Warum ist Dresden jetzt Tourismus-Schlusslicht?

Dresdens Marketing-Chefin Bettina Bunge (48) musste gestern sinkende Touristenzahlen für die Elbmetropole verkünden.
Dresdens Marketing-Chefin Bettina Bunge (48) musste gestern sinkende Touristenzahlen für die Elbmetropole verkünden.

Von Dominik Brüggemann

Dresden - Experten haben es schon lange befürchtet, jetzt ist es klar: Dresden verliert dramatisch Besucher und Übernachtungsgäste - gegen den bundesweiten Trend.

Und die Tourisitiker wissen nun auch warum: Das Negativ-Image durch PEGIDA vergrämt viele mögliche Dresden-Gäste.

„Es sind weniger gekommen und weniger geblieben“, musste Dresden-Marketing-Chefin Bettina Bunge (48) am Mittwoch bei der Präsentation der Tourismusbilanz für das erste Halbjahr einräumen.

Insgesamt reisten 903.010 Menschen in den ersten sechs Monaten des Jahres in die Landeshauptstadt. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sind das 1,7 Prozent weniger. Die Übernachtungen sanken um 3,2 Prozent.

PEGIDA-Anhänger sorgen für ein negatives Image der Stadt Dresden.
PEGIDA-Anhänger sorgen für ein negatives Image der Stadt Dresden.

Zum Vergleich: Fünf von sieben Top-Tourismus-Städten verbuchen steigende Zahlen. Nur noch Düsseldorf befindet sich ebenfalls auf dem absteigenden Ast, wobei Dresden das absolute Schlusslicht ist.

Jörg Potreck (51), Sprecher der Dresdner Hotel Allianz und Manager des Hilton Hotels machte klar: „Wir haben mit einem sehr schlechten Image zu kämpfen. Reisende sagen uns konkret wegen der PEGIDA-Bewegung ab.“

Entsprechend dramatisch seien die Übernachtungsrückgänge. „Die fehlenden Touristen sorgen für Umsatzprobleme“, beschreibt er die Auswirkungen.

Hinzu kämen die hohe Bettensteuer und der Mindestlohn, die zusätzlich im Schuh drückten. Sein Vorschlag: Ein gefestigtes Image durch mehr Werbung. Er will die Einnahmen aus Bettensteuer direkt ins Marketing stecken.

Hennie (69) und Lukas Leeffers (65) aus den Niederlanden besuchen Dresden. Dennoch sank die absolute Besucherzahl im ersten Halbjahr.
Hennie (69) und Lukas Leeffers (65) aus den Niederlanden besuchen Dresden. Dennoch sank die absolute Besucherzahl im ersten Halbjahr.

Dresdens Bürgermeister Dirk Hilbert (FDP, 43) bezeichnete den Imageverlust der Stadt als schwierige Rahmenbedingung: „Die letzten Monate haben auch von den Akteuren der Tourismus- und Kongressbranche viel Aufklärungsarbeit und intensive Kundenberatung abverlangt.“

Er appellierte an das Auftreten jedes Einzelnen, das zum Image der Stadt beitrage.

Immerhin: Die Schweizer und Spanier reisen immer häufiger nach Dresden. Die Eidgenossen haben jetzt sogar die Amerikaner an der Tabellenspitze abgelöst.

„Der günstige Euro und direkte Flüge von Zürich und Basel machen unsere Stadt attraktiv“, so Bunge.

Auch der Sächsischen Schweiz machen Rassisten zu schaffen

Tourismusverbands-Chef Klaus Brähmig (58, CDU) sorgt sich um den Ruf der Sächsischen Schweiz. Sie lebt vom Tourismus.
Tourismusverbands-Chef Klaus Brähmig (58, CDU) sorgt sich um den Ruf der Sächsischen Schweiz. Sie lebt vom Tourismus.

Von Juliane Morgenroth

Nach den rechtsextremen Ausschreitungen in Heidenau fürchtet auch die Sächsische Schweiz um ihren Ruf. Die Region lebt vom Tourismus.

Seit Jahren gilt die Sächsische Schweiz als Hochburg der Rechtsextremisten. Gleichzeitig hängen 4000 Jobs am Tourismus. Erste Anfragen, ob die Region sicher sei, gab es bereits.

„Die Geschehnisse zeigen, dass die Bemühungen gegen Rechtsextremismus bei einer großen Gruppe von Bürgern noch nicht fruchten“, so Klaus Brähmig (58, CDU), Chef des Tourismusverbandes und Bundestagsabgeordneter.

Er verurteilte die Hetze und Angriffe. „Alle Menschen sollen sich unabhängig von ihrer Nationalität, Ethnie und Religion herzlich willkommen fühlen“, so Brähmig.

Wachstumschancen habe die Tourismusregion nur bei internationalen Gästen. „Es geht um unsere Zukunft. Und wir werden nicht zulassen, dass diese von einer geist- und kulturlosen Minderheit ruiniert wird.“

Viele wüssten gar nicht, was sie anrichteten. Tourismus habe auch immer etwas mit Image zu tun. Der weltoffene Gedanke müsse noch mehr verankert werden.

„Wir werden alles tun, um die Ursachen von Fremdenfeindlichkeit zu bekämpfen“, so Brähmig.

Auch mit Blick auf den Deutschen Wandertag 2016, der in der Sächsischen Schweiz stattfindet. 10.000 Wanderfreunde werden erwartet.

Fotos: Christian Suhrbier, dpa/Matthias Hiekel


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