Spionage bei Real und der Post? Datenschützer stellen Strafanzeige!

Kunden sollen in Supermärkten und Post-Filialen ausspioniert werden, um so Werbung direkt auf sie zuschneiden zu können. (Symbolbild)
Kunden sollen in Supermärkten und Post-Filialen ausspioniert werden, um so Werbung direkt auf sie zuschneiden zu können. (Symbolbild)  © 123RF

Bielefeld - Die Bielefelder Datenschutz-Organisation Digitalcourage ist dafür bekannt, dass sie sich für die Rechte einfacher Bürger einsetzt. Aktuell erheben die Datenschützer schwere Vorwürfe gegen die Supermarktkette Real und die Deutsche Post.

Demnach sollen Kunden in 40 Real-Märkten und 100 Filialen der Post von Kameras mit Gesichtserkennung ausgespäht werden. Und das alles zu Werbezwecken!

"Wir stellen Strafanzeige, um die Überwachung und Analyse von Kund.innen zu stoppen", heißt es auf der Webseite des Datenschutz-Vereins.

"Die Real-Filialen, die diese Technik einsetzen, wollen das Problem nicht erkennen. Die Pressesprecher wiegeln ab: die eingesetzte Software zur Gesichtserkennung von Kund.innen sei zertifiziert und datenschutzkonform", schreiben sie weiter.

Zwar verweisen Schilder am Eingang der betroffenen Märkte tatsächlich auf die Video-Überwachung, allerdings dient die nicht mehr nur dazu, Ladendiebe zu überführen. Stattdessen steht der normale Kunde im Fokus.

"Werbebildschirme in Filialen von Post und Real haben eingebaute Kameras. Die sind ausgestattet mit einer Software, die Alter und Geschlecht erkennt und aufzeichnet, wie lange eine Person den Bildschirm betrachtet.

Real räumt ein, damit zielgruppenspezifische Werbung einspielen zu wollen, während die Post allen Ernstes behauptet, man wolle den Wartenden die Zeit in der Schlange versüßen."

Sowohl Real als auch die Post beteuern, keine Daten zu speichern oder sogar Profile der Kunden anzulegen. "Doch Branchen-Insider schwärmen bereits heute von den Möglichkeiten, die noch nicht genutzt werden."

Warum die Unternehmen ihre Kunden ausspionieren, liegt für Digitalcourage auf der Hand: "Der Einzelhandel hat Konkurrenzdruck." Dass deshalb auf solche Mittel zurückgegriffen wird, wollen die Datenschützer trotzdem nicht einfach so hinnehmen.

"Menschen müssen die Möglichkeit haben, an Lebensmittel zu gelangen, ohne, dass dabei Ihre Gesichter biometrisch gescannt und analysiert werden. [...] Deshalb werden wir gegen Real und Post Strafanzeige stellen. Weil es nicht normal werden darf, auf Schritt und Tritt beobachtet und durchanalysiert zu werden."

Titelfoto: 123RF


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