Sie wollte einem Flüchtling helfen, doch dann wurden beide zu Betrugsopfern

Die Wohnungsanzeige klang perfekt. Den Schlüssel sollte es gegen Vorkasse geben. (Symbolbild)
Die Wohnungsanzeige klang perfekt. Den Schlüssel sollte es gegen Vorkasse geben. (Symbolbild)  © 123RF

Bielefeld - Stephanie Brink war überglücklich, als sie endlich eine Wohnung für einen Flüchtling, den sie als ehrenamtliche Patin betreut, gefunden hatte.

"Ich habe sechs Monate lang Anzeigen studiert, Wohnungen besichtigt und zahlreiche Absagen kassiert", erzählt sie gegenüber der Neuen Westfälischen.

Ein Angebot auf der Wohnungsplattform "Immobilienscout 24" kam der 45-Jährigen da gerade recht. Sie ahnte nicht, was für Probleme ihr das noch bereiten sollte.

Die vermeintliche Vermieterin, die ihr stets auf Englisch schrieb, bot eine "schöne 2-Zimmer-Wohnung mit Balkon und Einbauküche" an. Sie selbst sei aus beruflichen Gründen nach Mailand gezogen. Daher wollte sie die Besichtigung und Vertragsabwicklung über Airbnb regeln.

Für Stephanie Brink war das okay, das Vorgehen kam ihr nicht komisch vor. Selbst als die Vermieterin sagte, Airbnb würde den Schlüssel gegen eine Kaution in Höhe von 1000 Euro sowie 400 Euro Miete aushändigen, wurde sie nicht stutzig.

Das Geld sollte sie auf ein italienisches Konto überweisen. Das Vorgehen der Betrügerin ist geschickt: Sie bat die 45-Jährige, sich auf der Original-Seite von Airbnb einzuloggen, um ihr anschließend die Anmeldedetails per E-Mail zuzuschicken. Nur so könne sie den Vorgang von Mailand aus starten.

Das Opfer geht so davon aus, es habe mit Airbnb zu tun. Die Bielefelderin erhielt auch nur wenig später eine E-Mail von der Miet-Plattform für private Unterkünfte mit einer Rechnung inklusive Transaktionsnummer, Bankdaten einer römischen Bank und den Geschäftsbedingungen.

Stephanie Brink ahnte nicht, dass sie gerade das Opfer eines Betrugs wurde.
Stephanie Brink ahnte nicht, dass sie gerade das Opfer eines Betrugs wurde.

Was Stephanie Brink nicht ahnte: Die E-Mail-Adresse war gefälscht! Auf zahlreichen Seiten wird bereits vor dem Absender "airbnb.traveleurope@europe.com" gewarnt. Sogar der Name der angeblichen Vermieterin ist bereits im Zusammenhang mit "Vorkassebetrug" bekannt.

Besonders bitter: Auch das Sozialamt warnte die Flüchtlings-Helferin davor, die Wohnung zu mieten. Doch sie wollte einfach nur helfen: "Mein Schützling hat mir mal gesagt: 'Das größte Geschenk für mich wäre eine Wohnung'."

Das Geld wird sie wohl nicht wiedersehen. Immobilienscout 24 teilte ihr mit, dass die verdächtige Wohnungs-Anzeige bereits eine Woche vor ihrer Überweisung gelöscht wurde. "Wenn die schon herausfinden, dass da Betrüger am Werk sind, warum wurde ich darüber nicht informiert?"

Eve-Marie Röseler, Sprecherin der Immobilienplattform, betont: "Interessenten, die auf so ein unseriöses Angebot reagiert haben, werden per E-Mail von uns gewarnt." Im Fall von der 45-Jährigen kann es sein, dass die Sachlage noch nicht abschließend überprüft war.

Bei der Polizei Bielefeld ist die Betrugsmasche mit Airbnb seit 2016 bekannt. Eigentlich komme es eher selten vor, "vermutlich weil sowohl Airbnb als auch die Immobilienportale recht schnell verdächtige Anzeigen blockieren", so die Ermittler.

Der 29-jährige Iraner, für den die Wohnung gewesen wäre, ist traurig. "Jetzt fährt die mit meinem Geld wahrscheinlich in den Urlaub." Trotzdem stehen die Chancen, die Täter im Ausland dingfest zu machen, nicht schlecht.

Schließlich nutzen sie existierende Kontodaten. Allerdings bleibt abzuwarten, ob das Rechtshilfeverfahren mit Italien erfolgreich läuft.


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