Zahlen-Chaos! Wie viele sind wirklich bei den Demos?

Statistiker Stephan Poppe (35) von der Uni Leipzig: „Die Zählung der Teilnehmer ist intransparent."
Statistiker Stephan Poppe (35) von der Uni Leipzig: „Die Zählung der Teilnehmer ist intransparent."

Von Juliane Morgenroth

Leipzig/dresden - Das Zahlen-Wirrwarr um Teilnehmerzahlen bei PEGIDA, LEGIDA und deren Gegnern geht weiter. Es ist dringend mehr Transparenz nötig, fordert ein Statistiker der Uni Leipzig. Sein Vorschlag: Die Polizei soll ihre Luftbilder veröffentlichen.

Wie viele Menschen waren wirklich auf den Veranstaltungen? Die zum Teil weit auseinandergehenden Angaben von Veranstaltern, Polizei und Wissenschaftlern sorgen weiter für Diskussionsstoff. Dass gestern beim Großkonzert auf dem Dresdner Neumarkt nur 22.000 Personen gewesen sein sollen, zweifelten viele Teilnehmer an.

Statistiker Stephan Poppe (35) von der Uni Leipzig: „Es ist eine Methodenkritik nötig. Die Zählung der Teilnehmer ist intransparent. Eine Möglichkeit wäre es, dass die Polizei ihre Luftbilder freigibt.“ Grund dafür sind unterschiedliche Zählmethoden und Annahmen, wie dicht die Menschen standen.

Poppe hatte mit seinem Team die LEGIDA-Demo am 21. Januar unter die Lupe genommen - die Wissenschaftler kamen auf maximal 5000 Teilnehmer. Die Polizei hatte 15.000 vermeldet. Der Statistiker hat der Polizei in Leipzig nach eigenen Angaben nun angeboten, gemeinsam zu zählen. Eine Antwort habe er aber noch nicht.

Das Wirrwarr führt derweil dazu, dass die Zahlen der Polizei nicht mehr ernst genommen werden. Etwa bei der PEGIDA-Gegenveranstaltung am vergangenen Sonntag in Dresden. Das beteiligte Bündnis "Dresden Nazifrei" bezweifelt, dass dort 5000 Menschen teilnahmen. Sie gehen von 2000 bis 3000 aus.

„Wir haben es nicht nötig, von ihnen hoch gewertet zu werden“, hieß es.

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Das Großkonzert am Montag auf dem Neumarkt mit angeblich 22.000 Zuschauern.
Das Großkonzert am Montag auf dem Neumarkt mit angeblich 22.000 Zuschauern.

In der Koalition hängt der Haussegen schief

Innenminister Markus Ulbig (50, CDU) mit der PEGIDA-Führung sorgt für Zoff.
Innenminister Markus Ulbig (50, CDU) mit der PEGIDA-Führung sorgt für Zoff.

Das Treffen von Innenminister Markus Ulbig (50, CDU) mit der PEGIDA-Führung sorgt für Zoff in der CDU/SPD-Koalition. „Es ist ärgerlich, wenn Herr Ulbig die Linie der Staatsregierung verlässt und ihr mit diesem Verhalten in den Rücken fällt“, so SPD-Generalsekretär Dirk Panter (40).

Für seinen CDU-Amtskollegen Michael Kretschmer (39) ist die Kritik „maßlos überzogen“. Ulbig müsse sich von niemandem sagen lassen, mit wem er sich treffe. Einen Riss in der Koalition könne er nicht erkennen: „Wir vertreten in dieser Frage unterschiedliche Ansichten.“

Ulbig selbst sagte, es sei nicht um politische Inhalte gegangen. „Ich habe das Gespräch als Innenminister und damit für Versammlungen und Sicherheit zuständig geführt. Mir ist es wichtig, den Veranstaltern ihre Verantwortung für die Sicherheit vor Augen zu führen.“ Ein neuer Termin sei nicht vereinbart worden.

Mit Ministerpräsident Stanislaw Tillich (55, CDU) abgesprochen war das Treffen nicht. Sein Sprecher Christian Hoose (62) sprach von einer „Einzelüberlegung“. „Die Staatsregierung hat klar gemacht, dass sie sich nicht mit den Organisatoren treffen wird“, so Hoose - er verwies auf die Dialog-Foren für Bürger.

Fotos: Sylvio Dittrich, Holm Roehner, privat


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