Brennpunkt und Stadtbezirk zweiter Klasse? Alkoholverbot auf Treppenplatz ungewiss

Auf dem Treppenplatz in Brackwede wird viel gepöbelt.
Auf dem Treppenplatz in Brackwede wird viel gepöbelt.

Bielefeld - Nicht nur wenn es dunkel wird in Bielefeld-Brackwede, scheinen einige Menschen ihre Beherrschung zu verlieren. Die Anwohner des Treppenplatzes können jedenfalls ein Lied davon singen.

Seit Jahren sind Saufgelage, Pöbeleien, Wildpinkeln und Sachbeschädigungen dort an der Tagesordnung. Für die Brackweder ist der Platz längst ein Brennpunkt.

Die Bezirksvertretung hatte bereits im September ein Alkohol- und Lagerungsverbot gefordert. Die Verwaltung schlug dem Hauptausschuss jetzt allerdings vor, den Beschluss abzulehnen.

Der Grund: Dezernentin Anja Ritschel hält ein solches Verbot für unnötig. Immerhin sei es bereits untersagt, sich in Gruppen zusammenzurotten und so andere an der Nutzung öffentlicher Flächen zu behindern.

Das gelte auch fürs Pöbeln, Zumüllen und das Pinkeln. Schon heute könnte man Bußgelder verteilen und Platzverweise aussprechen. "Eine weitere Regelung ist daher nicht erforderlich", wird Ritschel in der Neuen Westfälischen zitiert.

Ein Alkoholverbot sei zudem trotz der Unannehmlichkeiten, die Anwohner seit langem ertragen müssen, nicht zu rechtfertigen. Obwohl es viele Beschwerden gab, lägen insgesamt nur wenige tatsächliche Delikte vor.

Müll, Sachbeschädigungen, Wildpinkeln, Pöbeleien und Saufen: Die Anwohner am Treppenplatz sind unzufrieden.
Müll, Sachbeschädigungen, Wildpinkeln, Pöbeleien und Saufen: Die Anwohner am Treppenplatz sind unzufrieden.

Zwischen Januar und Juli musste die Polizei zu 60 Einsätzen ausrücken. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum 31 Anzeigen geschrieben. Die Vergehen gingen von Körperverletzung über Sachbeschädigung bis hin zu Diebstahl oder Sexualdelikten.

"Dies ist nach Einschätzung der Polizei nicht erheblich", so die Dezernentin in ihrem Schreiben an den Hauptausschuss. Trotzdem habe man dem Zentralen Außen- und Vollzugsdienst des Ordnungsamtes bereits die Erlaubnis erteilt, verstärkt zu kontrollieren.

Von der Stadtwache, also Polizei und Ordnungsamt, wird es keine Unterstützung geben. Deren Streifengänge seien auf die Innenstadt beschränkt.

Carsten Krumhöfner, Sprecher von der CDU, empfindet das Schreiben Ritschels an den Hauptausschuss als "Unverschämtheit". "Wir können noch so oft um den Runden Tisch rumlaufen, das ist nicht zielführend", unterstützt auch Bezirksamtsleiter Hans-Georg Hellermann diese Haltung.

"Die Stellungnahme zeigt wieder einmal, dass Brackwede ein Stadtbezirks zweiter Klasse ist", findet Jan Dopheide (UBF). Am 7. Dezember wird im Hauptausschuss über den Beschluss abgestimmt.


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