Berufliche Weiterbildung über den Bildungsgutschein

Deutschland – Um an einer Weiterbildung teilnehmen zu können, muss man nicht immer tief in die eigene Tasche greifen. Wer bestimmte Voraussetzungen erfüllt, gehört zum förderfähigen Personenkreis. 

Eine Möglichkeit der Weiterbildungsfinanzierung bietet der Bildungsgutschein. Wir zeigen, wer ihn beantragen kann und wie man die Chancen auf eine Bewilligung erhöhen kann.

© ukasbieri_40, pixabay.com

Weiterbildung und Karriere – zwei Begriffe, die untrennbar miteinander verbunden zu sein scheinen. Globalisierung, demografischer Wandel und technischer Fortschritt haben in den letzten Jahren zu wesentlichen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt geführt. Viele Berufszweige haben sich gewandelt und stellen neue Herausforderungen an Mitarbeiter.

Wer den Anschluss nicht verpassen möchte, kommt selten um eine Weiterbildung herum; lebenslanges Lernen gilt als Grundvoraussetzung für Erfolg im Beruf. 

Um dem Weiterbildungsbedarf der Bürger nachzukommen, wurden in den letzten Jahren viele Finanzierungs- und Fördermodelle für Weiterbildungshungrige geschaffen. Eines davon ist der Bildungsgutschein.

Was ist der Bildungsgutschein?

Beim Bildungsgutschein handelt es sich um ein wichtiges Instrument der Bildungsförderung. Besitzer des Bildungsgutscheins können sich kostenlos beruflich weiterbilden, da die kompletten Kosten von der Agentur für Arbeit übernommen werden.

Zur Zielgruppe gehören nicht nur Arbeitslose, sondern auch Berufsrückkehrer sowie Beschäftigte, deren Arbeitsvertrag bald ausläuft. Allerdings besteht grundsätzlich kein Rechtsanspruch auf Erhalt eines solchen Gutscheins. Ob ein Antrag bewilligt wird, liegt immer im Ermessen des zuständigen Sachbearbeiters.

Voraussetzungen für die geförderte Weiterbildung

Eine berufliche Weiterbildung mit dem Bildungsgutschein ist zu 100 % förderfähig. Doch nur wer die Fördervoraussetzungen erfüllt, kann sich über eine kostenlose Weiterbildung freuen. Generell muss dabei eines der folgenden Szenarien vorliegen:

  • Ihr seid arbeitslos (mit oder ohne Arbeitslosengeld bzw. Leistungsbezug nach SGB II)
  • Ihr seid arbeitssuchend
  • Ihr seid Arbeitslosigkeit bedroht
  • Ihr braucht die Fortbildung für Ihre berufliche Eingliederung
  • Ihr benötigt die Fortbildung um Ihren Arbeitsplatz zu sichern

Auch bei bestehender oder drohender Arbeitslosigkeit bekommt man den Bildungsgutschein nicht einfach so. Für den Erhalt des Bildungsgutscheins...

  • muss die Fortbildung notwendig sein: Gute Chancen haben Arbeitslose ohne Berufsabschluss und diejenigen, die mehr als vier Jahre in einer ungelernten Stelle gearbeitet haben
  • müssen nach der Bildungsmaßnahme gute Chancen auf eine Eingliederung bestehen
  • muss man sich vorab bei der Agentur für Arbeit beraten lassen

Auch Arbeitnehmer können den Bildungsgutschein erhalten. Die Weiterbildungskosten können für folgende Beschäftigte übernommen werden:

  • Arbeitnehmer ohne Berufsabschluss oder mit einem mindestens vier Jahre alten Berufsabschluss, die in einem an- oder ungelernten Job beschäftigt sind
  • Qualifikationsabhängig für Arbeitnehmer ab 45 Jahren
  • Bei jungen Arbeitnehmern, sofern sich der Arbeitgeber zu 50 % an den Kosten beteiligt
  • Bei von Arbeitslosigkeit bedrohten Beschäftigten
  • Wenn die Fortbildung für die berufliche Eingliederung notwendig ist
  • Wenn mit der Fortbildung der Arbeitsplatz gesichert werden kann

Schritt für Schritt zum Bildungsgutschein

© Pixabay

Um den Bildungsgutschein zu erhalten, muss man zunächst das Gespräch mit seinem Arbeitsvermittler suchen. Dieser überprüft, ob die notwendigen Voraussetzungen für eine Förderung erfüllt werden. Wir zeigen, wie man dabei Schritt für Schritt vorgehen sollte.

1. Beratungstermin vereinbaren

Sobald der zuständige Arbeitsberater die Voraussetzungen überprüft und für ausreichend empfunden hat, vereinbart man einen Beratungstermin mit diesem. 

