Mutter tot in Garage gefunden: Warum suchte man erst so spät nach ihr?

Bielefeld/Bünde – Erst ein halbes Jahr nach dem Verschwinden einer vermissten Mutter aus Bünde, hat die Mordkommission die Ermittlungen aufgenommen. Wieder ein halbes Jahr später wird ihre Leiche in einer Garage gefunden. Der Ehemann steht unter Mordverdacht, doch stellt sich die Frage, ob der Tod der 34-Jährigen hätte verhindert werden können.

Die 34-Jährige wurde vermutlich von ihrem Ehemann ermordet.
Die 34-Jährige wurde vermutlich von ihrem Ehemann ermordet.

Am 27. November 2017 hatte die Mutter eines 16-jährigen Sohnes und einer 9-jährigen Tochter das große Einfamilienhaus in Holsen verlassen - und war nie mehr zurückgekehrt.

Eine Nachricht hinterließ sie nicht. Ebenso nahm sie kein Handy, Papiere oder Geld mit. Von da an konnten auch keine Kontobewegungen mehr festgestellt werden, wie die Neue Westfälische berichtete.

Auch zwei Tage nach ihrem Verschwinden unternahm der Ehemann nichts. Ihr Bruder hingegen ging zur Polizei und meldete die 34-Jährige als vermisst. Welche Ermittlungen daraufhin von der Polizei Herford eingeleitet wurden, ist bis heute unklar.

Einem Verbrechen wurde dort jedoch nicht nachgegangen. Immer wieder drängt die Mutter der Vermissten die Behörden endlich einen Versuch zu starten, um ihre Tochter zu finden.

Auch der Bruder startete danach zahlreiche Versuche, um seine Schwester aufzuspüren. Am 14. Dezember 2017 postete er einen Suchaufruf auf Facebook: "Seit Montag, 27. November, vermissen wir meine Schwester Natalie. Bisher hat die Suche keinen Erfolg ergeben, weder die Polizei noch die Freunde und auch wir selbst wissen nicht, wo Natalie sich befindet. Eine Vermisstenanzeige wurde bei der Polizei aufgegeben. Bitte helft mir, uns, unsere Natalie zu finden."

Keine Leiche, keine Verhandlung

In der zweiten Garage von rechts wurde die Frau in einer Holzkiste gefunden.
In der zweiten Garage von rechts wurde die Frau in einer Holzkiste gefunden.

Erst im Sommer dieses Jahres landete das Verfahren auf Nachdruck der Mutter bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld.

Weil diese schnell erkennt, dass es sich um ein Gewaltverbrechen handelt, wird die Mordkommission "Rödinghausen" gegründet und beginnt unter der Leitung von Ralf Östermann mit den Ermittlungen.

Auch die Öffentlichkeit wird in den Fall mit einbezogen und nach "auffälligen Beobachtungen" befragt, bis der 46-jährige Ehemann der Frau aufgrund von Mordverdachts festgenommen wird.

Doch vor Gericht kommt es zu neuen Problemen: Obwohl alle Hinweise auf ein Gewaltdelikt hindeuten, sei ein "Mord ohne Leiche" schwer zu verhandeln, heißt es.

Dieses Problem ist nun gelöst, denn seit vergangener Woche herrscht traurige Gewissheit: Die 34-Jährige ist tot. Am Freitag hatte der Vermieter einer Bielefelder Garage den Leichnam der Frau in einer Holzkiste gefunden und die Polizei alarmiert (TAG24 berichtete).

Was bleibt, sind ein Haufen Fragen. Weder ist geklärt, wie lange die Frau schon tot in der Garage lag, noch wie sie dort hingeschafft wurde.

Auch ist unklar, ob dem Ehemann der Mord an seiner Frau überhaupt nachgewiesen werden kann. Ein Prozess ist für Mai vor dem Bielefelder Landgericht angesetzt.

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