Mutter wird auf Straße immer wieder wegen Sohn beleidigt

Bielefeld - Wenn Mirijam Küppers mit ihrem sechsjährigen Sohn Samy auf der Straße unterwegs ist, könnte man ihren Erziehungsstil schnell infrage stellen.

Beim Busfahren bohrt Samy oft in der Nase. (Symbolbild)
Beim Busfahren bohrt Samy oft in der Nase. (Symbolbild)  © 123RF

Außenstehende verwechseln es oft mit einer zu harten oder sogar schlechten Erziehung, wenn sie mit lauter, herrischer Stimme spricht. Doch Samy ist Autist. "Er braucht klare Ansagen", erzählt die alleinerziehende Mutter gegenüber der Neuen Westfälischen.

Wenn sie ihren Sohn etwas härter anfasst, sodass ihre Fingerknöchel schon weiß hervortreten, bedeute das nicht, dass sie ihrem Kind Schmerzen zufügt. Während manche Autisten ein sehr sensibles Schmerzempfinden haben, fällt es bei anderen höher aus. Samy gehört zu letzteren.

Autisten fällt es schwer, Regeln einzuhalten und Dinge zu verstehen. "Samy kann sich zum Beispiel im Kindergarten nicht in der Reihe für die Rutsche anstellen. Das überfordert ihn", erzählt Küppers. Außerdem fällt es dem Sechsjährigen schwer, Eindrücke aus seiner Umgebung zu filtern.

Dass etwas mit ihrem Sohn nicht stimmt, bemerkte die 27-Jährige früh: Samy bevorzugte es schon mit einem Jahr, alleine zu spielen und zeigte sich oft abwesend.

Auf offener Straße musste sich die 27-Jährige schon oft Beleidigungen anhören. (Symbolbild)
Auf offener Straße musste sich die 27-Jährige schon oft Beleidigungen anhören. (Symbolbild)  © 123RF

Nachdem immer mehr Ticks hinzukamen, stellte ein Arzt die Diagnose "Autismus". "Es war ernüchternd", so die Mutter. "Samy findet alles toll, was bei anderen krasse Reaktionen auslöst." Lautes Türen knallen oder Gläser umschmeißen machen ihm Spaß.

"Wenn wir beispielsweise mit dem Bus fahren, springt er häufig auf den Sitzen rum oder bohrt in der Nase." Wenn das oder Ähnliches passiert, begegnen ihr andere Menschen oft mit Unverständnis und beleidigen sie sogar.

Einmal habe sie sogar eine Anzeige wegen Kindeswohlgefährdung aus der Nachbarschaft bekommen. "Die Leute sollen wissen, dass die meisten Eltern wissen, was sie tun", sagt Küppers.

Trotzdem kann die 27-Jährige nachvollziehen, dass ihr Erziehungsstil manchmal hart rüberkommt. "Viele Situationen sind schwierig einzuschätzen."

Aber sie stellt klar: "Wenn mein Verhalten die Menschen irritiert, sollen sie bitte erst nachfragen, warum ich so mit meinem Sohn umgehe und dann urteilen."

Titelfoto: 123RF


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