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Wie gefährlich ist die Suche nach dem Bernsteinzimmer?

Sachsen - Wird das der Sommer des Bernsteinzimmers? Gleich an drei sächsischen Orten, an denen Schatzsucher seit Jahren das Versteck des legendären Kunstschatzes vermuten, geschehen in den kommenden Wochen entscheidende Dinge.

Von Jan Berger

Sachsen - Wird das der Sommer des Bernsteinzimmers? Gleich an drei sächsischen Orten, an denen Schatzsucher seit Jahren das Versteck des legendären Kunstschatzes vermuten, geschehen in den kommenden Wochen entscheidende Dinge.

Wer das Rätsel um das mysteriöse Verschwinden des Bernsteinzimmers löst, der kann großen Ruhm und unter Umständen ein bisschen Reichtum erwarten. Oder auch den Tod! Denn allen Theorien um den Verbleib des geraubten Kunstwerkes ist eines gemein: In den Wirren der letzten Kriegstage versuchten SS-Führer, einen Schatz zu verstecken.

Und sie hatten großes Interesse und wenig Skrupel, ihr Geheimnis entsprechend zu schützen.

Die Suche in Sachsen:

Deutschneudorf - Seit nunmehr 18 Jahren sucht Bürgermeister Heinz-Peter Haustein (60) nach dem Bernsteinzimmer. Jetzt endlich wähnt er sich auf der allerletzten Etappe: Ab morgen beginnen wieder einmal Grabungsarbeiten. Für Ungemach sorgt allerdings ein anonymer Anruf mit neuen Todeswarnungen.

Nach den vielen Fehlschlägen hat sich Deutschneudorfs Ortschef vor einem Jahr auf seinen aktuellen Grabungsort festgelegt: „Ich bin äußerst zuversichtlich, dass wir hier fündig werden.“ Und das ist eher vorsichtig formuliert. Denn Haustein ist sich so sicher, dass er das Waldstück mit der vermuteten Schatzhöhle gekauft hat.

Der Schatzgräber: „Jetzt stehe ich im Grundbuch und die Genehmigung vom Oberbergamt liegt auch vor.“ In der kommenden Woche rollt der Bagger an.

Dass er den Schatz eventuell nicht lebend heben wird, ist dem ehemaligen Bundestagsabgeordneten bewusst. „Vielleicht bringen die mich vorher um“, fürchtet Haustein. Immer wieder erhielt er direkte und versteckte Morddrohungen.

Am Donnerstag gab es erneut einen anonymen Anruf - bei Hausteins Tochter. Anna Haustein: „Es war angsteinflößend.“ Sie wollte zu ihrem Vater durchstellen, doch der ältere Herr lehnte ab. „Er sagte, dass der letzte Zeuge von damals noch in Deutschneudorf lebt. Und mein Vater solle aufpassen - alles sei vermint. Dann legte er auf.“

Dass die Nazis ihren Schatz mit Sprengfallen geschützt haben könnten, hält Haustein für nicht unwahrscheinlich. „Wir werden penibel auf Minen oder Drähte achten. Aber auch auf Glasröhrchen oder Ampullen mit Giftgas, die da ausgelegt sein können.“

Ob er tatsächlich Teile des Bernsteinzimmers hebt, weiß er nicht mit Gewissheit. Haustein: „Es können auch wichtige Dokumente oder andere Schätze sein. Aber ich weiß sicher, dass in Deutschneudorf etwas versteckt wurde.“

Mythos Bernsteinzimmer

Ursprünglich stand das Bernsteinzimmer im Berliner Schloss. Es wurde 1716 vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. an den russischen Zaren Peter den Großen verschenkt. Das Zimmer aus Bernsteinvertäfelungen - oft auch als „achtes Weltwunder“ bezeichnet - wurde in St. Petersburg noch erweitert und verschönert.

Während des Krieges wurde das Zimmer von den Deutschen geraubt und ins Schloss von Königsberg (heute Kaliningrad) gebracht. Dort verliert sich seine Spur. Einige Historiker vermuten, es sei in Königsberg verbrannt.

Seither beflügeln dutzende Theorien die Fantasie von Schatzsuchern. Geheimnisumwitterte Transporte von Königsberg nach Sachsen sind belegt. Es geht um größere Kisten, die im Auftrag von SS-Führern ins Gebirge verbracht wurden. Vielen dieser Verschwörungstheorien ist gemein, dass es nach dem Verstecken Erschießungen gegeben habe, damit es keine Zeugen gebe.

