Rassisten drohen Flüchtlingen und Helfern mit Baseballschläger

Aus Facebook sind immer wieder rassistische Kommentare und Posts zu lesen.
Aus Facebook sind immer wieder rassistische Kommentare und Posts zu lesen.  © DPA

Bielefeld - Was geht nur in manchen Menschen vor? Der Post einer Facebook-Gruppe, die über das soziale Netzwerk hilft, Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe zu organisieren, animierte einige dazu, Hetz-Kommentare zu posten.

2014 wurde "Geflüchtete willkommen in Bielefeld" gegründet. Immer wieder gab es seitdem Anfeindungen. Jetzt gingen die Hetzer allerdings zu weit: "Wir haben unter einer Einladung zu unserem internationalem Straßenfest drei klare Drohungen ausgemacht", erzählt Michael Gugat, Gründer des Blogs, gegenüber der Neuen Westfälischen.

Seiner Ansicht nach wurden dieses Mal klar Grenzen überschritten. Ob es sich dabei nur um "digitales Maulheldentum", wie der Blogger es selbst nennt, handelt, ist schwer zu sagen.

So drohte ein User beispielsweise mit dem Kommentar "Baseballschläger willkommen". Die zuerst freundlich wirkende Antwort eines anderen, Kuchen mitbringen zu wollen, wurde schnell relativiert: "Aber der würde es in sich haben! Und wenn ich dafür eine Apotheke plündern müsste!"

Aber an dieser Stelle endeten die Drohungen nicht. Ein weiterer User schrieb: "Komme auch vorbei mit mehreren Kollegen." Und auch eine Frau wünschte "Bomben über Bielefeld". Wieder andere hetzen gegen und beleidigen Flüchtlinge und Ausländer.

Piratenpolitiker Michael Gugat (links) setzt sich nicht nur für Flüchtlinge, sondern auch für Demokratie und eine offene Gesellschaft ein.
Piratenpolitiker Michael Gugat (links) setzt sich nicht nur für Flüchtlinge, sondern auch für Demokratie und eine offene Gesellschaft ein.

Dass die Kommentare nur indirekte Drohungen enthalten, gibt Gugat zu. Trotzdem will er sich wehren, da er der Meinung ist, dass sie durchaus eine strafrechtliche Relevanz haben.

Deshalb will die Gruppe bald zur Polizei gehen und drei Anzeigen erstatten: "Liebe Alle! Wir haben jetzt sämtliche Hasskommentare und Bedrohungen gelöscht. Wir haben von allen Kommentaren Screenshots angefertigt und die Profile gesichert und werden in Einzelfällen Strafanzeige erstatten", kündigte der Admin auf Facebook an.

Eine Anzeige wegen volksverhetzender Inhalte sei sogar bereits beim Staatsschutz eingegangen, so Polizeisprecher Michael Kötter. Die wird allerdings aktuell noch geprüft.

Neben der Online-Hetze tauchen in Bielefeld in letzter Zeit vermehrt Aufkleber der Neonazi-Partei "Die Rechte" auf. Ob es einen Zusammenhang gibt, ist nicht bekannt.

Aber dass es tatsächlich eine Art Startsignal unter Neonazis gab, das zum Angriff führte, glaubt Piratenpolitiker Gugat nicht. "Wir haben unser Straßenfest erstmals öffentlich beworben, so dass erstmals auch User außerhalb der Gruppe auf uns gestoßen sind."

Er ist eher der Meinung, dass die Hetzer mit deutlich erhöhter Aggressivität in ihren Posts Aufmerksamkeit haben wollen. "Das Thema Einwanderung hat sich beruhigt. Heute geht es um Wohnung, Berufserfahrung und Integration. Wer mit seinem Hass und Rassismus wahrgenommen werden will, muss womöglich deutlich aggressiver auftreten."

Und dabei werden Grenzen überschritten.

Auf diesen Post reagierten Rassisten mit aggressiven Sprüchen und Drohungen:

Titelfoto: DPA


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