Immer mehr radikalisieren sich: Geheimdienst warnt vor Terror-Frauen

Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen warnt eindringlich islamistischen Frauen und Mädchen.
Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen warnt eindringlich islamistischen Frauen und Mädchen.  © DPA

Berlin - Die Sicherheitsbehörden in Deutschland stufen mehrere Dutzend Frauen und Jugendliche als islamistische Gefährder ein - und trauen ihnen damit potenziell einen Terrorakt zu. Unter den aktuell mehr als 720 islamistischen Gefährdern gebe es einen niedrigen einstelligen Prozentanteil an Frauen und Minderjährigen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen.

Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen hatte zuletzt eindringlich vor einer Gefahr durch islamistische Frauen und Kinder gewarnt - insbesondere durch jene, die aus früheren Kampfgebieten der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zurückkehren.

Anfang Dezember hatte Maaßen gemahnt, es gebe Kinder und Jugendliche, die in "Schulen" im IS-Gebiet eine Gehirnwäsche durchlaufen hätten und in starkem Maße radikalisiert seien. Bei ihrer Rückkehr stellten sie ein Problem dar, weil sie mitunter gefährlich seien. Auch heimkehrende Frauen von IS-Kämpfern seien zum Teil eine Bedrohung. «Frauen, die in den vergangenen Jahren in IS-Gebieten gelebt haben, sind oftmals derart radikalisiert und identifizieren sich so mit der IS-Ideologie, dass man sie mit Fug und Recht auch als Dschihadistinnen bezeichnen kann.»

Maaßen hatte bereits bestätigt, dass unter den islamistischen Gefährdern auch Frauen seien. Die genaue Zahl könne er jedoch nicht nennen. Nun ist hier eine Größenordnung bekannt.

Die Zahl islamistischer Gefährder in Deutschland ist mit mehr als 720 so hoch wie nie zuvor. Dies sind Personen, denen die Sicherheitsbehörden grundsätzlich zutrauen, dass sie schwerste Straftaten wie einen Terroranschlag begehen könnten. Überwiegend handelt es sich um Männer. Seit einiger Zeit rücken aber zunehmend auch Frauen und Jugendliche aus der Islamisten-Szene in das Blickfeld von Polizei und Geheimdiensten.

Immer mehr islamistische Frauen radikalisieren sich derart, dass sie bereit sind, Terroranschläe zu verüben.
Immer mehr islamistische Frauen radikalisieren sich derart, dass sie bereit sind, Terroranschläe zu verüben.  © DPA

Den Sicherheitsbehörden bereitet das Sorgen. Ein Problem ist dabei auch, dass die Justiz sich schwer tut, IS-Anhängerinnen zu belangen, etwa weil diese beteuern, sie hätten sich bloß um Haushalt und Kinder von IS-Kämpfern gekümmert, aber nichts mit Kampfhandlungen oder terroristischen Akten zu tun gehabt.

Die Bundesanwaltschaft hat nun angekündigt, auch hart gegen zurückkehrende Frauen aus IS-Gebieten vorzugehen, selbst wenn sie nicht für die Terrormiliz gekämpft haben. "Wir sind der Meinung, dass sich auch bei diesen Frauen die Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Organisation bejahen lässt", sagte Generalbundesanwalt Peter Frank zuletzt der "Süddeutschen Zeitung" sowie den Sendern NDR und SWR. Demnach soll es laut Bundesanwaltschaft bereits eine terroristische Straftat sein, wenn jemand zum "Staatsvolk" des IS gehört habe.

In den vergangenen Jahren sind mehr als 950 Islamisten aus Deutschland Richtung Syrien und Irak ausgereist, um sich dort dem IS anzuschließen. Etwa 20 Prozent waren weiblich. Einige der Ausgereisten sind in den Kampfgebieten ums Leben gekommen. Ein Drittel ist wieder nach Deutschland zurückgekehrt.

Titelfoto: DPA


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