Ex-AfD-Chef sicher: Dieser Mann zieht eigentlich die Strippen im rechten "Flügel"

Berlin/Erfurt - Der frühere AfD-Vorsitzende Bernd Lucke hält den rechten Verleger Götz Kubitschek für den wichtigsten Strippenzieher des Rechtsaußen-Flügels seiner einstigen Partei und für den Mann hinter Björn Höcke.

Björn Höcke bei einer Gedenkstunde im Thüringer Landtag.
Björn Höcke bei einer Gedenkstunde im Thüringer Landtag.  © DPA

Er selbst habe "erst spät gemerkt", wie groß Kubitscheks Einfluss auf die Vertreter des "Flügels" sei, räumte Lucke im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur ein. Er erklärte, erst der starke innerparteiliche Protest gegen die Entscheidung der Parteispitze vom Februar 2015, Kubitschek und dessen Ehefrau nicht in die AfD aufzunehmen, habe ihm vor Augen geführt, "was für Netzwerke er schon in der Partei hatte - nicht nur im Osten". Lucke war von April 2013 bis Juli 2015 AfD-Chef.

Zu den wichtigsten Vertretern des "Flügels" gehören aktuell der Thüringer AfD-Fraktionschef Björn Höcke und der Brandenburger AfD-Chef Andreas Kalbitz. Kubitschek, der den Antaios-Verlag und das "Institut für Staatspolitik" in Schnellroda (Sachsen-Anhalt) betreibt, ist nach Angaben von Parteisprecher Bastian Behrens bis heute nicht Mitglied der Partei.

Lucke ist Europaabgeordneter und Spitzenkandidat der Liberal-Konservativen Reformer (LKR) für die Europawahl Ende Mai. In seinem Buch "Systemausfall", das diese Woche erscheint, schreibt Lucke: "Es gibt viele AfD-Funktionäre, die schlicht nur ein Werkzeug Kubitscheks sind. Wenn Höcke eines Tages fallen sollte, wie (Sachsen-Anhalts ehemaliger Landtagsfraktionsvorsitzender André) Poggenburg gefallen ist, dann wird soldatisch ein anderer an seine Stelle treten."

Björn Höcke wirke als Redner nicht authentisch

Götz Kubitschek ist Verleger, veröffentlich Bücher aus dem rechten Spektrum.
Götz Kubitschek ist Verleger, veröffentlich Bücher aus dem rechten Spektrum.  © DPA

Höcke sei in seinen Augen nicht mehr als "Kubitscheks Lakai, der strikte Maßgaben hat, bei welcher Gelegenheit er wie viel von dem erkennen lassen darf, was Kubitschek ihn gelehrt hat", führt Lucke weiter aus. Deshalb wirke Höcke als Redner nicht authentisch.

Lucke hatte die AfD verlassen, nachdem er bei der Neuwahl der Parteivorsitzenden im Juli 2015 eine Niederlage hatte einstecken müssen. Co-Vorsitzende wurden damals Jörg Meuthen und Frauke Petry. Es sei sein größter Fehler gewesen, dass er Petry zu lange vertraut habe, sagte Lucke am Montag in Berlin.

Sein Buch sei eine "Kampfansage an die AfD", sagte Lucke. Er schreibt darin aber nicht nur über seine Ex-Partei, sondern auch über Staaten, "die sich irgendwie in den Euro verirrt haben und jetzt mit ihm nicht klarkommen", und über mögliche Wege aus dem aktuellen Dilemma der europäischen Asylpolitik.

Damit ist Lucke wieder beim Gründungsimpuls der AfD angekommen, die Anfang 2013 von einer Gruppe von Euroskeptikern gegründet worden war.

Sollte es Lucke bei der Wahl im Mai nicht gelingen, erneut ein Mandat für das Europäische Parlament zu erringen, will er seinen Ausflug in die Politik beenden - und als Professor für Volkswirtschaft an die Universität Hamburg zurückkehren.

Titelfoto: DPA

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