Behinderte 16-Jährige mit Hilfe der Polizei aus Stadtbahn geschmissen

Am Rathaus wurde die 16-Jährige kontrolliert. (Symbolbild)
Am Rathaus wurde die 16-Jährige kontrolliert. (Symbolbild)  © DPA

Bielefeld - Janina K. (Name von der Redaktion geändert) wollte am 7. Januar einfach nur von ihrem Elternhaus in Bielefeld-Brackwede nach Schildesche zu einer Mitbetreuerin (35) fahren.

Die 16-Jährige ist schwerbehindert. Sie sei ausgebüxt, berichtet die Mitbetreuerin gegenüber der Neuen Westfälischen. Um schnell zu der 35-Jährigen zu kommen, setzte sich die Jugendliche in die Stadtbahn der Linie 1 in Richtung Jahnplatz.

Gegen 15.20 Uhr wurde sie laut moBiel-Sprecherin Yvonne Liebold am Rathaus kontrolliert. Dabei kam heraus: Die Schwerbehinderte hatte weder ein gültiges Ticket noch einen Ausweis dabei.

Daraufhin nahmen zwei Sicherheits- und Servicemitarbeiter sie mit zur Bundespolizei am Hauptbahnhof. Dort sollten ihre Personalien festgestellt werden.

Aktuell sei laut Liebold unklar, wie die moBiel-Mitarbeiter die Lage eingeschätzt haben. Beide befinden sich im Urlaub und können nicht befragt werden.

Die 16-Jährige wurde aus der Bahn geschmissen und musste ein Bußgeld zahlen. (Symbolbild)
Die 16-Jährige wurde aus der Bahn geschmissen und musste ein Bußgeld zahlen. (Symbolbild)

Letztendlich wurde die 16-Jährige aber aus der Bahn geschmissen, nicht weiter befördert und außerdem musste sie das übliche Bußgeld in Höhe von 60 Euro fürs Schwarzfahren zahlen.

In Schildesche kam sie aber doch noch an: "Sie ist zu Fuß gegangen", so ihre Mitbetreuerin, die das gar nicht lustig findet. Immerhin sei das Mädchen zu 80 Prozent geistig behindert. Sie befinde sich auf dem Entwicklungsstand einer Sechsjährigen.

Zudem könne sie sich nicht alleine im Straßenverkehr bewegen. Das sei schnell zu erkennen. Die Mitbetreuerin ist der Meinung, dass es "absolut fahrlässig ist, dass das Kind nicht in Obhut" genommen und nach Hause gebracht wurde. Stattdessen ließ man sie auf sich gestellt alleine stehen.

moBiel-Sprecher Marcus Lufen ist hingegen überzeugt, dass sich die Kontrolleure korrekt verhalten hätten. Es sei nicht machbar, dass die Mitarbeiter den Grad einer Behinderung überprüfen.

Wie seine Kollegin Yvonne Liebold außerdem bestätigt, gäbe es "keine besonderen Beförderungsbedingungen" für Behinderte. Dennoch befindet sich moBiel aktuell in Kontakt mit Angehörigen der 16-Jährigen. Man will den Fall aufklären.


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