Frau verklagt Kieferorthopäden, weil er ihr "zu wenig Zähne gezogen" hat

Bielefeld - Sie wollte einfach nur ihre angeblich "toten Zähne" im Oberkiefer loswerden. Seit geraumer Zeit klagte die 56-Jährige aus Bielefeld über anhaltende "Temperaturschmerzen", die durch die Übeltäter hervorgerufen werden sollten.

Weil nach dem Eingriff noch Zähne standen, verklagte die Patientin den Kieferorthopäden. (Symbolbild)
Weil nach dem Eingriff noch Zähne standen, verklagte die Patientin den Kieferorthopäden. (Symbolbild)  © DPA

Wie das Westfalen-Blatt berichtet, wendete sie sich deshalb an ihren Zahnarzt. Der soll ihr empfohlen haben, sieben der elf Zähne, die sie noch im Oberkiefer hatte, herausnehmen und sich dann eine Teleskop-Prothese auf die verbleibenden Zähne setzen zu lassen.

Da sie aufgrund einer Krankheit keine Lokalanästhesie vertrage, habe sie sich dazu entschieden, den Eingriff im Krankenhaus vornehmen zu lassen. Dort sollten die Zähne unter Vollnarkose gezogen werden.

Kurz vor der Operation schickte der behandelnde Zahnarzt noch eine Ergänzung an seinen Kollegen: Es sollten doch alle Zähne entfernt werden. Der Kieferorthopäde behauptet allerdings, dass diese Anweisung "in unserer Praxis an mich nicht weitergeleitet" worden sei. So blieben zwei Zähne im Oberkiefer der Patientin unangetastet.

Als die 56-Jährige nach der OP aufwachte, dachte sie sofort: "Das darf doch nicht wahr sein!" Sie sprach von einer "absprachewidrigen Behandlung", weil er ihr "zu wenig Zähne gezogen" hat - und verklagte den Kieferorthopäden, weil sie einen Folge-Eingriff befürchtete.

Von der Versicherung des behandelnden Kieferorthopäden erhielt die Frau bereits 1500 Euro. Vor Gericht bestätigte allerdings ein Gutachter, dass dem Arzt nichts vorzuwerfen sei. "Die Indikation, diese Zähne auch zu ziehen, war damals und ist heute nicht vorhanden." Der Zustand der Zähne sei gut.

Eine Teleskop-Prothese sei einer Vollprothese vorzuziehen. "Wären Sie bei mir in Behandlung gewesen, hätte ich Ihnen weitere Zähne gelassen", so das Urteil des Gutachters.

Letztendlich endete der Prozess mit einem Vergleich: Die bereits gezahlten 1500 Euro darf die 56-Jährige behalten, muss dafür aber auf die Klage verzichten. Allerdings bleibt sie auch auf den Prozesskosten sitzen.

Titelfoto: DPA


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0