Sachbearbeiterin beleidigt diesen Mann, weil er deutschen Pass haben will

Bielefeld - 22 seiner 23 Lebensjahre hat Atakan Acar in Deutschland gelebt, er wuchs hier auf, dennoch bekommt er keine deutsche Staatsbürgerschaft. Seit Monaten kämpft er darum endlich Deutscher zu werden.

Atakan Acar (li.) will für seinen Traum kämpfen und unbedingt die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten.
Atakan Acar (li.) will für seinen Traum kämpfen und unbedingt die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten.  © Christian Weische

Der 23-Jährige, der in Ostercappeln geboren wurde, hat türkischstämmige Eltern und besitzt momentan nur den türkischen Pass. Dabei soll es allerdings nicht bleiben.

Allerdings legt ihm die Behörde mächtig Steine in den Weg. "Mir wurde von der Ausländerbehörde deutlich gemacht, dass ich keine Chance habe, Deutscher zu werden, weil ich keine Steuern zahle", erklärte er der Neuen Westfälischen.

Eine befreundete Grundschullehrerin aus Minden versucht Atakan Acar bei der Einbürgerung zu helfen, hat bisher aber keinen Erfolg. Bei ihr sei alles ohne Probleme abgelaufen. "Wir mussten alles vorlegen. Von Einkommensnachweisen bis zum Mietvertrag", sagte Najla M. weiter.

Der gebürtige Türke wechselte nach der zehnten Klasse auf ein Berufskolleg und wollte 2017 das Abitur abschließen. Er erreichte allerdings nur 198 von 200 nötigen Punkten, fiel deshalb durch. Darum platze auch seine Ausbildung als biologisch-technischer Assistent.

Seine befreundete Grundschullehrerin aus Minden, Najla M. (li.), hilft ihm dabei.
Seine befreundete Grundschullehrerin aus Minden, Najla M. (li.), hilft ihm dabei.  © Christian Weische

Inzwischen arbeitet er im Bundesfreiwilligendienst beim Verein Rückenwind, der ihm dafür kein Gehalt zahlt, sondern nur eine Aufwandsentschädigung. Aus diesem Grund zahle er zurzeit keine Steuern.

Der 23-Jährige lebt mit seiner besten Freundin in einer Zweier-WG und kommt für die Miete selbst auf, obwohl er kaum Geld verdiene. "Ich hätte Wohngeld beantragen können, habe aber darauf verzichtet", erklärte er. Zudem könne man nur Deutscher werden, wenn der Antragssteller keine Sozialhilfen beziehen würde.

2015 ging er zur Beratung in seiner damaligen Heimat Preußisch Oldendorf und erntete Hohn und Spott: "Sie sind Türke, da können Sie höchstens eine 'Vier' in Deutsch haben". "In mir hat es damals schon gebrodelt", sagte Atakan weiter, der eigentlich eine 'Zwei' in der Schule hatte.

Wegen eines schweren Autounfalls hatte er den ersten Versuch der Einbürgerung sausen lassen. Er war für knapp sechs Monate krankgeschrieben.

Bisher hat er nur den türkischen Pass.
Bisher hat er nur den türkischen Pass.  © Christian Weische

Beim zweiten Anlauf in Bielefeld wurde es dann noch Schlimmer für den 23-Jährigen. Als er seinen Lebenslauf vorlegte, nahm ihn die Sachbearbeiterin förmlich auseinander.

"Ich hätte ja nach dem Unfall arbeiten können, anstatt mich krankschreiben zu lassen", soll die Frau gesagt haben, so Acar. Zudem hätte er doch lieber eine Ausbildung beginnen sollen, anstelle des Versuchs das Abitur abzulegen.

Letzten Endes verdeutlichte die Sachbearbeiterin ihre Denkweise, nachdem er alle Unterlagen abgegeben hatte. "Zu 99,9 Prozent werden Sie sowieso abgelehnt, hat sie gesagt", erklärte Atakan Acar.

Am Ende könne es daran scheitern, weil er nicht nachweisen kann, dass er Steuern gezahlt habe. "Aber wie hätte ich denn bislang Steuern zahlen sollen?", erzählte er frustriert.

Er will aber weiterkämpfen. "Nur der Pass bindet mich noch an die Türkei", so Acar, der betonte: "Ich bin sehr ehrgeizig. Meinen Traum lasse ich mir nicht ausreden".

Die Behörde selbst hat in der Zeitung Stellung bezogen und gesagt: "Die unterstellten Äußerungen sind so nicht gefallen und werden in aller Deutlichkeit zurückgewiesen. Erst nach der Abgabe des Antrags kann die Einbürgerungsstelle prüfen, ob Atakan Acar die notwendigen Voraussetzungen erfüllt".

Titelfoto: Christian Weische