Ex-Dynamo-Präsident vor Gericht

Dresden - Das war wohl ein Eigentor. Wegen Insolvenzverschleppung, Bankrott und Vorenthaltens von Arbeitsentgelt wurde Ex-Dynamo-Präsident Jochen Rudi (65) am Freitag am Amtsgericht verurteilt.

In seiner Zeit als Geschäftsführer der Erhardt Fahrzeugwerk Dresden GmbH (damals fast 60 Mitarbeiter) erlebte Rudi offenbar ein Debakel. „Die Wirtschaftskrise hat uns schwer angeschlagen. Ich habe alles versucht, um die Firma zu retten und die Arbeitsplätze zu erhalten.“

Rudi verkaufte Immobilien, andere Firmen, gab Privatvermögen. Vergeblich: Der Hersteller von Lkw-Aufbauteilen an der Meschwitzstraße im Industriegelände stand im Januar 2013 mit 955.000 Euro in der Kreide.

„Da bin ich zu einem Insolvenzanwalt und hab gesagt, ich kann nicht mehr“, so Jochen Rudi.

Der dieser Anwalt wurde neuer Geschäftsführer und stellte sofort Insolvenzantrag. Doch laut Gesetz wäre das eben schon Monate vorher die Aufgabe von Jochen Rudi gewesen. Denn die Firma war schon ab Januar 2012 pleite. Außerdem fehlten Bilanzen, wurden Krankenkassenbeitrage in Höhe von 36.000 Euro zu spät bezahlt.

„Ja, ich habe Fehler gemacht“, so der gelernte Kaufmann.

„Sie sind ein Macher. Das Problem ist aber, dass Sie die Zahlen aus den Augen verloren haben“, sagte der Richter zu Jochen Rudi. „Sie haben sich nicht bereichert. Sie haben alles für diese Firma getan. Aber Sie haben immer weiter gemacht, statt auf die Bremse zu treten.“

Jochen Rudi wurde zu einer Geldstrafe von 10.500 Euro verurteilt. Der Ex-Dynamo-Chef, der heute in Privatinsolvenz ist und von 260 Euro Rente und 700 Euro Beratergeld lebt, nahm das Urteil an.

Die Erhardt Fahrzeugwerk Dresden GmbH gibt es heute nicht mehr. Etwa 50 Mitarbeiter wurden in eine neue Firma übernommen.

Foto: F. Dehlis


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