Jetzt erst aufgedeckt! Er rettete 10.000 Juden zur Nazi-Zeit das Leben

Moritz Hochschild wie er früher aussah (rechts) und das Archiv über ihn in Bolivien (links).
Moritz Hochschild wie er früher aussah (rechts) und das Archiv über ihn in Bolivien (links).  © dpa/Georg Ismar

Biblis (Hessen) - Als die Nazis an die Macht kamen, sorgte er dafür, dass Tausende Juden nach Südamerika flüchten konnten.

Der Mann, um den es geht, ist der Deutsche Moritz Hochschild, der mit Zinn in Bolivien ab 1921 reich wurde - und Tausende Juden mit falschen Pässen und Schiffspassagen nach Südamerika holte.

Seine Geschichte wurde in einem Archiv in Bolivien entdeckt:

Jahrelang war es für den Direktor Edgar Ramírez des Archivs zur Minengeschichte Boliviens "Archivo Minero" ein großes Problem, die ganzen Quellen sorgsam durchzusehen, einzuordnen und zu katalogisieren. Viele Dokumente gingen schlicht verloren, weil sie in einem Hinterhof unter freiem Himmel lagerten.

Bis schließlich im Jahr 2003 Carlos Mesa Präsident wurde. Denn der ist leidenschaftlicher Historiker. Und so ordnete er an, die vielen Dokumente zu retten und dafür ein nationales Minen-Archiv aufzubauen.

Der Fund ist so bedeutend, dass die Unesco ihn nun zum historischen Welterbe erklärt hat.

Ein von Hochschild unterschriebener Brief zur Rettung von Juden vor den Nazis.
Ein von Hochschild unterschriebener Brief zur Rettung von Juden vor den Nazis.  © dpa/Georg Ismar

Unter dem Material befand sich auch eine ganz besondere Quelle:

Einer der drei Männer, die vor der Verstaatlichung das Minengeschäft dominierten, war ein echter Held. Moritz Hochschild, der 1881 im hessischen Biblis geboren war, schleußte bis zu 10.000 Juden nach Bolivien.

Der aus einer Ingenieursfamilie stammende Jude hatte ursprünglich Bergbau in Freiberg (Sachsen) studiert und machte sich in Bolivien als erfolgreicher Unternehmer einen Namen. Aus diesem Grund hatte er bald einen guten Kontakt zum damaligen Präsidenten Germán Busch, dessen Vater auch Deutscher war.

Gemeinsam gründeten sie die Fluchtorganisation Sociedad Protectora para Israelitas (SOPRO) und Hochschild bot eingereisten Juden aus seinen Ländereien Arbeit an. Trotz eines zwischenzeitlichen Einreisestops, schaffte der gebürtige Hesse am Ende Tausende Juden ins Land.

Ramírez nennt ihn den "Oskar Schindler Boliviens". "Aber eigentlich ist der Vergleich schief, Hochschild hat sogar bis zu 10.000 Juden gerettet."

1952 wurde Hochschilds Mine verstaatlicht und so ging er zurück nach Europa, wo er 1965 in einem Pariser Hotel einsam starb.

Zwar ging Schindler mit seinen Listen ein weit höheres Risiko ein, aber auch Hochschilds Einsatz ist eine Dokumentation wert.

Der Archiv-Direktor, Edgar Ramirez, mit den geretteten Akten zu Hochschilds Heldentat.
Der Archiv-Direktor, Edgar Ramirez, mit den geretteten Akten zu Hochschilds Heldentat.  © dpa/Georg Ismar

Titelfoto: dpa/Georg Ismar


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