7600 Euro für Haftpflicht? Welke knöpft sich Hebammen vor

Berlin - An ihnen kommt wirklich niemand vorbei: den Hebammen. Und freitags kommen wir nicht an der "heute show" vorbei.

"Ja, was machen denn Hebammen schon groß? Pressen, pressen, atmen, atmen, flutsch, da isser..." Welke macht auf die Misere der Hebammen in Deutschland aufmerksam.
"Ja, was machen denn Hebammen schon groß? Pressen, pressen, atmen, atmen, flutsch, da isser..." Welke macht auf die Misere der Hebammen in Deutschland aufmerksam.  © PR ZDF

Oliver Welke war wieder in seinem stichelnden Element. Neben allem "GroKLO"-Polit-Gedöns war ihm am vergangenen Freitag die Familie einige Aufklärungsarbeit wert!

"Wie familienfreundlich ist denn unsere neue Regierung?", fragt er besorgt. "Die Realität ist: Sooo kinderfreundlich ist Deutschland gar nicht..."

"Es gibt zu wenige Hebammen, und die, die wir haben, werden furchtbar mies bezahlt (...) sie bekommen nicht mehr als eine Hilfsarbeiterin ohne Ausbildung. (...) Ja, was machen denn Hebammen schon groß? Pressen, pressen, atmen, atmen, flutsch, da isser... - Spaß beiseite!" Richtig - das ist nicht mehr lustig.

Welke poltert weiter: "Es ist unverschämt, wie die bezahlt werden! Und dann müssen freiberufliche Hebammen auch noch horrende Berufshaftpflicht-Beiträge zahlen! 7600 Euro pro Jahr und Hebamme. Juckt Sie nicht, meine Herren? Dann stellen Sie sich mal eine Sekunde vor, das passiert mit IHRER KFZ-Versicherung..."

TAG24 hakt bei der Berliner Hebamme und Initiatorin von "Call a midwife" nach

Die Ex-Dresdnerin Sabine Kroh (48) - Gründerin von "Call a midwife" - lebt seit einigen Jahren in Berlin.
Die Ex-Dresdnerin Sabine Kroh (48) - Gründerin von "Call a midwife" - lebt seit einigen Jahren in Berlin.

Hat Oliver Welke recht, wenn er sagt, die Berufshaftpflicht-Beiträge liegen bei 7600 Euro? "Ja, das ist wirklich ein unzumutbarer Kostenfaktor", sagt Sabine Kroh. Sie ist aktive Hebamme seit 1989.

Warum haben sich die Beiträge derart erhöht? "Die Kosten für die Betreuung der Geschädigten im Schadensfall haben sich verdreifacht. Medizin ist im Allgemeinen besser geworden, die Kohorte der Hebammen sind zu klein. Daher steigen die Kosten."

Neu ist, dass es zwar einen Sicherstellungszuschlag für die Hebammen gibt und auch die Zuzahlungen der Frauen höher geworden sind. Das Einkommen sei "bei normalem Arbeitspensum in Ordnung". Aber: "Für Kreißsäle, die von Hebammen geleitet werden, ist die Situation schlechter, da es neue Einschränkungen in der Abrechnung gibt, teilt uns Sabine Kroh weiter mit.

Und warum gibt es zu wenige Hebammen in Deutschland? "Der Hebammen-Mangel resultiert aus mehreren Faktoren. Erstens ist die Bezahlung schlecht. Auch an Anerkennung der verantwortungsvollen Arbeit mangelt es." Für viele ist der Job auch zu anstrengend, sodass einige nach circa 15 Jahren aus dem Beruf aussteigen. Es gebe eine Überalterung des Berufes, "aber auch deutlich mehr Geburten: Fazit: Der Mangel verstärkt sich", erklärt die Initiatorin von >> "Call a midwife".

Es gibt drei verschiedene Verbände der Hebammen, die leider unterschiedliche Interessen vertreten, und daher kaum Geschlossenheit demonstrieren. "Hebammen haben keine Lobby, keine Gewerkschaft und erhalten keine Unterstützung", beklagt Kroh. Also hat Oliver Welke ins richtige Horn geblasen mit seiner Satire am Freitag!

Wer Hilfe rund um die Geburt braucht oder Hilfe im Einzelfall ist bei "Call a midwife" genau richtig! Alle Infos findest Du >> hier...


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