Berliner beleidigt sächsische Bauarbeiter und Dynamo Dresden

Dieser Brief wurde in Weißensee an einen Baum gepinnt und ein Foto davon bei "Notes of Berlin" hochgeladen.
Dieser Brief wurde in Weißensee an einen Baum gepinnt und ein Foto davon bei "Notes of Berlin" hochgeladen.

Berlin – Anwohner machen ihrem Frust über die Gastarbeiter einer benachbarten Baustelle in einem Brief Luft. Dieser könnte witzig gemeint sein, ist es aber eher nicht. Auf jeden Fall dürfte er den meisten Dresdnern die Zornesröte ins Gesicht treiben.

Der Zettel soll auf der Roelkestraße in Weißensee hängen. Dort stehen mehrere Container, in denen sächsische Arbeiter wohnen, während sie auf der Baustelle arbeiten.

Von deren Freizeitgestaltung nach Feierabend fühlen sich Anwohner im noblen Weißensee aber ganz offensichtlich abgestoßen. Die für sie fremde Sprache und fremden Bräuche überfordern sie augenscheinlich.

In ihrer Empörung und mit den Nerven am Ende schreiben sie einen Brief, stecken ihn ordentlich in Klarsichtfolie und pinnen ihn an einen Baum. Der Inhalt soll möglicherweise ironisch sein, dem Verfasser gelang es aber, dieses Vorhaben klar zu verfehlen.

Stattdessen hagelt es Beleidigungen unter der Gürtellinie. Der um seine Ruhe gebrachte Anwohner lässt die Gastarbeiter aus Sachsen spüren, dass sie aus Berliner Sicht zurückgebliebene Provinzler sind. Ein geschmackloser Vergleich mit Berggorillas muss her und die für einen Dresdner größtmögliche Beleidigung fällt: Dynamo wird herabgewürdigt.

Denn bei vielen der Arbeiter handelt es sich offenbar um Dynamofans, die ihre Leidenschaft gewohnt lautstark kundtun: "Liebe Nachbarn, wie sie sicherlich schon mitbekommen haben, wurde in Ihrer Nachbarschaft, hinter Lidl, ein Containerlager für staatlich diplomierte Steinestapler (Bauarbeiter) errichtet. Bei diesen handelt es sich nicht, wie man fälschlicherweise annehmen könnte, um kongolesische Berggorillas, sondern um Problemfans eines drittklassigen Fußballvereins aus der sächsischen Provinz (Dresden)."

Zwar outen sich die Verfasser damit, keine Ahnung vom Fußball zu haben, weil Dresden gar keinen Verein in der Dritten Liga hat, Dynamo längst in der zweiten kickt, aber die folgenden Hasstiraden gegen die Bauarbeiter aus dem Sachsenland lassen ohnehin auf wenig Durchblick schließen.

Der Aushang wurde auf der Seite "Notes of Berlin" hochgeladen und stößt dort auch bei Berlinern auf nur wenig Begeisterung. Die meisten Kommentare gehen in die Richtung: "Rassismus mal anders", "Beleidigend und überhaupt nicht lustig", "ein arroganter Schwabe .... oder was? Was für ein Blödsinn und lustig ist es auch nicht."

Es würde nicht überraschen, wenn die Arbeiter den Brief lesen und sich dann auf ihre Art mit noch sächsischerem Gegröle "bedanken".


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