Spahn will bei Illner die Toiletten putzen

Von Björn Strauss

Berlin - Jens Spahn (38) nutzt derzeit jede Kamera, um auf den letzten Metern noch einige Prozente seiner Genossen für den CDU-Vorsitz zu ergattern. Am Donnerstag bewarb er sich quasi um einen Toiletten-Putz-Job, den er selbstredend annehmen würde, wenn's politisch mal nicht so läuft. Das zumindest erklärte er im Disput mit Grünen-Boss Habeck (49).

Jens Spahn lieferte sich bei Illner einen Disput mit Grünen-Chef Robert Habeck und will notfalls die Klos putzen.
Jens Spahn lieferte sich bei Illner einen Disput mit Grünen-Chef Robert Habeck und will notfalls die Klos putzen.  © DPA

"Billige Arbeit, Abstiegsangst – wer stoppt die Spaltung des Landes?" - so das Thema der Sendung von "Maybrit Illner". Schließlich arbeitet jeder Vierte im Niedriglohnsektor, es gibt über eine Million Menschen, die mit Hartz IV aufstocken, über 40 Prozent der Bürger haben keinerlei Ersparnisse... Die blühenden Landschaften welken - zumindest sehen einige Politiker das Land nicht so rosig dastehen wie Kanzlerschafts-Anwärter Spahn.

Am gestrigen Donnerstag saß Jens Spahn bei "Maybrit Illner". Habeck reagierte schon am Beginn der Talkshow leicht erregt. Denn Spahn zitierte zusammenhanglos aus einem Habeck'schen Buch, das Spahn ganz offensichtlich nicht gelesen hat. "Gemeinsame Werte, Kultur und Sprache gehören dazu (zu Deutschland, Anm. d. R.). Aber Patriotismus finden Sie ja zum Kotzen", so der CDU-Genosse in Richtung des ehemaligen Grünen-Spontis.

"Herr Spahn, Sie fallen immer wieder auf AfD-Propaganda herein. Das ist für jemanden, der Bundeskanzler werden will, wirklich armselig." So lief der erste Schlagabtausch unter Männern. Aber es ging weiter in die Tiefe...

Im Talk-Sessel spulte der 38-Jährige immer wieder dieselben Sätze ab. Mantra-artig wiederholte er die Mär vom faulen Hartz-IV-Bezieher, der permanent seine Termine im Amt vergesse und daher sanktioniert gehöre.

Sein Gegenüber war Grünen-Chef Habeck, der eine andere gesellschaftliche Einstellung zur sozialen Frage besonders im digitalen Wandel einfordert.

Habeck ist aber offenbar näher an der Realität als Spahn, der die drei Prozent der sogenannten "Verweigerer" über einen Kamm schert mit all den 97 Prozent Hartz-IV-Beziehern, die statistisch offenbar willig sind, sogar früh aufzustehen ("der, der morgens aufsteht, muss mehr haben als der, der nicht aufsteht", so Spahns Dauersatz, den viele nicht mehr hören können).

Wie Habeck die gewünschte "sanktionslose Grundsicherung" denn überhaupt finanzieren wolle? Bezahlen wolle Habeck die 30 Milliarden mit dem "Schließen von Steuerschlupflöchern wie den 'Cum Ex'-Deals". Dieser Hieb ging in Richtung Spahn, der da nur schlucken konnte, denn Steuern möchte er offenbar nicht erhöhen bzw. anfassen - schon gar nicht für "all die, die Deutschlands Reichtum erwirtschaften..."

Mit Zahlen hatte es der Gesundheitsminister im Übrigen nicht so: Er rechnete vor, dass jemand, der 1600 bis 2000 Euro NETTO verdiene, meist nicht viel mehr habe als ein Hartz-IV-Empfänger... Ähm, da sollte sich Hartz-IV-Experte Spahn doch lieber noch mal belesen.

Beef unter Politikern: Sanktionen vs. Grundeinkommen ohne Strafen

"Billige Arbeit, Abstiegsangst – wer stoppt die Spaltung des Landes?" war das Thema der Sendung.
"Billige Arbeit, Abstiegsangst – wer stoppt die Spaltung des Landes?" war das Thema der Sendung.  © PR ZDF

"Warum können wir hier beim ZDF nicht die Toiletten putzen?", fragt Spahn, als es erneut um sein Lieblingsthema "Sanktionen" gegen die ach so unwilligen Hartz-IV-Bezieher ging (>> hier in der ZDF-Mediathek ab Minute 45).

Spahn sei sogar bereit, bei Illner die Toiletten zu reinigen... falls er dereinst selbst Hartz-IV-Empfänger werde. Das ist nämlich eine zumutbare Arbeit! Und die traue er auch Robert Habeck zu - wenn das mal nicht der Auslöser für eine intensive Männer-Feindschaft zwischen Spahn und Habeck ist.

In der Runde diskutierten neben den beiden "Jung-Politikern" auch noch SPD-Frau Malu Dreyer, Marie-Christine Ostermann (eine Familien-Unternehmerin) und der aus Talkshows kaum noch wegzudenkende Robin Alexander (Journalist).

Viel Neues gab's nicht zu hören. Die neue Position der SPD, Hartz-IV abzuschaffen steht auf der Agenda - und das scheint der CDU nicht zu munden.

Am Sonntag übrigens war Jens Spahn Gast bei "Anne Will". Hier geriet er in Streit mit Sahra Wagenknecht (TAG24 berichtete). Es scheint nahezu Spahns Fetisch zu sein: Hartz IV! Für Spahn "bedeutet Hartz IV schließlich nicht Armut". Der Hartz-IV-Hardliner meinte in der Will'schen Sendung: "Es muss noch einen Sinn machen, arbeiten zu gehen". Das sei man den Steuerzahlern schuldig, sagt der Mann, der gern Angela Merkel (64) als CDU-Chef und Kanzler nachfolgen möchte.

Gegenwind gab's von Sahra Wagenknecht (Die Linke), die es auch als unerträglich empfand, "wenn die Debatte immer wieder so geführt wird, Arbeitslose unter einen Generalverdacht zu stellen". Auch sie versuchte, dem Minister klar zu machen, dass nicht alle Leistungsempfänger "potenzielle Faulpelze, die irgendwie auf der Couch sitzen" seien...

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