhütte kämpfen".

Die Unterzeichner sind längst nicht mehr nur aus Berlin oder Deutschland. Unterschrieben haben Fans aus 18 Ländern (Stand 15. Mai 2019), darunter Australien, Israel, Italien, den USA, Ungarn und Norwegen.

Die Petition richtet sich übrigens deshalb an Bürgermeister Müller und das Abgeordnetenhaus, weil man beim Stadtbezirk Mitte und der Humboldt-Uni nicht weiterkam, sagt Jahnke. "Dabei kostet das Monbijou Theater keine Steuergelder. Es ist ein renommierter Spielort und weltweit berühmt."

"Wenn auch Ihr das erhalten wollt, dann unterschreibt bitte", ruft Jahnke auf.

Die Märchenhütten auf dem Bunkerdach im Monbijoupark.
Die Märchenhütten auf dem Bunkerdach im Monbijoupark.  © Screenshot Facebook/Monbijou Theater
Das beliebte hölzerne Amphitheater wird in diesem Jahr nicht aufgebaut. Die Strandbar davor ist ebenfalls betroffen.
Das beliebte hölzerne Amphitheater wird in diesem Jahr nicht aufgebaut. Die Strandbar davor ist ebenfalls betroffen.  © Screenshot Facebook/Monbijou Theater
Als Hexenkessel Hoftheater hat alles angefangen.
Als Hexenkessel Hoftheater hat alles angefangen.  © Screenshot Facebook/Monbijou Theater

Titelfoto: Screenshot Facebook/Monbijou Theater

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