In der Regel muss man nicht länger als vier Wochen auf einen Termin warten. Wichtig ist, gut vorbereitet zu erscheinen. An folgende Unterlagen sollte gedacht werden:

  • Angaben über die gewünschte Weiterbildung sowie den Bildungsträger
  • Informationen darüber, welche Relevanz die angestrebte Weiterbildung am Arbeitsmarkt hat
  • Informationen über die beruflichen Chancen im Anschluss an die absolvierte Weiterbildung (zum Beispiel Stellenangebote und einschlägige Studien)
  • Nachweise über die bisherigen Bewerbungsbemühungen

In einigen Fällen kann es vorkommen, dass man länger als vier Wochen auf einen Beratungstermin warten muss. Was aber, wenn die gewünschte Weiterbildung schon in drei Wochen beginnt? Werden die Voraussetzungen für eine Förderung erfüllt, reicht es dann auch, beim Arbeitsberater einen formlosen schriftlichen Antrag per Post zu stellen. 

Dieser Antrag sollte alle wichtigen Daten und Unterlagen enthalten – also Nachweise darüber dass man die Fördervoraussetzungen erfüllt, die Kundennummer, Name, Ziel, Maßnahmennummer und Starttermin der ausgesuchten Weiterbildung.

2. Antrag stellen

Das übliche Vorgehen sieht jedoch so aus, dass man das Gespräch mit seinem Arbeitsberater sucht. Von diesem bekommt man den Antrag auf einen Bildungsgutschein, der gewissenhaft ausgefüllt werden muss. Dabei gilt, dass der Antrag grundsätzlich vor Beginn der Teilnahme an der Weiterbildung gestellt werden muss.

Damit eine zügige Bearbeitung sichergestellt ist, sollte der Antrag die Maßnahmennummer der Weiterbildung, den Namen des Bildungsträgers und den Starttermin der Weiterbildung beinhalten. 

Um zu belegen, dass die in der Weiterbildung vermittelten Qualifikationen für das berufliche Weiterkommen ausschlaggebend sind, sollten außerdem Stellenangebote zu den in der Weiterbildung erreichbaren Qualifikationen beigelegt werden. Besonders hilfreich sind Stellenangebote aus Zeitungen oder dem Internet.

Ist man dazu bereit, für einen neuen Job gegebenenfalls umzuziehen, am besten gleich eine Mobilitätserklärung abgeben. Diese kann die Chancen auf eine Förderung signifikant erhöhen.

3. Antwortschreiben/Widerspruch

Ebenso wie der Antrag auf einen Bildungsgutschein schriftlich ergehen muss, erhält der Antragsteller auch eine schriftliche Antwort vom Arbeitsamt. Bei einer Ablehnung und gleichzeitiger Erfüllung aller Voraussetzungen, kann innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe der Entscheidung schriftlich Widerspruch eingelegt werden. 

Das Arbeitsamt überprüft den Antrag dann noch einmal. Bekommt man wieder keine Zusage, kann nur noch versucht werden, mit einem Anwalt in einem Klageverfahren eine Bewilligung zu erzielen.

Tipps zum Erhalt des Bildungsgutscheins

Da es sich beim Bildungsgutschein um eine Kann-Leistung handelt, ist das Arbeitsamt nicht dazu verpflichtet, einem Antrag stattzugeben. Ob es zu einer Bewilligung kommt, liegt im Ermessen des Vermittlers. Umso wichtiger ist eine sorgfältige Vorbereitung.

Größere Chancen auf eine Bewilligung des Bildungsgutscheins hat man, wenn man seinem Vermittler glaubhaft versichern kann, dass man sich engagiert um eine Arbeit bemüht. 

Schließlich möchte die Agentur für Arbeit verantwortungsvoll mit den ihr zur Verfügung stehenden Fördermitteln umgehen. Es ist also wichtig, seine Absichten auf die Sicherung seiner Arbeit bzw. den Wiedereintritt in den Arbeitsmarkt zu verdeutlichen.

Folgende Tipps sollten dabei beherzigt werden:

  • Unbedingt pünktlich zum vereinbarten Beratungstermin erscheinen
  • Informationen über die gewünschte Weiterbildung bereithalten
  • Gründe überlegen, warum genau diese Weiterbildung wichtig für einen ist
  • Verdeutlichen, inwieweit die angestrebte Weiterbildung die Chancen am Arbeitsmarkt erhöhen kann
  • Arbeitnehmer haben bessere Chancen auf den Bildungsgutschein, wenn sie nachweisen können, dass der Arbeitgeber für eine Weiterbeschäftigung ein bestimmtes Zertifikat voraussetzt

Titelfoto: ukasbieri_40, pixabay.com


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0