Seit 1976 wurde im Katharinenpalast (St. Petersburg) an der Rekonstruktion gearbeitet. Das neue Bernsteinzimmer wurde 2003 - auch mit deutscher Hilfe - fertiggestellt und wiedereröffnet.

Meisterfälscher Kujau suchte in Löbau und Königstein

Löbau - Meisterfälscher Konrad Kujau (†2000) war der Erste, der nach der Wende die sächsische Suche nach dem Bernsteinzimmer wiederbelebte. Er gab 1992 eine Pressekonferenz, wonach der Schatz in einer Bunkeranlage 30 Kilometer östlich von Löbau versteckt sei. Das schließe er aus Dokumenten, die er bei den Recherchen zur Fälschung der Hitler-Tagebücher erforschte.

Drei Jahre später gab er diese Spur auf und konzentrierte sich fortan auf die Sächsische Schweiz. Kujau damals: „Ich bin völlig sicher, dass zumindest Teile des Bernsteinzimmers bei Königstein liegen.“ Unter Beschimpfung der Behörden, die ihm nur „Steine in den Weg legen“, gab Kujau 1998 auf.

Der Wert seiner Erkenntnisse sind bei Schatzforschern äußerst umstritten.

Was versteckt sich da im Poppenwald?

Bad Schlema - In den kommenden Wochen reißt die Wismut im Poppenwald einen riesigen Hochwasserbehälter ab, der einst dem Bergbau diente. Dieses Waldstück war stets das Schatzjäger-Revier des Leipziger Detektives Dietmar Reimann (†2011). Jahrelang hatte er hier nach einer unterirdischen Anlage gegraben und gebohrt - ergebnislos.

Großen Kummer bereitete ihm, dass er eben nie diesen Behälter untersuchen durfte. Unter ihm vermutete er den Lichtschacht eines Bergwerkes. Als ihm der Waldeigentümer 2009 die Lizenz zum Buddeln entzog, bewarben sich acht weitere Interessenten um die Sucherlaubnis. Sie gingen leer aus.

Deshalb sind jetzt viele neugierige Schatzsucher-Augen auf die Wismut gerichtet.

„Operation Sonnenaufgang“ - Er vermutet den Schatz im Vogtland

Rodewisch - „Die Spur führt ins Vogtland“ - das ist der Titel einer soeben fertiggestellten Broschüre zu einer weiteren sächsischen Versteck-Theorie. Autor ist der Potsdamer Hobbyhistoriker Harald Jesse (78): „Für mich gibt es nur diese eine Stelle.“ Er meint das Flurstück 468 im Taubenberger Forst bei Rodewisch.

Bereits 2010 ließ Jesse mit seinem Team, das sich „Operation Sonnenaufgang“ nennt, ganz in der Nähe einen Bagger buddeln. Es war offensichtlich die falsche Stelle. „Aber jetzt stehen uns Hohlraumkarten des Oberbergamtes zur Verfügung. Eine konkrete Suche macht wieder Sinn.“

Der für das Waldstück zuständige Revierförster gehört ebenfalls zu Jesses Team. Andreas Schlosser (59): „In den nächsten Monaten werden wir versuchen, die Hohlräume mit einer geoelektrischen Messung zu bestätigen.“ Für Grabungstätigkeiten fehlen aber noch die Genehmigungen.

Und wohl auch die finanziellen Mittel. Harald Jesse: „Für die Öffnung des Verdachtsortes wären wohl mindestens 50.000 Euro nötig - die habe ich nicht.“ Und auch das Alter macht ihm zu schaffen: „Mir geht es ja nur um die Wahrheitsfindung. Aber vielleicht werde ich die Hebung des Bernsteinzimmers nicht mehr erleben.“

Jesse forschte bereits zu DDR-Zeiten nach dem Schatz, befragte Zeugen der mysteriösen Transporte und setzte Geheimkarten und abgefangene Funksprüche zu einem Puzzle zusammen. Dieses Vermächtnis will er nun der Nachwelt überlassen.

Info: „Die Spur führt ins Vogtland“ (44 Seiten, 9 Euro) gibt es nicht im Buchhandel.
Anfragen unter E-Mail: schlosan56@t-online.de

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