Wer den Job will, muss an seinen Kindern (8, 11) vorbei

München - Keine Horde Personaler sitzt den Bewerbern bei einer Münchner Unternehmensberatung gegenüber, sondern die beiden Kinder des Geschäftsführers.

Der kleine Alexander holt die Bewerber ab und führt sie zum Büro seines Vaters.
Der kleine Alexander holt die Bewerber ab und führt sie zum Büro seines Vaters.  © NEWS5 / Pieknik

"Meinen Kindern fallen Dinge auf, die ich manchmal übersehe", erklärt Thorsten Strehle, der Geschäftsführer der HCS Partners GmbH, gegenüber NEWS5.

Der 8-jährige Alexander holt die Bewerber zum Vorstellungsgespräch ab, die 11-jährige Anna fragt nach den Gehaltsvorstellungen.

"In unserem Job ist es wichtig, auf unvorhersehbare Situationen reagieren zu können, Bewerber, die damit nicht klarkommen, passen nicht zu uns", so der Vater der beiden Kiddies.

Die Jobanwärter haben keinen blassen Schimmer, was sie erwartet, wenn sie zum Vorstellungsgespräch kommen.

Der kleine Alexander empfängt die Bewerber und führt sie zum Büro seines Vaters. Dabei stellt der Bub sich vor allem zwei Fragen: Sind die Anwärter nervös? Wirken sie sympathisch?

Thorsten Strehle will zeigen, dass seine Firma ein waschechter Familienbetrieb ist.
Thorsten Strehle will zeigen, dass seine Firma ein waschechter Familienbetrieb ist.  © NEWS5 / Pieknik

Im Büro wartet dann der Chef mit seiner Tochter auf die Kandidaten.

Die Frage nach der Gehaltsvorstellung - die für viele Bewerber unangenehm ist - stellt nicht etwa der Chef, sondern die 11-jährige Anna. "Manche reagieren ganz locker, andere kommen damit nicht zurecht, einem Kind zu erklären, was sie verdienen wollen", erklärt Strehle.

Warum er seine Kinder bei Personalfragen zu Rate zieht, weiß Strehle genau: "In unserem Job müssen wir bei Kunden mit unvorhersehbaren Situationen umgehen können, wer das im Vorstellungsgespräch schon nicht kann, passt nicht zu uns."

Einer, der das Vorstellungsgespräch bei den Kiddies durchlaufen hat, ist Yannik Schmidt. "Es war für mich ein bisschen unerwartet, es ist nicht gängig, dass Bewerber von so einem jungen Mann abgeholt werden, aber es war gerade bei dem kleinen Unternehmen mit Familienbezug auch angenehm", so Schmidt. Er hat den Job bekommen.

Thorsten Strehle geht es aber nicht nur um den Überraschungseffekt für die Kandidaten, er will mit seiner Vorgehensweise bei den Vorstellungsgesprächen zeigen, dass seine Firma ein Familienbetrieb ist. Mit Erfolg wie Schmidt ihn bestätigt: "Ich habe gleich eine Bindung zur Familie aufgebaut, letztens waren wir zusammen Bouldern, da waren die Kinder auch wieder dabei."

Und auch die kleine Anna ist von dem Konzept überzeugt: "Wenn ich dabei bin, lerne ich die Neuen gleich besser kennen, dann ist es schöner, wenn wir mal etwas zusammen machen."

Titelfoto: NEWS5 / Pieknik