"Asoziale Hexe": Digitaler Beichtstuhl wird zum fiesen Lehrer-Mobbing genutzt

Cybermobbing betrifft nicht nur Schüler. (Symbolbild)
Cybermobbing betrifft nicht nur Schüler. (Symbolbild)  © 123RF

Bielefeld - Mobbing an Schulen gehört heutzutage zur traurigen Realität und ist längst keine Ausnahme mehr. In vermutlich jeder Klasse gibt es einen Schüler, den sich die anderen herauspicken, um ihn körperlich oder psychisch fertig zu machen.

Am Hans-Ehrenberg-Gymnasium in Bielefeld-Sennestadt gibt es aktuell ebenfalls einen krassen Fall von Mobbing. Allerdings findet der anonym im Internet statt und richtet sich nicht nur gegen Klassenkameraden, sondern auch gegen Lehrer.

"Das ist im Moment Trend an den Schulen, insbesondere an Gymnasien", erzählt Schulleiterin Ute Wilmsmeier gegenüber der Neuen Westfälischen. Sie kennt einige der Postings in den Instagram-Beichtgruppen, in denen Tellonym-Beiträge veröffentlicht werden.

Seit Sommer bildeten sich die digitalen Beichtstühle, "im Herbst haben wir davon gehört", so Wilmsmeier. Nach und nach seien die Nachrichten immer heftiger geworden. So kam es, dass sich einige Schüler an die Schulleitung wendeten.

Zu lesen waren anzügliche Posts wie "Ich, männlich/16 beichte, dass ich, seitdem ich vom Schulfest gekommen bin, mir einen Dreier mit Frau X und ihrer Schwester vorstelle. Sie sind beide mega heiß #sexysisters" oder "Ich männlich/16 beichte, dass ich mir immer einen runter... und dabei an Frau X denke #sexystteacherforever."

Aber auch Nachrichten wie "Ich männlich/16 beichte, dass ich Mitleid mit dem Mann von Frau X habe. Er konnte ja nicht wissen, dass sich hinter der sexy und netten Fassade nach der Hochzeit eine immer noch wunderschöne, aber asoziale Hexe entpuppt #lästerstoff."

Im Herbst kamen die Beichten ans Licht. (Symbolbild)
Im Herbst kamen die Beichten ans Licht. (Symbolbild)  © 123RF

Einige Schüler schienen von Anfang an nicht ganz einverstanden mit den Posts gewesen zu sein: "Ich weiblich/15 beichte, dass ich neu an der Schule bin und die ganzen Beichten mich leicht verstört haben."

Nachdem alles ans Licht kam, versuchte die Schulleitung schließlich, denjenigen zu kontaktieren, der die Auswahl der Postings trifft, den sogenannten "Gate-Keeper". Bisher führte das zu keinem Erfolg, "da sind enge rechtliche Grenzen gesetzt." Ein Verfahren wegen Beleidigung und Verletzung der Persönlichkeitsrechte wurde eingestellt.

Einen kleinen Erfolg gab es trotzdem: 30 bis 40 Schüler von den 100 Beteiligten konnten bereits identifiziert werden. Sie wurden schon mit ihrem Fehlverhalten konfrontiert, nachdem sie aus dem Unterricht gezogen wurden.

Während ihre Eltern einen Brief erhielten, wurden die Schüler zusätzlich mit Sozialstunden bestraft. Schulpflegschaftsvorsitzende Christa Schüßlbauer-Tweer empfindet dieses Vorgehen der Schulleitung als richtig.

Sie möchte trotzdem auch hervorheben, dass gerade im Bezug auf die Medienkompetenz die Eltern eine gewisse Teilschuld trifft, da sie Verantwortung tragen.

"Dass so unangemessen gehandelt wird, hätten wir alle nicht für möglich gehalten", sagt Schüßlbauer-Tweer. Oft läge das daran, dass Schüler sich keine Gedanken über ihre Posts machen und was sie damit anrichten können.

Obwohl die Beichtstuhl-Geheimnisse mittlerweile bekannt sind und die betroffene Gruppe gelöscht wurde, sind bereits neue Gruppen entstanden. "Bei einigen ist die Botschaft jedoch angekommen. Es hat auch persönliche Entschuldigungen gegeben", sagt Wilmsmeier.

Um solchen Vorfällen in Zukunft vorzubeugen, will das Gymnasium sein Konzept zur Medienkompetenz ausbauen. Beispielsweise seien für Anfang 2018 Projekttage mit Experten des Vereins "Eigensinn" geplant, erklärt der stellvertretende Schulleiter Christian Budde.

Alle Lehrer sollen mit ihren Schülern intensiv über das Thema "Cybermobbing" reden.

Titelfoto: 123RF


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