Weil die Bahn schlampte: Frau stirbt, als sie aus dem Zugfenster schaut

Twerton - Gemeinsam mit Freunden hatte die 28-jährige Bethan Roper einen Ausflug unternommen. Als sie auf der Rückfahrt aus einem offenen Zugfenster blickte, verletzte sie sich tödlich. Eine Untersuchung wirft jetzt ein schlechtes Licht auf Bahngesellschaft und Netzbetreiber.

Bethan Roper (†28) wollte nur aus dem Fenster schauen und starb dabei. (Fenster: Symbolbild)
Bethan Roper (†28) wollte nur aus dem Fenster schauen und starb dabei. (Fenster: Symbolbild)  © Fotomontage/Fotos: 123RF Ales Utouka & Screenshot/

Es muss ein schöner Tag gewesen sein. Gemeinsam mit Freunden machte Bethon Roper einen Ausflug ins engländische Bath. Zusammen tranken sie etwas und kauften das eine oder andere ein.

Als es abends mit einem Zug der Great Western Railway zurück nach Hause gehen sollte, entschied sich die Gruppe für einen Platz nahe der Tür.

Während die Bahn bereits auf eine Geschwindigkeit von 120 Kilometern pro Stunde beschleunigt hatte, kam ein Freund von Bethan laut "Birmingham Live" auf eine verhängnisvolle Idee.

Er öffnete das herunterfahrbare Fenster der Zugtür und beugte sich heraus. Wenig später wollte auch Bethan die Aussicht genießen.

Doch plötzlich ein dumpfer Knall, dessen Wucht die 28-jährige Vorsitzende der Young Socialists aus Cardiff auf den Boden schleuderte.

Was war passiert? Als Roper aus dem Fenster schaute, wurde sie von einem massiven Ast am Kopf getroffen. Sie hatte keine Überlebenschance. An der nachfolgenden Bristol Temple Meads Station erklärte man sie für tot.

Great Western Railway (GWR) vernachlässigte Sicherheitshinweise

Ein britischer Nahverkehrszug. (Symbolbild)
Ein britischer Nahverkehrszug. (Symbolbild)  © 123RF nui7711

Eine Untersuchung der zuständigen Behörde RAIB beschäftigte sich seitdem mit den Umständen des Todes und kam zu einigen Erkenntnissen.

Sie fand heraus, dass die Fenster den notwendigen Richtlinien entsprachen, allerdings "das Risikoniveau nicht ausreichend darstellten."

Zu Deutsch hatte es die Bahngesellschaft GWR verpasst, deutlicher auf die Gefahr beim Hinausschauen hinzuweisen.

Auf der Warnschild an der Tür stand lediglich: "Vorsicht. Nicht aus dem Fenster lehnen, wenn der Zug fährt." Laut Ermittlern ist das irreführend, da nicht klar auf die mögliche Lebensgefahr hingewiesen wird.

Zudem fiel der Warnhinweis nicht sofort ins Auge und war statt mit einem warnenden Rotton nur in gelbe Farbe hinterlegt.

Schon 2016 starb ein Mann bei einem ähnlichen Unfall. Die GWR beschloss deshalb im Mai 2018, neue Hinweise anzubringen. Als die zwei damit beauftragten Mitarbeiter dann allerdings das Unternehmen verließen, geriet der Plan wieder in Vergessenheit. Eine möglicherweise verhängnisvolle Schlamperei.

Keine Bauminspektion an den Gleisen seit 2009

Ungepflegter Bewuchs entlang der Bahngleise wurde Roper möglicherweise zum Verhängnis. (Symbolbild)
Ungepflegter Bewuchs entlang der Bahngleise wurde Roper möglicherweise zum Verhängnis. (Symbolbild)  © 123RF Volodymyr Iermolaiev

Insgesamt verletzten sich in GWR Zügen zwischen April 2014 und Januar 2019 16 Menschen beim Herauslehnen aus dem Fenster. Elf davon bei Zwischenfällen mit Pflanzen.

Laut "Mirror" fand auf den Strecken der Region seit 2009 keine Inspektion der Bäume rund um die Strecken mehr statt.

Auch der Todesbaum war bereits fünf Jahre lang in einem schlechten Zustand. Durch eine Inspektion hätte womöglich schon vorher herausgefunden werden können, dass er gefällt oder zumindest geschnitten werden muss.

Inzwischen hat die GWR neue Hinweisschilder angebracht. Zudem werden die alten Züge Stück für Stück durch neue Exemplare mit versiegelten Fenstern ersetzt. Bereits im Dezember soll der Wechsel abgeschlossen sein.

Doch bei allen Versäumnissen der Bahn, Bethan Roper hätte wissen müssen, dass man sich nicht bei 120 Kilometern pro Stunde aus dem Fenster lehnt. Es bleibt zu hoffen, dass alle Beteiligten und auch künftige Passagiere aus diesem tragischen Tod lernen werden.


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