"Der Knast quillt über"! Erlassen Richter zu viele Haftbefehle "wegen Peanuts"?

Bielefeld/Detmold - In Detmold und Bielefeld-Brackwede teilt man ein Problem: Die dortigen Gefängnisse sind stark ausgelastet! Es ist kaum mehr Platz für neue Häftlinge. Der Knast in Detmold war im April beispielsweise zu 103 Prozent belegt. In Brackwede sieht es mit 99 Prozent auch nicht entspannter aus.

Weil zu viele U-Häftlinge im Knast sitzen, quillen die Gefängnisse über. (Symbolbild)
Weil zu viele U-Häftlinge im Knast sitzen, quillen die Gefängnisse über. (Symbolbild)  © DPA

Wie stark ausgelastet die Gefängnisse sind, wird deutlich, wenn man bedenkt, dass Experten bereits bei 85 bis 90 Prozent von einer Vollbelegung sprechen. Detmold sei damit "heillos überbelegt", erklärt Anstaltsleiter Oliver Burlage gegenüber der Neuen Westfälischen.

In seiner Justizvollzugsanstalt müssen 67 statt nur 45 U-Häftlinge untergebracht werden: "Das kommt, weil die Richter wegen Peanuts Haftbefehle erlassen." So kommt es durchaus vor, dass jemand, der einen Akkuschrauber geklaut hat und keinen festen Wohnsitz nachweisen kann, direkt hinter Gitter kommt.

"In der Hauptverhandlung nach Monaten wird er dann nach 100 Euro Kosten für den Steuerzahler pro Tag laufen gelassen." Das hat Probleme zur Folge: "Der Knast quillt über, und wir müssen Strafgefangene in anderen Anstalten unterbringen. Die Plätze sind ruckzuck mit U-Häftlingen voll, und die Strafgefangenen fehlen uns, um Arbeitsaufträge vernünftig erledigen zu können."

Wer in U-Haft sitzt, sei nämlich nicht dazu verpflichtet, im Knast zu arbeiten. Einem Betrieb musste sogar gekündigt werden, obwohl für ihn seit 20 Jahren Gefangene arbeiten.

Auch der Knast in Bielefeld-Senne ist überlastet. Ein Häftling aus dem offenen Vollzug erklärte, dass eine ärztliche Versorgung "überhaupt nicht gegeben" sei. An Resozialisierungsmaßnahmen mangelt es. Die Stimmung sei dementsprechend "miserabel".

Das Justizministerium vom Land NRW wehrt sich gegen die Vorwürfe: Sowohl eine ärztliche Versorgung als auch Resozialisierungsangebote seien gewährleistet.

Titelfoto: DPA


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