Brautkleid-Betrügerin: Seit 27 Jahren ohne Gewerbeschein

Noch hängt die Werbung vor dem Brautmoden-Geschäft.
Noch hängt die Werbung vor dem Brautmoden-Geschäft.

Bielefeld - Seit Wochen kämpfen die in einem Bielefelder Brautmodengeschäft betrogenen Bräute jetzt schon um ihr Geld (TAG24 berichtete). Doch ein neues Detail verringert die Chancen: Die 67-jährige Chefin hätte den Laden gar nicht führen dürfen.

Und das schon seit 1990 nicht mehr! Eine Ordnungsverfügung verbietet der zu dem Zeitpunkt schon straffällig gewordenen Frau das Betreiben von "Gewerbe aller Art", so die Neue Westfälische. Doch das scheint beim Ordnungsamt bekannt gewesen zu sein.

Hält sich jemand nicht an die Regeln, werde "im Ermessensspielraum des Ordnungsamtes" entschieden, wird dessen Leiter Friedhelm Feldmann in der Zeitung zitiert. Dazu zählen zum Beispiel Bußgeldverfahren.

"Sobald wir Zweifel an der Zuverlässigkeit von Personen bekommen, überprüfen wir den Fall", sagt Feldmann. Selbst wenn sich diese Zweifel dann bestätigen, heiße das nicht, dass der Laden sofort geschlossen werde. Im Einzelfall würden dann nur Ordnungswidrigkeiten geahndet.

Strafrecht-Spezialist Holger Rostek gibt dem Ordnungsamt Recht: "Sie konnte und durfte in der Tat davon ausgehen, dass sie dieses Gewerbe führen darf." Auch die 67-Jährige verteidigt sich: "Wenn ich kein Gewerbe hätte führen dürfen, warum konnte ich es dann anmelden?"

Manuela Wolke, die auf Facebook betrogene Bräute unterstützt, bekam schon Droh-SMS, in denen alles als "Halbwahrheiten" abgetan wird. "Wir kommen kaum noch zu Wort. Sie redet ununterbrochen auf Gesprächspartner ein. Eine Lösung ist nicht in Sicht."

"Ich werde selbst übel beschimpft", sagt die Geschäftsinhaberin. Außerdem habe sie "rund 49.000 Euro" bereits an Frauen zurückgegeben. Wer sein Kleid noch wolle, der könne es problemlos abholen.

Mittlerweile liegen insgesamt 17 Anzeigen wegen Betrugs gegen die 67-Jährige vor. "Die Kriminalpolizei ermittelt. Die Frauen kommen überwiegend aus Bielefeld und Ostwestfalen", so Polizeisprecher Michael Kötter.


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