Schrecklicher Antisemitismus vor laufender Kamera: Mann droht Juden mit Gaskammern

Yorai Feinberg (36) in seinem Restaurant in Schöneberg.
Yorai Feinberg (36) in seinem Restaurant in Schöneberg.  © DPA

Berlin – Mitten in Berlin im Jahr 2017. Ein Mann beschimpft einen jüdischen Restaurantbesitzer, als wäre es 1933. Er lässt seinem Antisemitismus und Hass freien Lauf, ohne dass es ihn in irgendeiner Art stört, dass er dabei gefilmt wird.

Wie die B.Z. berichtet, handelt es sich bei dem 60-Jährigen Mann um einen Thüringer. Er tauchte vor dem Restaurant auf der Fuggerstraße (Schöneberg), in dessen Schaufenster ein Davidstern und ein siebenarmiger Leuchter zu sehen sind, am frühen Mittwochnachmittag auf.

Dann beginnt er damit, den Besitzer, der gerade mit einer Bekannten eine Zigarette raucht, zu beschimpfen. Auf die Frage des 36-jährigen Restaurantbesitzers Yorai Feinberg, was das Problem des Mannes sei, antwortet dieser, dass sein Volk seit 70 Jahren Krieg in Palästina führen würde. Eine Freundin des Wirtes nimmt die Szene mit dem Handy auf, inzwischen wurde der Film bei Facebook veröffentlicht.

Jetzt ergeht sich der ältere Mann in einem Schwall antisemitischer Vorurteile. Die Juden seien sowohl in Palästina, als auch in Deutschland nur Gast: "Das ist meine Heimat. Du hast keine Heimat", sagt der 60-Jähirge zu seinem Gegenüber. "Es geht doch nur ums Geld bei euch", schimpft er weiter.

Und es wird noch schlimmer: "Was wollt ihr denn hier nach 45 hier? Sechs Millionen sind von euch umgebracht worden. Was wollt ihr noch hier?" Yorai Feinberg, dessen Vater laut B.Z. als Vierjähriger als einziges Familienmitglied den Holocaust überlebte, bleibt ruhig und fragt immer wieder nach, was sein Restaurant mit der Weltpolitik zu tun habe.

Darauf geht der Hassredner gar nicht ein, er redet sich immer mehr in Rage und dann droht er offen mit dem, was kaum zu fassen ist: "Du kriegst deine Rechnung. In zehn Jahren lebt Ihr alle nicht mehr .... Ihr werdet alle in Gaskammer landen, denn keiner will euch hier. Niemand will euch hier."

Jetzt reicht es dem Angegriffenen. Er rennt zu einem zufällig vorbei fahrenden Polizeiauto. Nach Angaben der Polizei soll der 60-Jährige die nun dazukommenden Polizisten beleidigt haben. "Die Beamten nahmen den aggressiven Mann vorläufig fest und legten ihm Handfesseln an" erklärte ein Polizeisprecher. Er wurde in die Gefangenensammelstelle gebracht, wo er erkennungsdienstlich behandelt wurde.

Weil er möglicherweise betrunken war, nahmen die Polizisten eine Blutprobe, dabe leistete er heftigen Widerstand. Gegen ihn wird jetzt wegen Volksverhetzung und Widerstands ermittelt.

Judenhass wird immer mehr zum Alltag

"Deutschland nimmt keine gute Entwicklung", sagte der Restaurantchef dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) nach dem Vorfall. "Es wird immer weniger gegen Antisemiten vorgegangen. Immer mehr gilt als legitime Israel-Kritik. Und dann passiert so etwas. Der Mann fühlte sich völlig sicher."

Feinbergs Freundin, die das Video hochgeladen hatte, erklärte auf Facebook, es handele sich nicht um Einzelfälle: "Solche Angriffe passieren nunmehr fast täglich und sie werden immer intensiver. Die Täter verlieren ihre Scham, weil sie denken, sie könnten ihr wahres Gesicht hinter dem schönen Begriff der "legitimen Israelkritik" verstecken. Doch am Ende bleibt es nur blanker Hass. Hass gegen Juden. Hass gegen Israel."


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