Finale des Berliner Sechstagerennens: Das größte Sportereignis meines Lebens!

Berlin - Stehende Ovationen! Das Publikum im Velodrom hielt es nicht mehr auf den Sitzen. Die Lautstärke war ohrenbetäubend. Der Hallensprecher schrie sich die Seele aus dem Leib.

Roger Kluge (l.) und Theo Reinhardt (r.) gewannen gemeinsam in buchstäblich letzter Sekunde das 108. Berliner Sechstagerennen. (Symbolbild)
Roger Kluge (l.) und Theo Reinhardt (r.) gewannen gemeinsam in buchstäblich letzter Sekunde das 108. Berliner Sechstagerennen. (Symbolbild)  © DPA

Die Fans klatschten, tröteten, pfiffen jubelnd und gingen mit. Selbst die älteren Herren schräg links von mir erhoben sich mühsam von ihren Sitzplätzen, um den Fahrern ihren Respekt zu zollen.

Denn so ein Finale hatten sie noch nie gesehen, wie sie sich später staunend erzählten.

Ich auch nicht. Dabei war ich nun das 22. Jahr in Folge beim Berliner Sechstagerennen. Für mich ist es eine der schönsten jährlichen Traditionen, die Six Days in der schmucken Arena an der Landsberger Allee zu besuchen.

Den Dienstagabend werde ich wohl bis an mein Lebensende in Erinnerung behalten. Nicht einmal das geilste Erlebnis meiner Lieblingssportart Fußball, das 4:0 des Berliner Athletik Klub 07 gegen die TSG 1899 Hoffenheim in der 1. Runde des DFB-Pokals am 18. August 2012, kommt an den Finaltag des Sechstagerennens 2019 heran.

Das war bisher DAS sportliche Highlight in meinem Leben.

Vor dem allerletzten Wettbewerb, der großen Jagd waren fünf Mannschaften in der sogenannten "Nullrunde" gleichauf. Nur ein paar Punkte trennten sie. Dass so viele Teams so eng beieinander liegen, ist äußerst selten.

Der deutsche Radrennstar Maximilian Levy gewann die Sprint-Gesamtwertung beim 108. Berliner Sechstagerennen. (Symbolbild)
Der deutsche Radrennstar Maximilian Levy gewann die Sprint-Gesamtwertung beim 108. Berliner Sechstagerennen. (Symbolbild)  © DPA

Welchen Kampf sich diese Zweiermannschaften dann mit fairen sportlichen Mitteln auf der 250 Meter langen und schnellen Holzpiste, mit Spitzengeschwindigkeiten jenseits der 60 km/h im Velodrom lieferten, war schlichtweg Weltklasse.

Zuerst schien der niederländische Sieger der vergangenen beiden Jahre, Wim Stroetinga, mit seinem belgischen Partner Robbe Ghys zu stark zu sein. Doch nach mehreren spektakulär abgewehrten Angriffen mussten sie nach den kräftezehrenden Tagen doch ein wenig zurückstecken.

Das nutzte unter anderem das Danish-Dynamite-Duo Marc Hester und Jesper Mørkov aus, um die restlichen Spitzenteams teilweise in Grund und Boden zu fahren.

Sie sahen wie die sicheren Sieger aus. Die 60 Minuten dauernde Jagd näherte sich dem Ende entgegen, nur noch 13 Runden waren zu fahren.

Um der ohnehin schon hochspannenden Dramaturgie noch die Krone aufzusetzen, fassten sich urplötzlich die Berliner Lokalmatadoren Roger Kluge und Theo Reinhardt ein Herz, kratzten ihre allerletzten Reserven zusammen und fuhren in atemberaubender Art und Weise einen Rundengewinn gegen die ermattete Konkurrenz heraus - die einzige Möglichkeit, doch noch zu gewinnen.

Sie umrundeten die anderen Teams und sicherten sich so eine Runde Vorsprung. Das Berliner Publikum tobte schon während des Versuchs vor Begeisterung und machte so viel Krach, wie nur irgendwie möglich, die elektrisierende Spannung erfasste auch die abgebrühtesten Zuschauer.

Theo Reinhardt bekam auch vom fachkundigen Berliner Publikum viel Applaus gespendet.
Theo Reinhardt bekam auch vom fachkundigen Berliner Publikum viel Applaus gespendet.  © DPA

Als sie das Hauptfeld dann wieder eingeholt hatten und ihnen der Gesamtsieg sicher war, herrschte euphorische Stimmung im weiten, aber leider nicht ausverkauften Rund.

Ganz nebenbei fuhr auch noch Andreas Müller in seinem 100. Sechstagerennen (!) mit seinem österreichischen Partner aufs Podium. Der dritte Platz hinter den Dänen ist für den 39-jährigen Müller aus Berlin-Hohenschönhausen ein riesengroßer Erfolg!

Und diese atemberaubende Stunde war nicht das einzige Highlight es Tages gewesen. Zuvor hatte der deutsche Sprintstar "Mister Bombastic" Maximilian Levy im großen Finale den "russischen Bär" Denis Dmitriev nach einem phänomenalen Kopf-an-Kopf-Rennen mit wenigen Zentimetern Vorsprung bezwungen.

Auch beim traditionsreichen, faszinierenden Wettbewerb der Steher ging es ab. Dort setzte sich Europameister Franz Schiewer in einem wahren Spektakel erst auf den letzten Metern durch. Zudem waren das Mannschaftsausscheidungsfahren, das Derny-Rennen und selbst die Junioren-Wettbewerbe hochklassig.

Deshalb ist für mich klar: Im nächsten Jahr bin ich wieder am Start!

Mehr zum Thema Sport Diverses:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0