Unfassbar! Für dieses geile Rennen feiert die Biathlon-Welt Michael Rösch

Am Schießstand behielt Michael Rösch aus Altenberg die Nerven und schockte die Konkurrenz.
Am Schießstand behielt Michael Rösch aus Altenberg die Nerven und schockte die Konkurrenz.

Hochfilzen - Was steckt nur alles in diesem Mann? Biathlet Michael Rösch (34) aus Altenberg hat sich zwei Monate vor den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang (Südkorea) sein ganz persönliches Weihnachtsgeschenk unter den Christbaum gelegt.

"Eine kleine Sternstunde für Michael Rösch", sagte auch der Reporter der ARD, als der gebürtige Altenberger am Sonntag beim Staffelwettbewerb in Hochfilzen als Startläufer für Belgien nach zwei grandiosen Schießleistungen und einer fulminanten Schlussrunde als Erster an Florent Claude übergab. Dabei überspurtete er am Ende sogar noch den erfolgreichsten Biathlet aller Zeiten, Ole Einar Björndalen.

Auch der gebürtige Franzose Claude zeigte dann eine starke Leistung, übergab als Zweiter an Tom Lahaye-Goffart. Der konnte diese tolle Platzierung zwar nicht ganz halten, übergab als Zehnter an Schlussläufer Thierry Langer, doch die Leistung dieser belgischen Staffel, die am Ende auf Rang 16 landete, ist unglaublich.

Denn außer Rösch, der in Hochfilzen bereits im Sprint (27.) und der Verfolgung (32.) gestartet war, reisten die drei anderen Läufer in der Nacht per Auto vom Ibu-Cup in Lenzerheide nach Hochfilzen, um die Staffel überhaupt laufen zu können. 342 Kilometer, um sich selbst und Rösch diesen Traumtag zu bescheren.

Michael Rösch: Auf der Schlussrunde holt er sogar Ole Einar Björndalen ein

Michael Rösch erlebte am Sonntag in Hochfilzen einen Traumtag.
Michael Rösch erlebte am Sonntag in Hochfilzen einen Traumtag.

Für Rösch dürfte der zweite Advent 2017 mehr als emotional sein. Nach dem Olympiasieg mit der deutsche Staffel 2006 in Turin folgten für den Altenberger extrem harte Jahre.

2012 kam es zum Zerwürfnis mit dem deutschen Team, am Ende entschied er sich dazu, die belgische Staatsbürgerschaft anzunehmen, um seinen Traum Biathlon und vor allem dem Traum von einer erneuten Olympiateilnahme aufrechtzuerhalten. Doch der ganze Prozess dauerte zwei Jahre, 990 Tage bestritt Rösch keinen einzigen Wettkampf im Weltcup.

Finanziell, emotional und sportlich eine furchtbar harte Zeit für Rösch, der aber niemals aufgab, sich seine Trainingslager größtenteils selbst finanzierte, weil nur einige, wenige treue Sponsoren zur Stange hielten. Bis zu 65.000 Euro pro Saison mussten er und seine treuen Begleiter aufbringen, um seine Karriere aufrechtzuerhalten.

Momente, wie die an diesem zweiten Advent bestätigen die Kämpfernatur darin, in den vergangene Jahren nicht umsonst gefightet zu haben. "Mir war bewusst, dass ich ein gutes Rennen machen kann, denn der Schnee war fest und kompakt. Ich habe alles dafür gegeben, uns diese Startposition zu erarbeiten. Am Ende habe ich nur noch schwarz gesehen und bin ins Ziel getaumelt", sagte "Ebs",wie er genannt wird, nach dem Rennen in der ARD.

Zuletzt spendete Rösch 1000 Euro an die Krebshilfe, auch für seinen verstorbene Trainer Klaus Siebert

Michael Rösch mit seinem verstorbenen Trainer Klaus Siebert.
Michael Rösch mit seinem verstorbenen Trainer Klaus Siebert.  © Enrico Lucke

Dort sah er auch noch einmal die Bilder, wie er ins Ziel fuhr und dann vor Erschöpfung in die Bande krachte und minutenlang nicht mehr hochkam. "Rums, da schlägt er ein", sagte Rösch mit seinem trockenen Humor, für den ihn so viele Fans schon immer geliebt haben.

Er ist einer DER Typen, die man im Sport heutzutage vergebens sucht. Zuletzt startete der Altenberger eine Crowdfunding Aktion, um sich den Traum Olympia 2018 zu erfüllen. Jeder, der ihn dort unterstützt hat, wird mit einem kleinen Bild auf seiner Waffe un Pyeongchang dabei sein.

Zeitgleich mit der Aktion versprach Rösch, 1000 Euro an die Krebsstiftung zu spenden, denn im April 2016 verlor er seinen langjährigen Trainer Klaus Siebert, der einem Krebsleiden erlegen war. Ihm widmete Rösch im vergangenen Jahr schon seinen sensationellen sechsten Platz im Weltcup in Pokljuka, im Interview nach dem Rennen brach er in Tränen aus.

Nach dem überragenden Rennen am Sonntag feiern ihn seine Fans im Netz bereits. "Das ist Sportsgeist, definitiv mein Wintersporthighlight für dieses Wochenende. Hut ab", schreib eine. Eine andere schrieb: "Schnaps! Jetzt! Das muss gefeiert werden. Man lasse dich hochleben."


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0