Geht der Senat zu weit? Berliner Lehrern wird pikante Frage gestellt

In einer Online-Befragung sollen Berliner Lehrer ihre sexuelle Orientierung mit angeben. (Symbolbild)
In einer Online-Befragung sollen Berliner Lehrer ihre sexuelle Orientierung mit angeben. (Symbolbild)  © dpa (Symbolbild)

Berlin - Es gibt private Angelegenheiten, die den Arbeitgeber nichts angehen. Vor allem das Liebesleben hält man auf Arbeit gern unter Verschluss.

Die Berliner Senatsbildungsverwaltung will es in einer aktuellen wissenschaftlichen Studie doch etwas genauer wissen. In der Online-Befragung "Wie viel Vielfalt verträgt die Schule" wird nachgehakt, wie die sexuelle Orientierung der Befragten sei, berichten die B.Z. und der Tagesspiegel.

Gefragt wird unter anderem auch nach dem Umgang mit Schüler-Schimpfwörtern wie "Transe" oder "Schwuchtel". Die Teilnahme ist zwar freiwillig, wird aber vom Senat geraten.

Chef der Lehrergewerkschaft GEW, Tom Erdmann, verteidigt den Fragenkatalog: "Wir sehen keinen Skandal. Es geht doch darum, ob etwa ein heterosexueller Lehrer das Thema anders vermittelt als ein offen schwuler."

Florian Graf meint, dass der Senat sich besser um die Verbesserung der Bildungspolitik kümmern sollte.
Florian Graf meint, dass der Senat sich besser um die Verbesserung der Bildungspolitik kümmern sollte.  © DPA

Im Tagesspiegel schrieb der Kolumnist Harald Martenstein: "Wenn so ein Fragenkatalog aus der entgegengesetzten politischen Ecke käme, würden linke Parteien von einem Skandal sprechen!"

Auch Maja Lasic, SPD-Bildungsexpertin, sprach sich dagegen aus: "Fragen zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit sexueller Vielfalt im Unterricht sind legitim und relevant. Die sexuelle Orientierung der einzelnen Lehrkraft geht hingegen niemand und ganz bestimmt nicht ihren Arbeitgeber an."

Die Frage von Lasic, ob der Senatsverwaltung für Bildung die Fragen der Studie bekannt und legitim waren, verneinte Behördensprecher Thorsten Metter.

"Wir werden dem nachgehen und gegebenenfalls eingreifen", so Mette gegenüber der B.Z. Für Prof. Meike Watzlawik von der Freud-Uni gehört die Frage jedoch zum wissenschaftlichen Standard "was ethische und datenschutzrechtliche Bestimmungen einschließt".

Für CDU-Fraktionschef Florian Graf gilt es ein anderes Problem zu lösen "Der Senat sollte sich bemühen, die hinteren Plätze in der Bildungspolitik zu verlassen – statt unnötig Energie für belanglose Dinge zu verschwenden."

Titelfoto: dpa (Symbolbild)


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