Darum bekommt die Polizeibehörde nach 210 Jahren einen neuen Namen

Berlin - Eine Frau an der Spitze hat die Berliner Polizei mit Barbara Slowik bereits seit mehr als einem Jahr. Trotzdem heißt die Behörde "Der Polizeipräsident in Berlin." Und das seit 1809, als sie in Preußen geschaffen wurde.

Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik spricht bei einer Pressekonferenz.
Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik spricht bei einer Pressekonferenz.  © Wolfgang Kumm/dpa

Mit dem alten rein männlichen - und nach Meinung vieler Menschen längst überholten - Namen soll nun Schluss sein. Künftig lautet er "Polizei Berlin". Das kündigte Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Montag im Innenausschuss an.

Mit dem bisherigen historischen Namen stünde die Berliner Polizei in ganz Deutschland weitgehend alleine da, die meisten Polizeibehörden würden schon längst moderne Bezeichnungen tragen, sagte Geisel.

Es sei an der Zeit, eine geschlechtsneutrale Bezeichnung zu wählen, auch weil die Polizei inzwischen eine Frau als oberste Chefin habe. "Nach landläufigen Sprachgebrauch assoziiert das, dass die Behördenleitung mit einem Mann verbunden ist. Und das ist nun ganz offensichtlich nicht der Fall."

Geisel betonte: "Insofern vollziehen wir da gesellschaftliche Veränderungen nach. Ich finde das eigentlich selbstverständlich und frage mich, warum das seit 1809 nicht geändert wurde."

Polizeipräsidentin Barbara Slowik, die laut Polizei 48 männliche Vorgänger in den vergangenen 210 Jahren hatte (inklusive Ost-Berlin), sagte: "Ich begrüße das natürlich außerordentlich. Es gibt immer wieder deutliche Irritationen, die auch mich erreichen, auch mit Fragen aus der Bevölkerung."

Innensenator Andreas Geisel hatte die Umbenennung angekündigt.
Innensenator Andreas Geisel hatte die Umbenennung angekündigt.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Geisel sagte weiter, für die Umbenennung sei eine Gesetzesänderung nötig, die im Zusammenhang mit der Strukturreform bei der Polizei erfolgen solle. "Bei dieser Gelegenheit auch diese Frage mitzuregeln, bietet sich einfach an." Wann das genau sein werde, sagte er nicht.

Die Änderung sei nicht besonders teuer und betreffe vor allem einige Schilder und Formulare, die nach und nach ersetzt werden würden, sagte Geisel. Die Polizei verfüge über etwa 70 Grundstücke mit 500 Gebäuden, alle zwei Jahre würden 200 bis 300 neue Dienststellenschilder zu je 27,50 Euro, zusammen 8250 Euro, gekauft. Die alte Bezeichnung stehe aber nur in wenigen Ausnahmen überhaupt auf den Schildern.

Die Umstrukturierung der Polizei für mehr Präsenz in den Innenstadt-, Touristen- und Partykiezen soll Anfang 2020 in Kraft treten, der Umbau dauert dann bis Ende des Jahres. Dann werde es nicht mehr sechs örtliche Polizeidirektionen geben, die sich an den Bezirken orientieren, kündigte Slowik im Ausschuss an. Stattdessen gibt es eine zentrale sogenannte Direktion City, sowie vier Direktionen Nord, West, Süd und Ost.

Diese Direktion City ist die wichtigste neue Einrichtung, weil sie die sogenannten Brennpunkte umfasst, die vom Alexanderplatz in Mitte über das Kottbusser Tor und den Görlitzer Bahnhof in Kreuzberg bis zur Warschauer Straße in Friedrichshain und dem Hermannplatz in Nord-Neukölln reichen. An diesen Orten wird die Präsenz der Polizei durch zusätzliches Personal verstärkt. Besonders in der Nacht und am Wochenende sollen dort mehr Beamte unterwegs sein, so Polizei-Vizepräsident Marco Langner.

Geisel sprach von einer "Brennpunkt- und Präsenzeinheit, die dort dauerhaft den Druck der Polizei aufrecht erhalten kann". Sie soll 125 erfahrene und junge Leute umfassen, die immer wieder an den gleichen Orten eingesetzt werden und sich gut auskennen. Ziel ist es, besonders gegen Drogenhandel, Gewaltdelikte und Hütchenspieler vorzugehen.

Mehr zum Thema Berlin Lokal:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0