Betrugsprozess: Frau soll mit Kindermode mehr als 12 Millionen Euro erbeutet haben

Verden - Eine Geschäftsfrau soll Kindermode verkauft haben, die sie gar nicht hatte. So soll sie ihre Geschäftspartner um rund 12,4 Millionen Euro betrogen haben.

Die Angeklagte (links) spricht vor Prozessbeginn mit ihrem Anwalt Bernd Idselis.
Die Angeklagte (links) spricht vor Prozessbeginn mit ihrem Anwalt Bernd Idselis.  © Sina Schuldt/dpa

Seit Mittwoch muss sich die 52-Jährige aus dem Landkreis Diepholz vor dem Landgericht Verden verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr unter anderem zahlreiche Kettengeschäfte vor.

Demnach hat die Angeklagte per Vertrag hochwertige Kindermode verkauft, die sie nicht besaß.

Sie soll dem Erstkäufer jeweils vorgetäuscht haben, dass es für die Waren einen Zweitkäufer gebe, der einen höheren Preis an den Erstkäufer zahlen würde.

Die Ware sollte dann direkt aus dem Lager der Angeklagten an den Zweitkäufer geliefert werden.

"Wir haben hier mehrere sehr komplexe Sachverhalte gehört", sagte der Vorsitzende Richter nach der Verlesung der Anklage.

Der Staatsanwalt schilderte 25 Kettengeschäfte aus den Jahren 2015 und 2016. Den Ermittlungen zufolge hat die Angeklagte dabei sechs Firmen betrogen und unrechtmäßig rund 10 Millionen Euro erlangt.

Weitere 2,4 Millionen Euro soll sich die damalige Geschäftsfrau durch Betrugstaten im Jahr 2014 verschafft haben.

In diesen Fällen soll sie einen Geschäftspartner belogen und getäuscht haben, um an Darlehen zu kommen. Die offenen Darlehens- und Zinsforderungen soll die Frau nicht voll beglichen haben.

Verteidiger kündigt Einlassung an

Während die Richter den Raum betreten, steht die Angeklagte (links) mit ihrem Anwalt vor Prozessbeginn im Gerichtssaal.
Während die Richter den Raum betreten, steht die Angeklagte (links) mit ihrem Anwalt vor Prozessbeginn im Gerichtssaal.  © Sina Schuldt/dpa

Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau zudem vor, Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung ihrer Angestellten nicht ordnungsgemäß abgeführt zu haben.

Den Ermittlungen zufolge wollte sich die Angeklagte mit den Kettengeschäften Geld verschaffen. Nach den Worten des Vorsitzenden Richters, der die Anklagepunkte zusammenfasste, stand die Frau bei den Ketten an erster und letzter Stelle.

Demnach verkaufte sie nicht vorhandene Waren, um sie am Ende des Kettengeschäftes selbst zu kaufen. "Das Modell ist in allen Fällen gleich", so der Richter.

Nach Einschätzung der Kammer gab es deutlich mehr als die 25 Kettengeschäfte, die die Staatsanwaltschaft im Fokus hat. Um die Taten aufzuklären, will die Kammer zahlreiche Zeugen hören.

Die angeklagte Frau, die vor Gericht als Beruf Angestellte angab, schwieg am ersten Prozesstag zu den Vorwürfen. Ihr Verteidiger kündigte für den 13. März eine Einlassung an.

Die Prozessbeteiligten hatten sich nach Angaben des Vorsitzenden Richters vor Prozessbeginn zu einem Erörterungstermin getroffen. Dabei sprachen sie unter anderem über die Reihenfolge der Zeugen.

Die Kammer sei zudem zur vorläufigen Einschätzung gelangt, dass die Angeklagte auch bei einem Geständnis mit einer Gefängnisstrafe ohne Bewährung rechnen muss.

Titelfoto: Sina Schuldt/dpa


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